Etwas aus dem Multi Alltag, auch aus dem gemeinsamen Multi Alltag...

 

Lustige Begegnungen mit Uno s: (= nicht Multiplen Menschen)

Ich habe erzählt, dass ich nun auch manchmal Außen (= vorne) schlafe.
Darauf sie ganz entsetzt: wieso wir denn nachts draußen auf der Terrasse schlafen würden?
*lach*

Jemand von uns hat gesagt: Ich gehe jetzt aber nicht nach Hause. Darauf Frau B. die weiß das wir viele sind: "Ja was machen Sie denn dann?"
Ähm, geht halt jemand anderes von uns nach Hause. *grins*

 

Im System: bei Erkältung : ich geh rein, Andere sollen vor (nicht ich)

 

2014

Halo von den schmeterlingn. Entlich gets uns beser. Vor ein par tagn warn ein ganz dofer tag. Es ist so gmein. Das machd mich draurig. Auch heute noch haben wir teilweise um die verschiedenen Kult Tage herum* keinerlei Erinnerungen. Zusammen mit dem anderen System schaffen wir solche Tage heute besser zu überstehen. Und mit gemachten Fotos versuchen wir das Geschehene zu verstehen und grob einzuordnen. Damit wird der Kontollverlust weniger.  Auf den Fotos wirken wir wie nicht anwesend, haben keinerlei Ausdruck im Gesicht und sind blass. Manchmal sind wir sehr verwirrt und stoßen uns überall an weil wir kein Gleichgewicht halten können. Wir Flashen viel, haben Panik und rutschen immer wieder in die Vergangenheit und diese beschissenen Programme. Ohne einander müssten wir in solchen tagen in die Psychiatrie, so wie früher. Was alles noch viel schwerer macht.  Doch gemeinsam schaffen wir das heute besser!

(* Kulttage: eigentlich Kultnächte; Nächte in denen Kulthandlungen stattfinden/bei uns stattgefunden haben)

 

Bei der Gutenacht Geschichte für die Kinder:

J. hat heute Abend den Kindern Geschichte vorgelesen. Dies ist eine schöne gemeinsame Gewohnheit, die sehr viele Kinder genießen. Nun dachte jetzt eine von den „Schlaubergern*“ die Grammatik des Kinderbuchs korrigieren zu müssen. Frage von ihr: wie soll ein Kind bei so einem Kinderbuch korrekte deutsche Grammatik lernen? Liest dies denn kein Lektor, der diese Fehler korrigiert? Die Kinder fandem diese Unterbrechung nicht lustig. Die Jugendliche, die vorgelesen hat auch nicht.

*Schlauberger: Sie denjenigen unter uns, die vor allem das Intellektuelle können. Aber keine Ahnung von Gefühlen, dem Leben usw. haben.

 

Neue Regel: die Großen sollen keinen Cafe trinken bevor sie zu Kindern wechseln

 

Mädchen, zehn Jahre: ich rutschte lieber, die Großen bleiben da stecken. (Auf Spielplatz, Tunnelrutsche - das Mädchen hat wohl vergessen, dass der Körper von ihr auch groß ist ;-)

 

Beispiele was die MPS für unseren Alltag bedeutet: Trigger (= auslöse Reize) vor allem auch wenn wir unterwegs sind ein großes Problem. So kann z.B. ein Geruch Dissoziation auslösen. Wenn jemand von uns dissoziiert, „bin ich weg“. Ich bekomme nichts mehr von dem mit, was um mich herum passiert. Auf Ansprache kann ich in diesem Moment nicht reagieren.Starke Trigger hingegen können einen Flashback (=wiedererleben von Traumata) wodurch es zu einem vollkommenden Realitätsverlust kommt auslösen.Auch in Zusammenhang damit sind wir sehr oft stark verwirrt, wissen nicht wo wir sind, was man gerade machen wollte usw.   Aufgrund der DIS muss jede einzelne Handlung strukturiert und geplant werden, doch jeder Switch oder Trigger kann alles wieder durcheinander bringen. Insbesondere außerhalb der Wohnung haben wir da schon kritische Sachen erleben müssen. Außerdem brauche ich sehr viele Erholungspausen und bin nicht sehr belastbar. Allerdings sollte man sich vor Augen führen, welche Grundbelastung und Anspannung ja sowieso immer da ist. Weitere Belastungen von außen sind oft eine Überforderung. Soziale Kontakte sind ein besonders kompliziertes Thema. Wirkliche Freundschaften sind schwierig, zum Einen durch die starken Traumatisierungen aber auch weil wir Alle so verschieden sind. Manche Persönlichkeiten haben einzelne Freundinnen oder Bekannte, die häufig nichts von der Multiplen Persönlichkeit wissen. Somit sind diese Kontakte meist eher flüchtig und können nicht den Raum einnehmen, wie eine Freundschaft bei Unos. Des Weiteren ist die Zeit, in der wir als „Einer“ z.B. in der Öffentlichkeit oder am Telefon auftreten können sehr begrenzt. Hier sind meist mehrere Persönlichkeiten vom Alltagsteam beteiligt, was Außenstehende aber nicht bemerken und nicht wissen. Wenige Freunde wissen von der DIS, diese Freundschaften sind oft intensiver weil man sich selber nicht immer verstecken muss und ein Stück mehr wir selber sein dürfen.  Am allerschönsten ist es für uns mit dem jeweils anderen System zusammen zu sein. Hier braucht sich niemand verstecken, können wir alle so sein wie wir sind. Das zu lernen ist toll. Dann ist es nicht nötig, immer aufzupassen sondern kann auch mal Kontrollmechanismen einstellen die ebenfalls viel Energie kosten. Danke, dass wir euch kennen ;-).

 

Frage: Welches Oberteil ziehen wir (Schmetterlinge) zu den Zwergkaninchen an? Etwas was schmutzig werden kann…

Das Gift grüne? Nein, das gehört mir sagt eine Jugendliche. Das Weiße in dem wir ausschauen wie eine Presswurst und sich deshalb für Kaninchenstall sauber machen gut eigenen würde? Nein, das habe ich geschenkt bekommen, sagt eine Erwachsene. Das Blaue? Nein, ich (männlicher Jugendlicher) habe doch eh nur ein Oberteil. Das Rosa? Nein, das wollen kleine Mädels gerne anziehen, darf aber nicht schmutzig werden. Letztendlich hat ein oranges Sweat Shirt das zu klein und für niemanden extrem wichtig ist das Rennen gemacht. Juchhuu, wir haben ein „Kaninchen T-Shirt“ schon nach einer halben Stunde gefunden. Klasse, oder?

 

EIS

Ein kleiner Junge, 5 Jahre alt der noch nie zuvor Eis gegessen hat vor einiger Zeit als er zum ersten Mal in einer Eisdiele Eis bestellen durfte. (mit einer Persönlichkeit von den Schmetterlingen). Er sagte zum Eisverkäufer als dieser ihn fragte was er denn haben wolle Eis. Dieser fragte nochmal, doch J. wusste nicht das es verschiedene Sorten Eis gibt. Er wollte einfach nur Eis, dachte der Eisverkäufer spinnt weil dieser nicht verstanden hat dass er ein Eis haben möchte. Auch das andere System wusste nicht, dass er gar nicht wusste dass es ja verschiedene Sorten Eis wie Vanille, Erdbeere, Schokolade usw. gibt. Letztendlich haben die Schmetterlinge dann einfach etwas für ihn bestellt. Heute weiß er, welches Eis er gerne isst und bestellt immer Erdbeere

 

Ein paar von uns haben heute wieder mal festgestellt wie festgefahren erwachsene Menschen sind. Auch in beiden Systemen gibt es Kinder unterschiedlichen Alters- eines haben alle Kinder gemeinsam, (Multikinder und nicht multiple Kinder) sie sind authentisch. Vor kurzem haben  wir jemanden oberflächig kennengelernt: Wir Erwachsene hätten sicher so was wie „Hallo ….“ gesagt. Ein kleines Innenkind von uns hat stattdessen gesagt: Hallo Frau Neu! (eigentlich logisch: es ist eine Frau und neu ist sie weil man sie gerade erst kennengelernt)

 

Kompromisse eingehen… Ich mag dieses Wort nicht. Sicher ist es oft nur durch einen Kompromiss möglich eine Lösung zu finden.   Ich habe im Moment da so ein Dilemma mit einem Medikament dass ich (wegen einer meiner chronischen Erkrankung nehmen muss) Es hat  positive Wirkungen für meinen „Schrottkörper“ aber es hat auch ganz schön fiese Nebenwirkungen. Das Gefühl sagt, lass diese „Chiemiekeule“ doch weg, aber der Verstand sagt, du musst dass nehmen weil dein Körper das Medikament dringend braucht. Wie andere dreizehnjährige würde ich nicht immer auf der Verstandsebene entscheiden. Aber als eine Persönlichkeit gefangen in nur einem außen Körper mit ganz vielen Persönlichkeiten, da ist es schwer dass eine 13 jährige ihren Willen durchbekommt. Ich will Körper nur für mich allein für den ich Entscheidungen treffe auch wenn ich dann mit den Konsequenzen leben muss. Versteht ihr was ich meine? Jugendliche, 13 Jahre

 

Fragen aus dem Alltag:

Warum beschweren sich so viele Menschen über so banale Dinge und sind mit ihrem Leben unzufrieden? Der Chef streicht das Weihnachtsgeld, die Verkäuferin an der Kasse ist unfreundlich, die Benzinpreise sind gestiegen… na und. Muss man deswegen wirklich den ganzen Tag gemein, unfreundlich und genervt auf alle Menschen reagieren, die einem Begegnen? Viele andere Menschen (nicht nur wir Multis) wären froh wenn sie nur solche Problem hätten. Es gibt viele Menschen die haben chronische Schmerzen, sind arbeitslos, erleben Gewalt in der Familie. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, die ein Leben erheblich erschweren können. Gerade die Menschen denen es gut geht, die Alles haben und dennoch so unzufrieden sind mit Allem und Jedem sollte sich ab und zu bewusst machen wie viel Glück sie haben. Jeder Mensch kann z.B. durch einen Unfall oder eine Krankheit, durch eine Gewalttat etc. als Spätfolgen von einer physischen oder psychischen  oder geistigen Behinderung betroffen sein. Dann plötzlich beispielsweise an chronischen Schmerzen leidet, unverschuldet in die Armut rutschen usw. Das ist mir gerade spontan eingefallen, als ich heute ein Mann in Anzug sah, der sich an der Kasse lautstark beschwert hat, dass die Kassiererin ein Produkt zweimal berechnet hatte. Weltuntergang!!! Wahrscheinlich reicht das bei ihm dass er ein paar Stunden schlechte Laune hat…  Wir hingegen müssen mit Problemen in einer ganz anderen Dimension zurechtkommen, um unser Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Wer schon denkt darüber nach, dass ein defekter Aufzug für jemanden der im Rolli sitzt, bedeutet dass er z.B. in eine Arztpraxis nicht reinkommt. Dass jemand der an Krampfanfällen leidet immer aufpassen muss genug zu schlafen, keine Alkohol, kein Blinklicht. Oder jemand der schlecht hört mit den verschiedenen Umgebungsgeräuschen völlig überfordert ist. Tja, und dann sind ja da auch noch sämtliche Folgen der Traumata, die DIS die so vieles unberechenbar macht….Spontan klappt da selten was.

 

Wer bin ich?

Ein maulwürfiger, schlechthörender, krampfender Multi Teeny. Hä? Was ist das? Das bin ich. Ich bin 13, sehe schlecht, höre schlecht und mein Gehirn ist ein Blitzableiter. Ach ja, und Multipel bin ich auch noch. Es gibt für fast alles gibt es was.  Eine Brille für den Maulwurf. Eine Antenne für die Ohren. Medis gegen Gewitter im Gehirn.Doch für einen eigenen Körper gibt es keine Lösung. Raus aus dem Multikörper kann ich nicht auch wenn ich das manchmal will. Man muss miteinander klarkommen ob man will oder nicht. Jugendliche, 13

 

Hallo, ich bin Erwachsen und jemand aus dem System der Schmetterlinge. Ich „wohne“ etwa in der Mitte des Systems. Das heißt so zwischen den Alltagspersönlichkeiten und den Kultkindern. Mittlerweile kann ich zum Glück mit den weiter innen „reden“ und damit versuchen Ihnen bei Ängsten, Erinnerungsschmerzen… zu helfen. Heute hat ein Innenkind, das nur die Welt des Kultes kennt (Dunkelheit, Kälte, schlechte Luft, Schmerzen, Folter) gesagt: die Luft heute (wo sie nicht mehr im Kult lebt und langsam das Leben in unserer Welt kennenlernt)  „die Luft hier ist so lecker“. Ihr könnt euch ja überlegen was sie damit meint. Vielleicht kennen  Kultkinder aus anderen Systemen ähnliche  Beschreibungen.

 

2015

die Sonnenblumen lagen bereits im Bett, und kamen deswegen nicht an ihre Medikamente am Esstisch ran. Aus Spaß hat sich folgender Dialog spontan zwischen zwei Jugendlichen ergeben. Die Jugendliche von den Schmetterlingen, die nicht genau wusste was für Medikamente die Sonnenblumen jetzt grade brauchen hat gesagt: „Willkommen bei…(Fastfood Kette), Ihre Bestellung bitte“.                                                                „Ich hätte gerne Medikament A, B und C.“                                                                                                             „Wollen Sie das als Menü? Und zum Nachtisch vielleicht noch eine Apfeltasche für einen Euro dazu?“      Antwort: „Nein danke.“ „Das macht dann 6,99 €. Fahren Sie bitte zum nächsten Schalter vor.“                   „Haben sie‘s passend?“ „Nö ich hab nur 10 €.“                                                                                                „Hier ihr rück Geld“                                                                                                                                                „Schöner Abend“, danke gleichfalls                                                                                                                 Geld gegen Medikamente ;-)

 

 

Warum isst man alten Käse? Kind: Man isst keine alten Lebensmittel. Da denken unsere Kids mal wieder sehr ähnlich wie Außenkinder.

Haben alle von uns und den Schmetterlingen auf dem Balkon Platz? Nein. Aber dann können wir ja nicht alle zu Curly und Charly. Ohhhhhh.

 

Ein Junge zu einem Mädchen im System:

Ich gehe nicht auf´s Klo. Das müssen die Mädchen machen. Mädchen: aber wenn du ein richtiger Junge sein willst, musst auch du auf´s Klo und nicht immer die Mädchen. Andere „Aussenjungs“ müssen auch aufs Klo. Da kann keiner für sie gehen weil er ja ein uno ist. Das ist ja voll ätzend, 

 

Eine Geschichte zum Schmunzeln:

Vor kurzem haben die Kinder beider Systeme einen Air Walker kommen. Das ist ein mit Helium gefüllte Luftballon, der statt zu fliegen laufen kann. Es ist ein lila Elefant. Nicht nur die Kinder, sondern auch ich, dreizehn Jahre alt, finde das sehr lustig. Als der Elefant bei Wind vom Regal in die Tiefe zu stürzen drohte, war für mich klar dass er sehr suizidal ist. Nachdem er trotz gutem Zureden immer wieder kopfüber nach unten hing, habe ich beschlossen dass er auf eine geschlossene psychiatrische Station muss. In Wirklichkeit habe ich Ihn in den Kleiderschrank gesperrt. Jeden Tag habe ich ein paar lustige Dialoge mit ihm geführt. Dadurch ging es ihm schnell besser, und er durfte wieder zurück in sein Zuhause. Jetzt ist der Elefant nicht mehr akut suizidal und darf sich frei in der Wohnung bewegen. Glück gehabt. Ein Rückfall ist jedoch nie auszuschließen.

Ich finde so eine Situationskomik braucht man manchmal einfach. Denn auch ich kenne das auf einer geschlossenen Station in der Psychiatrie. Da kann man nicht gehen wann man will, sondern nur wenn die Station Tür mit Schlüssel geöffnet wird. Bei meinem Elefant war es eben die Schranktür ;-)

 

 

Gestern ging es mir psychisch gar nicht gut. Plötzlich ist so viel über mich hereingebrochen, was lange weg war. Hab mich in Raum und Zeit verloren, ich wollte niemanden verletzen. Der Sog der Traurigkeit war so groß, die Verzweiflung riesig. Doch wo5.6hin damit? Ich musste weinen. Doch das ist sehr anstrengend wenn man ein Multiples System ist. Aber auch für mich persönlich war es das. In dem Moment zu offenbaren, wie es mir wirklich geht und was ich denke da ganz schön schwer. Ich hoffe sehr dass es nicht falsch war. Früher wäre sowas nie passiert wenn ein anderer Mensch dabei war, da hätte sich einer von uns beherrscht und diejenige, der es nicht gut geht nach innen geholt. Damit die „Fassade“ außen stabil und freundlich wirkt. Aber vielleicht ist es auch gut, dass ich es nach  außen gezeigt habe. Irgendwie fühlt es sich für mich trotzdem komisch an, da ich es nicht gewohnt bin. Es ist schwer.

Tja und eine gute halbe Stunde später hatten wir einen Termin. Dieser konnte ohne Einschränkung wahrgenommen werden. Das ist wohl auch nur bei einer multiplen Persönlichkeit möglich, denn ich persönlich hätte zu diesem Treffen nicht gehen können nachdem wie es mir gerade ging. Für andere von uns hingegen war es überhaupt kein Problem, sie hatten Freude und auch keinen Grund nicht dorthin zu gehen. Schon merkwürdig vermutlich, wenn man das so liest. Denn wieso sollte jemand, dem es gerade total schlecht geht und sich nur verkriechen möchte zu diesem Treffen gehen? Ich muss gestehen, ich R. war auch nicht dort. Mir wäre es zu viel gewesen. Für andere vom System war es aber genau richtig hinzugehen. Ich war derweil innen.

 

 

Zeitsprung, beim Aufräumen haben wir diese Aussagen von uns gefunden. Sie stammen aus der Zeit in der Traumaklinik in der wir uns kennen gelernt haben.

Erste Begegnung: Wir sind nicht die Einzigen die viele sind hier in der Klinik. Haben ein anderes Multiples System kennengelernt. Das ist eine tolle Erfahrung. Der Austausch und insbesondere einfach WIR sein zu können ist was ganz besonderes. Die stressfreien und erfahrungsreichen Begegnungen einzelner Persönlichkeiten miteinander sind etwas ganz wertvolles. Auch vorher haben wir schon mal einen anderen Multi kennengelernt, aber unsere Verbindung zueinander ist anders und besonders stark.                

                       

Hallo Sonnenblumen, für uns war es hier mit euch eine unvergessliche Zeit. Was wir zusammen erlebt haben werden wir nie vergessen. Ihr habt so viel gelitten, weil andere euch so wehgetan haben. Ihr seid so tapfer. Gibt nicht auf! Ihr seid heute in Sicherheit. Wir denken an euch. Wir freuen uns jetzt schon wenn wir uns wieder sehen, Schmetterlinge

 

 

Situation: Heute habe ich in einem Buch einen Knick entdeckt. Daraufhin hat sich folgendes ereignet.

System A: Wisst ihr, was mit dem Buch passiert ist?                                                                                        System B: Wechsel. Ein Kind kommt vor. „Ja, ich hab s kaputt gemacht.“                                                      System A: Was ist passiert?                                                                                                                              System B: „Ich hab s kaputt gemacht.“ „Ich war s“. Automatisierte Antworten, immer wieder. Sie hat keine Ahnung, worum es geht oder was los ist. Nimmt alle Schuld auf sich.                                                               System B: Ich weiß nicht, ob ich was gemacht hab, aber das ist immer so. Ich war s.                                     Sie hat Angst, vor einer schlimmen Strafe.

Früher war ihre Aufgabe im System genau in solchen Situationen vor zu Wechseln. Da eine multiple Persönlichkeit immer wieder die Erfahrung macht für etwas verantwortlich gemacht zu werden an das man selbst sich nicht erinnern kann. Erschwerend hinzu kamen noch die unvorhersehbaren Reaktionen der Umgebung.

 

Lohnt es sich zu vertrauen?

Seit fast 2 Jahren waren wir mehrfach die Woche beim gleichen Physiotherapeuten. Und nun das.           Er wird nicht wieder kommen. Er hat gesagt, er ist nur ein halbes Jahr weg, doch er hat gar nicht vor dann wieder zurück zu kommen. Warum hat er es dann gesagt? Es war schon schwer uns von ihm zu verabschieden, aber irgendwie ist es nun noch schwerer für uns. Denn wir haben dies nicht von ihm persönlich erfahren. Wir haben langsam und mühsam vertrauen zu ihm aufgebaut. Physiotherapie hat in unserem Fall häufig mit Körperkontakt z.B. durchbewegen, manuelle Therapie, Massage… zu tun. Das war alles andere als einfach und fällt uns schwer. Und nun ist es weg, ganz und gar und nicht nur vorübergehend. Das verstehen wir nicht. Warum hat er uns das nicht gesagt? Warum geht er ohne zu sagen dass er gar nicht beabsichtigt wieder zu kommen? Und dann auch noch die letzten Tage krank, wobei wir wissen dass er das nicht war. Das fühlt sich komisch an. Warum das so schwer für uns ist? Vielleicht weil wir dieses Verhalten kennen. Diese Unberechenbarkeit, Unzuverlässigkeit und zuletzt die Frage, was haben wir jetzt wieder falsch gemacht. Haben wir es nur falsch verstanden dass er wiederkommen wird? Doch noch nicht mal „die Anderen“ wissen Bescheid, denken also das gleiche. Wieso stiehlt er sich so daraus ohne zu sagen, dass es für ihn vielleicht nicht mehr passt, zu viel ist oder was auch immer ihn zu diesem Schritt bewegt. Aber warum ohne sich richtig zu verabschieden? Ohne die Wahrheit zu mitzuteilen. Ohne zu sagen, dass es nicht vorübergehend sein wird sondern für immer? Für uns ist das schwer.

 

 

"Ausmisten", finden alter Fotos und Schulhefte

Gestern haben wie bei den Schmetterlingen gemeinsam im Keller aufgeräumt und aussortiert. Dabei sind wir auf einige alte Schul- und Ausbildungshefte und Unterlagen gestoßen. Das war für beide Systeme ganz schön aufregend, aber auch verwirrend und ein wenig erschreckend. Uns Sonnenblumen fielen sehr schnell einige verschiedene Handschriften bei den Heften der Schmetterlinge auf, die zum Teil auch je nach Unterrichtsfach wechselten. Viele der Persönlichkeiten die in Schule und Ausbildung gingen waren äußerst sorgfältig in ihren Aufgaben und Heftführungen. Andere eher schluderig und mit nicht so guten Leistungen. Und dann, switch, schrieb eine andere Persönlichkeit beispielsweise den Aufsatz weiter. Andere Zeit, andere Schrift, anderer Stil…. Eine Schülerin korrigierte Texte von anderen im System mit Tintenkiller.         Faszinierend dies aus unserer (Sonnenblumen) Perspektive zu sehen. War denn das nicht auffällig? Scheinbar nicht. Ein paar wenige Fotos haben wir auch gefunden. Die gemeinsam anzuschauen war gar nicht einfach und hat bei verschiedenen von den Schmetterlingen sehr unterschiedliches ausgelöst. Klassenfotos, einfach irgendwo mittendrin, oder ein anderes Mal an der Seite. Nicht auffällig in dem wie die Kleidung war oder sonst ein besonders Merkmal. Doch wir, die Sonnenblumen haben sie auf jedem Foto ohne drüber nachzudenken problemlos erkannt. Und auf solchen Bildern sind bekanntlich einige Leite zu sehen. Warum? Das ist schwer zu erklären. Der Blick so anders, wie der der Mitschüler. Die Körperhaltung angepasst und doch irgendwie unsicher. Auf den verschiedenen Bildern war nicht immer Dieselbe vorne, doch das machte es für uns noch offensichtlicher. Zum anderen sicher, weil wir sie sehr gut kennen. Und doch, wenn wir uns diese Bilder ansehen merken wir, wie der Blick um Hilfe schreit, weit weg ist oder so unglaublich überangepasst ist. Mal der Kamera ausweichend, mal schaut jemand von den Kleineren obwohl der Körper schon eindeutig älter war. Für uns seid ihr da auf Anhieb und auf den ersten Blick rausgestochen. Schule, eine Instruktion in die ihr so viele Jahre parallel zum Leben in der satanistischen Sekte und den anderen Schauplätzen der Gewalt regelmäßig ward. Schwer vorstellbar, wie das alles gleichzeitig passieren konnte ohne dass irgendwer da draußen etwas unternommen hat um euch zu helfen. Das tut uns sehr leid. Die richtigen Worte für so eine besonderes Situation zu finden fällt uns schwer. Wir danken euch sehr, dass ihr eure Erinnerungen mit uns geteilt habt. Das ist ein sehr wertvolles Geschenk. Danke.

Sonnenblumen

 

Wisst ihr eigentlich, wieviel Kommunikation nach innen ins eigene System jedem Tag, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr notwendig ist? Bei uns Multis muss alles besprochen werden, was du für dich als „ein Mensch“ nur mit dir selbst ausmachen musst. Nicht so bei uns. Zunächst sind da mal die unterschiedliches Bedürfnisse, Wünsche aber auch Anforderungen an das Leben. Wie aber die wenige Zeit, die jedem Einzelnen bleiben sinnvoll nutzen so das möglichst noch produktives dabei herauskommt. Tages und Wochenpläne waren hier sehr lange Alltag. Heute wo die Systeminterne Kommunikation ist dies weniger geworden, aber nicht verschwunden.

 

 

Aufzeichnungen aus dem Alltag als uns noch nicht bewusst war dass wir Viele sind. Solche Situationen sind ganz typisch für Multiple Persönlichkeiten, denn in der Zwischenzeit haben andere Persönlichkeiten außen agiert. Für diesen Zeitraum hat die Person die hier geschrieben hat eine Amnesie. Da es noch keine innere Kommunikation gab, war der Alltag häufig Chaotisch, Undurchsichtig aber nach Außer funktional.

Ich glaube, ich habe schlecht geschlafen, bin müde. Welche Vorlesung hab ich heute Vormittag? Was muss ich einpacken. Schaue auf die Uhr, es ist schon Nachmittag. Komisch, wie schnell der Tag schon wieder verging. In meinem Ordner finde ich Mitschriften aus der heutigen Vorlesung. Dabei kann ich mich nicht erinnern, in der Vorlesung gewesen zu sein. Aber da ich ja mitgeschrieben habe, muss ich ja dort gewesen sein. Aber Ich bin doch nur zur Uni gefahren, wie kann es sein? Ich schaue auf die Uhr, mir fällt ein dass ich gleich Psychotherapie habe. Merke, dass ich es nicht mehr pünktlich dorthin schaffe. Also will ich die Therapeutin anrufen und Bescheid geben. Ich schaue in der Kontaktliste meines Handys nach. Aber wie kann ich herausfinden, wie die Therapeutin heißt? Wie kann ich sowas nur vergessen… Irgendwie bin ich irgendwann bei meiner Therapeutin angekommen.

 

 

"Ich finde gut das wir zusammen so viel schon geschafft haben zusammen sind wir stärker als die von früher. Das ist so toll. Der Kult hätte nie gedacht dass wir uns mal treffen und gemeinsam helfen können. Glaube das konnten sie sich nicht vorstellen. Aber ich finde es gut es ist so schön dass ich jetzt eine richtige Freundin habe. Und wir über alles reden können und wir zusammen verstehen. So viel verändert sich seit wir nicht mehr alleine sind. Das ist sehr schön. Ich kann mir nicht mehr vorstellen allein zu sein. Gemeinsam ist vieles leichter."Du bist etwas ganz Besonderes für mich. Deine Aufgabe im System ist sehr schwer und anstrengend. Du hilfst und beobachtest sowohl im Innen. Du bist sehr stark und musst viel Trauma Wissen ertragen. Ich hab dich sehr gern und freue mich jedes Mal wenn ich dich in den Arm nehmen kann."

„Gutschein für 1 mal Döner, Cola und Kaugummi“

Diesen Gutschein hat ein Jugendlicher der Sonnenblumen für seinen Freund bei den Schmetterlingen erstellt. Kaugummi deshalb, weil die allermeisten im Körper Döner gar nicht mögen und den Geschmack nicht in ihrem Mund haben wollen.

 

Heute sprach mich eine ältere Frau an. Ja hallo.... wie s "mir" denn so geht. Erzählte irgendwas von ihrer Enkelin etc. und ich hatte keinen blassen Schimmer, wer diese Frau ist. uff... Naja die Frau erzählte und erzählte, machte für mich den Anschein dass sie uns schon irgendwie kennen muss... und breitete da irgendwelche ihrer Probleme aus. Ja und wie ich das denn sehe usw. Ich hab halt innen versucht raus zu finden wer des ist. Ist mir aber in dieser Situation nicht gelungen. Hab dann halt gesagt, dass ich nun weiter müsse. Irgendwann gelang es mir dann auch zu gehen.

 

Früher bin ich gerne getaucht- heute werde ich nicht mehr gebracht. Deshalb bin ich im System abgetaucht.


Im Aufzug: Der Aufzug piept, sagt wir sind zu schwer für den Aufzug. Nur die Schmetterlinge und wir waren im Aufzug. Da sagte eines der Kinder. Ist doch klar, weil 2 Körper mit vielen Bewohnern müssen ja zu schwer sein ;-)

 

Verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig: Beispielsweise will J. gerade essen, sitz am Tisch und hat alles zum Essen vorbereitet. Währenddessen hat sich A. ein Buch genommen und möchte es anschauen. Zur  gleichen Zeit möchte H. ganz dringend mit ihrer Freundin reden…. Aber es können nicht drei verschiedene Persönlichkeiten parallel vorne sein und so unterschiedliche Dinge tun. Auch wenn sie gerne möchten und die Vorstellung ganz praktisch erscheinen mag, man könne ja X. aus dem System mal schnell zu Hause lassen damit sie mit ihrer Freundin spielen kann während K. arbeitet oder R. die notwendigen Telefonate erledigt.

 

„Plötzlich Shakespeare“ von David Safier.

„ Wenn ein Mann und eine Frau sich das Leben teilen, ist das ja schon schwierig. Aber wenn Mann und Frau sich auch noch ein und denselben Körper teilen müssen, ist das Chaos perfekt….“

Ein interessanteste Statement, oder?  Und in diesem Buch teilen sich die beiden den Körper nur vorübergehend. Was dieser Satz aber bedeutet finden wir, kann man in diesem Buch, dass rein überhaupt nichts mit multipel sein zu tun hat ein kleines Stückchen auf witzige Weise erfahren. 

„Vielleicht ist eine Beziehung zu einem Anderen in deinem Körper nicht das wahre?“ Ach ne? Tja, uns bleibt wohl nix anderes übrig ;-)

Ein Trigger, z.B. ein Bild im Fernsehen kann mehrere Persönlichkeiten aus verschiedenen Gründen triggern. Das ist vermutlich ziemlich schwer sich vorzustellen, deshalb versuchen wir es zu beschreiben. Zum einen kann es sein, dass mehrere Persönlichkeiten sich ein Trauma geteilt haben. Den Anfang der Situation erleiden musste und dann von einer anderen Persönlichkeit abgelöst wurde usw. Da das bei uns bei schweren Traumata so üblich war, ist dies in Triggersituationen heute auch so. Nicht bei jedem Trigger, aber es kann so sein.

 

 Einfach nur da!

In dieser schweren Zeit sind die Sonnenblumen immer für uns da. Das hilft uns sehr! Gestern Abend musste ich ganz viel weinen und hatte innen Druck. R. hat mich in den Arm genommen und einfach nur „gehalten“. Das tat so gut. Wenn wir früher schlimme Gefühle hatten, mussten wir alles alleine aushalten. Wir haben in der Therapie zwar viel gelernt, aber die Unterstützung die wir im Moment bekommen und brauchen, kann keine Therapie oder Psychiatrie schaffen. Wir können uns bei den Sonnenblumen einfach fallen lassen, müssen unsere Gefühle nicht unterdrücken. Wir werden einfach nur liebgehabt. Heute können wir einem anderen Menschen komplett vertrauen. Das hätten wir uns bevor wir die Sonnenblumen kennengelernt haben nie vorstellen können. Ich glaube für Menschen die traumatisiert wurden ist vertrauen besonders schwer. Ich glaube, vor allem wenn man noch sehr klein und abhängig von Erwachsenen war und das vertrauen „kaputt gemacht“ ist das für immer schwer. Umso wertvoller ist unsere Bildung zu den Sonnenblumen!

 

Brief der Sonnenblumen an die Schmetterlinge in einer schweren Zeit:

Liebe Schmetterlinge, ihr seid uns sehr wichtig. Wir haben euch immer lieb und wir glauben euch! Wir wissen, dass die vergangenen Wochen schrecklich sind und waren. Nicht zu wissen wie es weiter geht kann jeden Menschen aus der Bahn werfen. Solche Beschuldigungen wie das, was euch unterstellt wird erst recht. Jenny, du darfst sein wie du bist und dazu gehört, dass es dir im Moment nicht gut geht. Das ist in Ordnung! Wir sind an eurer Seite, egal was kommt. Heute seid ihr nicht mehr alleine, wir sind bei euch und Curly und Charly auch. Es ist schon allein deswegen ganz anders als früher.  Wir hören euch zu, nehmen euch in den Arm. Versuchen euch anzunehmen und da zu unterstützen, wo ihr es möchtet und braucht. Können miteinander reden, gebärden oder schweigen, wie es sich eben richtig anfühlt in den Moment. Wir halten die Situation gemeinsam mit euch aus und werden mit und für euch kämpfen. Bitte sagt uns, wenn sich etwas was wir sagen oder tun nicht gut anfühlt. Schmetterlinge, ihr seid die tollsten Menschen die wir je kennen lernen durften. Wir möchten euch sagen, dass ihr uns sehr wichtig seid. Soooo sehr, das Worte dafür gar nicht ausreichen. Wir nehmen euch ernst! Sind einfach da. Wir würden gerne mehr tun als da sein, doch wir wissen nicht was. Wir haben euch sehr lieb und gemeinsam werden wir mit euch euren Weg suchen. Auch wenn ihr im Moment gar nicht wisst wo dieser hingehen könnte, es wird der Augenblick kommen, in dem es euch klar wird. Egal was ihr für eine Entscheidung treffen werdet, wir werden sie mit euch tragen. Liebe Grüße, Sonnenblumen

 

Jugendlicher 12, Schmetterlinge

ich habs nicht so mit dem Schreiben. Ich will aber trotzdem mal was sagen. Computer kenn ich noch als dicke „Kästen“ wo der Bildschirm oft flackerte und das es zum Speichern nur diese Disketten gab. In der Schule hieß bei uns Arbeiten im Computerraum immer „trockene Arbeit“, das Internet war gerade erst am Entstehen.  Wir waren auf einer eher konservativen Schule. Wir lernten das Schreiben mit zehn Fingern, mussten Diktate am PC schreiben. Computer war dadurch ein nicht wirklich beliebtes Teil. Das ist heute wohl ganz anders....

 

Wer sind wir? Wer bin ich? Das ist eine Frage die in der Therapie immer wieder gestellt wurde. Was macht uns aus? Welche Stärken und Schwächen haben wir? Diese Worte hat Eine von uns vor längerer Zeit geschrieben. Ich finde es schwierig mich selbst zu beschreiben. Ich denke, dass ich eine ruhige und sensible junge Frau bin. Insgesamt denke ich, dass ich über ein geringes Selbstbewusstsein verfüge. Aufgrund von Erfahrungen in der Vergangenheit gebe ich nur sehr vorsichtig Informationen über mich, mein inneres Preis. Häufig fühle ich mich den äußeren Umständen ausgeliefert. Momentan bin ich sehr einsam. Nach außen war ich lange ein selbstständiger, selbstbewusster und gut funktionierender Mensch. Jemand, der meistens guter Laune ist, immer zupackt wenn die Gegebenheiten dies erforderlich. Häufig nahm ich mir Zeit für die Probleme Andere. Ich war belastbar, habe wohl ein gutes Einfühlungsvermögen und war so oft Zuhörer. Anderen Menschen bringe ich viel Wertschätzung und Verständnis entgegen. Mit ihnen bin ich viel weniger kritisch als mit mir selber. Ihnen gestehe ich Schwäche zu, was mir bei für mich extrem schwer fällt. Vielleicht habe ich dadurch selbst übersehen, dass es auch in mir eine schwache, sensible Seite gibt. Das auch ich einen Platz für mich brauche, wo ich sein kann wie ich bin. Verlässlichkeit ist für mich sehr wichtig. Doch immer wieder werde ich in dieser Hinsicht von anderen Menschen enttäuscht. Ich bin perfektionistisch und habe hohe Ansprüche an mich selber. Mir gestehe ich kaum einmal zu, etwas nicht sehr gut zu machen. Gut ist mir häufig nicht gut genug. Damit setze ich mich häufig selbst unter Druck. Eine Erwachsene von den Sonnenblumen

 

Was bin ich wert? Zusammen mit meiner Freundin (Jugendliche von den Sonnenblumen) mindestens doppelt so viel wie alleine. Eigentlich meinte ich wie wertvoll mein Leben ist. Jugendliche, Schmetterlinge

 

Gestern haben wir auf Wunsch einen 5 jährigen Jungen von uns „Burgerformer“ gekauft. Er hilft sehr gerne kochen, am Liebsten etwas mit Fleisch. Selbstgemachte Burger sind besonders beliebt. Nun haben wir diesen Gegenstand ausgepackt, die Ideen um was es sich dabei handeln könnte sind unglaublich. Von Aschenbecher bis zum runter gefallenen Feuermelder. Einer neuen Schüssel zum Fressen für die Kaninchen oder einem Topfdeckel reichen die Ideen.

 

 

Wenn man etwas Bestimmtes möchte z.B. Süßigkeiten muss ich nur „den richtigen Großen“ fragen, denn einer im System sagt bestimmt ja. Und wenn nur deshalb, dass ich nicht weiter nerve. Habe mehr Auswahl als die meisten Außenkinder, die nur „2 Große“ zum Fragen haben.

Ich hab aus Lego ein Feuerwehr Auto baut. Das parkt unterm Bett. Hat da seine Garage. Manchmal aber um parken muss. So wie gestern. Aber jetzt, wieder auf seinem Parkplatz. Junge, 5 Jahre

Jugendliche: Darf ich mit 13 online was bestellen? Antwort einer anderen Jugendlichen im System: Ja, auf unserem Ausweis steht doch, dass der Körper erwachsen ist. Mhhhhh, ja stimmt!

 

Speiseplan:

da haben wir wieder mal den Salat. Wir sind uns nicht einig was es zu essen geben soll. Ein dreijähriges Mädchen hat Milchreis bestellt, dieser köchelt  schon auf dem Herd vor sich hin. Nun will eine sechsjährige aber Pizza, obwohl wir keine da haben. Tja und wenn man jetzt im System noch weiter fragen würde, würden vermutlich noch viele verschiedene Wünsche kommen. Kochen für zwei Multiple Systeme ist gar nicht so einfach! Kochen mit dem eigenen System aber auch nicht. Ein Junge ist unser Spezialist im Braten. Er liebt es zum Beispiel Frikadellen selbst zu machen, Bolognese Sauce oder sonstige Dinge am besten mit Fleisch. Jemand anderes ist wiederum Vegetarier und kann sich absolut nicht vorstellen das Gekochte nun zu essen. Der eine mag es eher salziger, jemand anderes süß. Das Frühstücksbuffet im Urlaub war ein perfektes Frühstück für uns als Multiple Systeme. Doch dort wurde ganz schön viel durcheinander gegessen, obwohl wir das durchaus schon gebremst haben. Die Auswahl war einfach zu verlockend. Meistens kochen bei uns wir Sonnenblumen, doch motorisch unterstützt uns entweder jemand von den Assistentinnen oder jemand von den Schmetterlingen. Jedoch können nicht jeden Tag die Kleinen entscheiden, was es zu essen gibt. Dann wäre unser Speiseplan wohl sehr eintönig. Und eine gesunde Ernährung ist wichtig, und damit auch Gemüse und Salat. Grad spreche ich´s aus, schon kommt die Antwort eines Kindes von den Schmetterlingen "Ihhhh, ich mag kein Grünfutter". O. K. in einem System ist natürlich der Vorteil dass es meistens jemand gibt, der etwas mag und jemand der was nicht mag. Wenn die kleinen Jungs beispielsweise ihre selbst gemachten Hamburger essen, müssen zwei Jugendliche hinterher den Salat essen. Also nicht das eine Blatt auf dem Hamburger, das geht gerade noch, aber mehr Salat wird sicher nicht dazu gegessen. "Ein uno Kind ja alles essen muss", bemerkt ein Mädchen von uns. Stimmt! Doch dafür muss es auch leckere Speisen oder Getränke nicht mit anderen teilen und hat beispielsweise selber zwei Kugeln Eis. Das kommt bei uns eher selten vor.

 

Hallo, ich bin ein Kind. Früher war Weihnachten nicht schön. Also Geschenke zu bekommen war schon schön. Aber nachts in den Kult zu müssen nicht. Manchen von uns wurde dort sehr wehgetan. Wenn auch nicht mir, aber unserem Körper. Heute ist das zum Glück anders. Leider gibt es auch heute noch Kinder, die von Erwachsenen in den Kult mitgenommen werden. Das finde ich schlimm. Kinder können sich doch noch gar nicht wehren.

Hey, Weihnachten dieses Jahr läuft besser wie gedacht. Am 24.12. am Abend haben wir Raclette gegessen. Das ist echt ein perfektes Multiessen. Allen hat es geschmeckt und es hat viel Spaß gemacht. Vor dem Schlafen gehen ging es einer Jugendlichen von den Sonnenblumen nicht gut, aber zusammen war es leichter das „durchzustehen“. Heute haben wir uns vorgenommen  nur schöne Dinge zu machen und das klappt ganz gut. Wir haben Kinderfilm geguckt, gemalt, Memory gespielt, etwas für die Homepage geschrieben…

 

Mir geht’s beschissen. Immer wieder denke ich darüber nach, was ist jetzt schon wieder. Es ist zum Davonlaufen, doch aus der eigenen Haut kann ich nicht raus. Würde es in diesem Moment aber sehr gerne. Warten, dass meine Freundin kommt. Dann kann ich ihr erzählen, was los ist. Das ist mir voll wichtig. Ich mag da nicht alleine zurückrufen, zu groß ist die Angst. Wieso schafft es ein unbekannter Anrufer ohne Hinterlassen einer Nachricht, mich so unter Druck zu setzen? Die Antwort ist recht simpel, denn ich weiß, wer es das letzte Mal war und was darauf folgte. Doch es ist nicht dieselbe Nummer, vielleicht verbirgt sich dahinter etwas ganz harmloses…. Doch was, wenn nicht?  Aber das schaffe ich nicht alleine herauszufinden. Versuche mich abzulenken, etwas anderes zu denken. Doch immer wieder kommt die Angst hoch, krallt sich an mich und lässt mir immer weniger Luft zum Atmen. Mag das nicht!

 

„Wenn jemand im System gerade nicht weinen kann (obwohl etwas traurig ist und die Persönlichkeit weinen möchte), dann weint im anderen System jemand stellvertretend für denjenigen.“ Jugendliche, Sonnenblumen

 

2017

Allein für mich entscheiden

Das würde ich manchmal gerne. Als Multi ist das jedoch kaum möglich. Einer gibt immer seinen Kommentar dazu, findet etwas nicht gut oder würde es anders machen. Was schon schön ist, man ist nie allein. Aber man kann es sich halt nicht aussuchen. Und wenn ich mal alleine für mich etwas entscheiden möchte klappt das selten. Für mich ist es schwer mir vorzustellen wie UNOs Entscheidungen treffen. Jugendliche, Schmetterlinge

 

Anforderung durch das eigene System, die manchmal nervenaufreibend sind…. Vor allem, da unglaublich viel parallel los sein kann. Eine Jugendliche will eine Feststellung ihrer Freundin bekanntgeben, ein kleiner Junge erzählt stolz von seinem gefundenen Fahrschein.  Jemand von den Schlaubergern will eine Meinung, während dessen wird ein Kind von seinem Gefühl überschwappt, nach dessen Erklärung wir suchen. Parallel will einer „Außen“ eine Entschuldigung, oder eine Verabredung ausmachen. Ein Jugendlicher weißt auf den Vertrag hin, während A. sich nicht sicher ist ob er eine Zu- oder Absage erteilen soll…. Ach ja, und dann will Jemand in den öffentlichen Verkehrsmitteln noch den Fahrschein sehen… Und das alles gleichzeitig.

 

Peinlich:

Vor kurzem ist mir etwas Peinliches passiert. Eigentlich war es gar nicht meine Schuld. Aber ich hab mich dann blamiert. Ein Kind von uns hat sich ohne zu fragen ein leuchte rosa T- Shirt (das noch dazu schon ein Loch hat) angezogen. Damit sind wir dann zu Ergotherapie gegangen. Erst dort habe ich bemerkt, was unser Körper da an hat. Mir war das echt peinlich. So gekleidet verlassen wir normalerweise nicht die Wohnung. Einschätzung einer Jugendlichen von den Schmetterlingen

 

Mir ist schlecht und übel. Wieder ein Anruf. Mag ich gar nicht. Zurückrufen, das ist alleine schwer. Zusammen etwas leichter, aber immer noch schwierig genug. Warum macht mir die solche Angst? Wahrscheinlich ist es die Machtposition, das Gefühl unterlegen zu sein und keine Rechte zu haben. Fühlt sich nicht gut an, eigentlich sogar ziemlich schlecht. Mein Herz kloppt schnell, die Finger zittern. Stress Symptome, ziemlich üble. Muss jetzt weiter, bis dann

 

2018

Chaotisches, zusammengewirberbeltes in unserem System. Warum fragen sich Viele von uns? Es ist so schwer immer wieder Menschen nah an uns ran zu lassen, in unser Leben zu integrieren weil wir auf sie angewiesen sind. Peng, zerplatzt die Seifenblase. Im letzten halben Jahr gab es viele Wechsel z.B. in der Physiotherapie. Das ist anstrengend, anstrengend auf viele Unterschiedliche Art und Weisen, denn diejenigen die s von uns betrifft gehen sehr unterschiedlich damit um.  

 

Sachen suchen und finden ist in einem Multi Haushalt wirklich ein schwieriges Thema. Durch die Assistentinnen Situation wird es noch komplizierter. Darum sind bei uns alle assistenzrelevanten Schränke beschriftet. Dennoch verirren sich öfter Gegenstände wohin, wo sie nicht hingehören. Dass jemand etwas verlegt und nicht wiederfindet. Kommt halt häufiger vor, dass vielleicht jemand anders aus dem System es wegräumt oder woanders hingelegt hat. Natürlich kennt es jeder in gewissem Maße das etwas nicht findet, bei uns ist das alles nur noch etwas extrem ausgeprägt. Konsequente Ordnung für die wichtigsten Gegenstände ist somit Pflicht. Bei uns werden die meisten Tätigkeiten genauestens geplant, da alles andere zwangsläufig ins Chaos führt. Aber freie Zeit ohne einen Plan tut auch mal gut, ist aber oft ein Machtkampf.
So viel für heute von uns bis bald, Sonnenblumen

 

Treffen mit Freunden, die nicht wissen, dass wir viele sind.

Dies war und ist immer wieder Thema bei uns, denn es gibt einzelne Jugendliche und Erwachsene, die auch heute noch Kontakt zu Menschen beispielsweise aus der Ausbildung und Studium halten.Das ist gar nicht so einfach. Das Alltagsteam kommt hiermit inzwischen ganz gut zurecht. So ist es möglich, auch solche Kontakte zu halten die für den ein oder anderen im System wichtig sind. Vor einem solchen Treffen muss vieles besprochen werden. Wer ist außen, über welche Themen kann gesprochen werden. In welchen Kontext haben wir diese Person kennengelernt, wen von uns kennt sie? Gibt es gemeinsame Bekannte? Alter des Körpers- Musikgeschmack, keine Extreme. Und dann noch die richtige Grammatik, ich. Ich, ich und nochmal ich!

 

2019

Unser Geburtstag und der Geburtstag der Schmetterlinge sind zum Glück noch einige Zeit hin. Denn für uns ist es alles andere als entspannt, anders als andere Menschen die ihren Geburtstag feiern oder auch nicht und damit irgendwie umgehen. Doch für uns ist der Umgang damit schwierig, da dieser Anlass immer wieder genutzt wurde um uns besonders zu quälen. Die Erinnerungen sind also viel präsenter an einem solchen Tag. Die Gefahr, dass die Erinnerungen uns überfluten ist riesig. Schwerste Traumata fanden an diesem Tag statt. So ist für uns etwas schwierig zu sehen, wie unbeschwert andere Menschen diese Tage feiern können. Welch ein Glück sie haben. Für uns ist es inzwischen zwar noch schwierig, aber gemeinsam schaffen wir das. Es ist ein anstrengender Tag für beide Systeme im Jahr, doch zusammen ist es möglich das zu schaffen…

 

Liebe Schmetterlinge, es ist so schön mit euch gemeinsam durchs Leben zu gehen. Ja ich sage gehen, obwohl ich es nicht kann. Es macht mir überhaupt nichts aus und es ist einfach in den meisten Menschen vom Wortschatz her verankert. Manche Assistenten sagen auch, wir fahren mal, was auch irgendwie komisch ist denn die Assistentinnen fahren ja nicht, sondern nur wir. Bei den Schmetterlingen fühlen wir uns sicher und geborgen. Umhüllt von einer bedingungslosen Liebe, wie sie kleine Kinder eigentlich erfahren sollten. Das war bei uns nie der Fall. Jetzt können wir das etwas nachholen, was für beide wirklich sehr, sehr schön und wichtig ist. Geborgenheit erleben. Nicht irgendetwas Bestimmtes tun zu müssen um Aufmerksamkeit zu bekommen. In den Arm genommen werden, wenn wir körperliche Nähe brauchen. Und in Ruhe gelassen werden, wenn wir den (Körper)Kontakt gerade nicht zulassen können. All das ist so Ordnung und das ist wunderbar! Viele Höhen und Tiefen haben wir zusammen durchgestanden. Gemeinsam gemeistert, auch wenn es manchmal sehr schwierig war und ist und vielleicht noch sein wird. Vielen lieben Dank liebe Schmetterlinge!

 

Wandeln zwischen den Welten das war die letzten Tage Thema und es war schön und zugleich sehr anstrengend. Eine frühere Kommilitonin war zu Besuch. Sie kennt uns als System nicht! Zwei Persönlichkeiten aus unserem System kennen sie am besten, diejenigen von uns die im Studium überwiegend außen waren. Dass es sich dabei um mehrere von uns handelt weiß sie nicht. Das Alltagsteam löst sich ziemlich unbemerkbar für Außenstehende ab. Eintauchen in die alte Welt, teilen von gemeinsamen Erinnerungen. Aber auch von dem Heute erfahren, ihrem Erfolg und den Plänen mit eigenen Kindern zu hören. Mit beiden Beinen im Berufsleben stehen… Ein ganz „normales Leben“. Wir waren gemeinsam Essen, im Restaurant beim Eis essen und am See. Haben uns viel unterhalten. Da müssen wir dann schon wieder selektieren was anstrengend ist. Die Kleinen innen behalten, klappt mit Hilfe unserer Systeminternen „Babysitterin“ zum Glück sehr zuverlässig. Und doch brachen auch sie ihre Zeit und einen Raum. Ein paar Stunden verbrachten wir zusammen, dann mussten wir eine Pause einlegen. Mittagspause. Die schnellen körperlichen Grenzen spüren und zu artikulieren fiel uns nicht so leicht. Es ist halt wie es ist. Die Situation ist nicht zu ändern. Körperliche Schmerzen machten sich deutlich bemerkbar. Mehr Schmerzmittel war nötig. Um Hilfe bitten und diese einfordern. Wasser aus dem Rucksack nach vorne geben lassen, uns die Jacke an- oder ausziehen. All das und noch viel mehr war für sie keinerlei Problem. Für uns das darum bitten teilweise schon. Gemeinsames Frühstück im Hotel mit Buffet. Auch da brauchten wir Unterstützung. Sie ging bereitwillig mit uns zum Buffet, trug uns die Sachen zum Esstisch wo sie zuvor den Stuhl zur Seite rückte. Einmal kamen wir mit ans Buffet um zu sehen was es gibt. Semmel aufschneiden lassen, Butter draufstreichen lassen. Das Ei wurde für uns gepellt. Waffeln geholt, Orangen Saft, Tee. Was immer wir wollten. Sie hat uns nicht das Gefühl gegeben eine Belastung zu sein. Dankeschön! Das ist für uns mit den Schmetterlingen zusammen viel einfacher. Sie wissen ja auch sehr genau was wir mögen und brauchen. Da braucht es nicht viele Worte. Anders bei dieser Freundin. Trotzdem tat die Unabhängigkeit von den Assistenten bei diesem Treffen gut. Ungestört reden können. Ungestört zuzuhören und ohne dass andere Menschen unseren Gesprächsinhalt kennen. Ein Stück Luxus für uns. Sie erzählte viel, wir eher weniger im Verhältnis gesehen. Aber das macht nichts. Bemerken die Schüchternheit einer Persönlichkeit bei diesem Treffen viel deutlicher als sonst im Alltag. Da ist ja auch alles eingespielt, innen geregelt und klar geklärt wer von uns was genau erledigt. Klappt wirklich gut. Aber in so einer Situation greift das nicht. Zu viele Erinnerungen an das, was auch wir hätten erreichen können. Unserer Leidenschaft nachzugehen und das tun zu können was wir unglaublich mögen. Doch wir haben das nicht erreicht. Körper und Psyche streikten so heftig was uns manchmal noch beschäftigt. Erwerbsminderungsrente. Volle Erwerbsminderungsrente, inzwischen unbefristet. So hatten wir uns das Leben nicht vorgestellt. Nachmittag trafen wir uns nochmal, waren im Café. Abends waren wir sehr erschöpft und schliefen viel früher ein als sonst. Genossen haben wir die Sonne am See und doch wurde es irgendwann zu viel. Mit den Schmetterlingen waren wir schon öfter dort und auch mit anderen Freunden oder Assistenten. Die Situation ist da aber eine andere, da wir ganz offen als System den Tag verbringen können. Was lässt uns daran hindern zu sagen, dass wir Viele sind? Vieles! Erfahrungen und Reaktionen aus der Vergangenheit aber auch der Schutz des eigenen Systems und unserer persönlichen Geschichte. Vielleicht ist das für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Als wir uns kennenlernten wusste unser damaliges Alltagsteam nichts vom Viele sein. Die weiter Innen hingegen schon. All das hat viel Arbeit und therapeutischer Unterstützung bedurft um da zu stehen wo wir heute sind. Zu sagen man ist traumatisiert finden wir nicht mehr schwierig oder schwer. Und das ist ja ein Teil der Realität, nicht alles aber ein Stück weit schon. Vertrauen ist durch den jahrelangen Missbrauch ein kompliziertes Thema für uns. Denn wer meint es ehrlich mit uns? Das fällt uns nicht immer leicht dies zu erkennen. Danke für den Ausflug in diese so andere Welt und dass wir durch die Erzählungen ein kleines Stückchen daran teilhaben durften.

 

Origami gegen Depression

Ich bin eine Jugendliche von den Schmetterlingen. Im Moment habe ich ziemlich mit einer fiesen Depression zu kämpfen. Trotz Psychotherapie und medikamentöser Therapie habe ich Zeiten in denen ich am Liebsten nur noch im Bett liegen und stundenlang die Wand anstarren würde. Ich will nicht aufstehen, vernachlässige meine Körperpflege, trinke nur nach Aufforderung und bin bei allem was ich tue verlangsamt. Alles ist für mich eine unendliche Überwindung! Diese fiesen depressiven Schübe kommen oft ohne Ankündigung und sind an kein äußeres Ereignis geknüpft. Ohne die Hilfe unserer lieben Sonnenblumen wäre ich und auch wir als System in einer aussichtslosen Lage. Gestern Abend kam wieder so ein Schub. Sonnenblumen haben es schon daran erkannt, dass unser Gesicht ausdruckslos wurde und unsere Mundwinkel anfingen nach unten zu hängen. Damit wir in dem Gefühl nicht so steckenbleiben, hatten sie eine echt geniale Idee. Um mich konzentrieren zu müssen holten sie zwei Origami Blätter heraus. Am Anfang war ich davon alles andere als begeistert. Zum Glück ließen die Sonnenblumem nicht locker. Eine Jugendliche von den Sonnenblumen faltete mir etwas vor. Meine Aufgabe war es jeden einzelnen Schritt nachzufalten. In meiner psychischen Verfassung war das echt eine Herausforderung. Und meine Motivation war niedrig. Nach einer gewissen Zeit kam bei dem Origami Gefalte wirklich etwas heraus und zwar: „Himmel und Hölle“ Am Ende sollten wir noch in jede Ecke eine Sache schreiben, welche bei einem akuten depressiven Loch, leicht realisierbar ist. Zum Beispiel: sich zu den Kaninchen setzen und diese beobachten oder Kopfrechnen oder mit den Sonnenblumen etwas zusammen machen… Egal welche Seite man beim Falten öffnet, immer kommt eine positive Sache raus, die man machen kann, wenn man mal wieder in der Depression feststeckt. Das Gute daran ist, dass man ohne viel Aufwand („Himmel und Hölle“ kann man ja in seine „Notfallkiste“ tun) aktiv ins Handeln kommen kann. Keine Ahnung ob das anderen depressiven Menschen auch hilft, ich wollte nur kurz erzählen, dass es für uns hilfreich ist. J. Schmetterling

 

 

Der Unterschied zwischen traurig sein und depressiv sein:

Traurigkeit oder Trauer hat meistens einen oder mehrere bestimmte Auslöser und ist ein Gemütszustand. Beispielsweise kann man traurig sein, weil das geliebte Haustier verstorben ist. Dies ist eine völlig normale Reaktion welche je nach dem auslösenden Grund unterschiedlich lange und verschieden stark ausgeprägt sein kann. Man kann aber auch über etwas traurig sein, was längst in der Vergangenheit liegt. Beispielsweise was in einem Abschnitt des Lebens passiert ist. Manchmal kommt dies durch einen bestimmten Auslöser wieder hoch. Enttäuschungen und Verletzungen können ebenfalls zu einer Situation des traurig seins führen. Trauer muss Formen und Möglichkeiten finden ausgelebt zu werden und verblasst mit der Zeit wieder. Wenn der Verlust oder der Lebenswandel länger zurück liegt ist er nicht mehr so sehr im Fokus wie zu Beginn.  Die Traurigkeit verblasst und nimmt nicht mehr allen Raum im Leben ein was deutlich macht, dass es sich um eine vorübergehende Empfindung handelt. Je nach Grad der Traurigkeit kann man diese zumindest kurzfristig über Ablenkung in den Hintergrund rücken.

Eine Depression hingegen ist eine sehr erstzunehmende psychische Erkrankung und unterscheidet sich deutlich von der Traurigkeit. Diese Erkrankung beeinflusst das komplette Leben und die Verhaltensweisen, die Gefühle, Wahrnehmungen und Gedanken. Das Gefühl der Leere ist besonders ausgeprägt und je nach Schweregrad der Erkrankung ist die Bewältigung des Alltages nicht mehr möglich. Jede kleine Aktivität, wie beispielweise aus dem Bett aufstehen oder Frühstück richten erscheint einem als Berg den man nicht überwinden kann… Eine gedrückte Stimmung und fehlender Antrieb mit starker Ermüdbarkeit sowie der Verlust der Freunde an Dingen und Tätigkeiten welche einem früher Spaß gemacht haben sind deutliche Alarmzeichen. Weitere Symptome können Schlafstörungen, Gedankenkreisen und/ oder Suizidgedanken, starke Zukunftsängste, verminderte Konzentration und das Gefühl der Wertlosigkeit darstellen. Aber auch körperliche Symptome sind möglich und treten recht häufig auf wie beispielsweise Bauchbeschwerden, Kopfschmerzen oder allgemein Schmerzen.

Unsere lieben Schmetterlinge kämpfen gegen eine sehr hartnäckige Depression. Das plötzlich gar nichts mehr möglich ist als im Bett liegen kommt immer wieder vor. Dann erscheinen sie uns so weit weg. Was sie dann in dem Moment brauchen ist so unendlich unterschiedlich. Manchmal hilft schlafen, manchmal auch nicht. Ab und an tut Körperkontakt gut und in einer anderen Situation ist dies zu viel. Egal was gekocht wird, es schmeckt ihnen dann nicht. Was auch immer wir sagen mögen, kommt nicht an. Das ist manchmal schwer auszuhalten. Wo seid ihr dann nur? Was denkt und fühlt ihr? Ruhe und Rückzug. Die Mundwinkel ziehen sich an unten und auch für ein Foto fällt es schwer ein neutrales Gesicht zu zeigen. Manche Persönlichkeiten versuchen dies krampfhaft, doch wenn die Depression zu stark ist gelingt es nicht mal ihnen. So dumpf und durcheinander. Erschöpft und kraftlos wirkt ihr, manchmal auch hoffnungslos. Eine Persönlichkeit, diejenige die am stärksten Betroffen ist sagt manchmal: Es helfe ihr im Bett zu liegen und zu „schmollen“. Dann wirkt sie teilnahmslos. Einfach in Ruhe gelassen zu werden ist manchmal angebracht und in einer anderen Situation wiederum genau das Falsche. Depressiv sein ist keine persönliche Schwäche, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung mit vielen unterschiedlichen Gesichtern. Bei einer leichten Depression ist vieles im Alltag noch möglich, manchmal sogar ohne dass die Umwelt und das weiter entfernte Umfeld dies bemerkt. Bei mittelschweren Depressionen sieht dies schon ganz anders aus. Doch auch hier ist unter Umständen noch ein eingeschränkter Alltag zu bewältigen. Nein, jemand der eine Depression hat ist nicht empfindlich oder ein „Weichei“. Der Rückzug von sozialen Kontakten ist präsent, wodurch schnell das Gefühl der Einsamkeit entsteht. Die soziale Interaktion wird einfach zu anstrengend und erscheint wie ein Berg der nicht bewältigt werden kann.

Wie die Depression auf mich, eine der Alltagspersönlichkeiten der Sonnenblumen wirkt: Mein Gegenüber im System der Schmetterlinge ist am stärksten von der schweren Depression betroffen. Manchmal empfinde ich sie als gefühlskalt mir gegenüber. Dabei ist für uns Sonnenblumen noch am meisten Gefühl vorhanden, was wirklich gut und wichtig ist zu wissen. Immer wieder in Situationen wo „der schwarze Hund“ (die Depression) besonders stark ist, erschrecke ich mich ein wenig. Auch wenn die Situation nicht zum ersten Mal so ist, wie gerade in dem Moment. Ob ich da zu empfindlich bin? Zu viel erwarte? Keine Ahnung. Manchmal ja und manchmal nein. Dein Zögern wirft für mich immer wieder Fragen auf. Wenn ich mir dann aber klar mache, dass nicht ihr das seid, sondern diese fiese Erkrankung ist es einfacher für uns… Doch auch wir sind ein Mensch mit Bedürfnissen und Gefühlen und das darf auch auf jeden Fall so sein. Das ist der entschiedenste Unterschied zu den professionellen Helferinnen. Sie erleben immer nur einen kurzen Ausschnitt und wir erleben die meiste Zeit des Alltags. Erleben Tag ein Tag aus, Höhen und auch viele Tiefen. Wir suchen einen Ausgleich und müssen auch mit nicht depressiven Menschen zusammen sein. Das wird in der Fachliteratur immer und immer wieder bestätigt. Da sein und gleichzeitig für sich selbst auch Sorge zu tragen ist eine große Herausforderung der wir uns stellen. Dazu gehört auch, dass wir ab und an überfordert und überlastet sind. Doch wir hoffen euch genug unterstützen zu können und bald wieder bessere Zeiten gemeinsam erleben zu dürfen ohne diese fiese Depression.

 

 

Unser Alltag:

Wir Sonnenblumen können aufgrund der vielfältigen Einschränkungen physischer und psychischer Natur nicht mehr arbeiten. Unser Körper ist gerade mal 31 Jahre alt. Geldmäßig ist das vergleichbar mit einem Menschen, der Arbeitslosengeld 2 bezieht. Insbesondere unsere schweren chronischen Schmerzen machen uns das Leben schwer. Deshalb müssen wir oft raus aus dem Rolli, um beispielsweise Pause im Bett zu machen. In der Regel haben wir an 6 Tagen in der Woche Assistenz und einen Tag nur mit den Schmetterlingen zusammen. Das fühlt sich fast wie Urlaub an und ist für uns Beide und vor allem die vielen Kleinen in den Systemen notwendig und hilfreich.

Der Montag dieser Woche war ein Feiertag, wir hatten den ganzen Tag Assistenz. Aufwachen, kurz durchatmen. Etwas trinken, Wasser haben wir immer am Bett stehen. Eine unserer Kleinen schnüffelt noch etwas an ihrem Kuscheltier. Noch im Bett wird unsere Blase mittels Katheter entleert. In den Rolli gesetzt werden und ab geht es ins Badezimmer. Morgentoilette mit fremder Hilfe. Haare gekämmt bekommen, wie möchtest du die Haare heute? Meistens sind sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Die langen Haare im offenen Zustand nerven an der Kopfstütze des Rollis schnell. Manchmal lassen wir uns die Haare flechten. Das haben wir schon länger nicht mehr gemacht, fällt mir dabei ein. Das findet vor allem ein siebenjähriges Mädchen aus dem System besonders toll. Das Frühstück wird gerichtet. Wir frühstücken noch im Schlafanzug. Noch vor dem Frühstück gibt es System intern eine Diskussion, was es an diesem Morgen zum Frühstück geben soll. Da sind wir uns alles andere als einer Meinung. Manchmal gibt es Müsli, öfter aber Brot. Manchmal mit einem gekochten Ei. Im Schlafanzug frühstücken wir in der Regel, so dass nicht die Kleidung für den neuen Tag voll gekleckert werden kann. Denn das passiert uns häufig aufgrund der schwierigen motorischen Situation. Und ja, wir haben eine „Essschürze“, deren eigentliche Bezeichnung wohl „Lätzchen“ für Erwachsene wäre… meisten verwenden wir es auch. Aber manchmal setzt sich wer von uns in den Kopf es nicht anziehen zu wollen. Er oder sie sei ja schließlich kein Baby mehr... naja, meistens geht das nicht gut und das Essen landet auf der Kleidung. Nach dem Frühstück Medikamente nehmen. Besprechen, innen und außen was der neue Tag so mit sich bringt. Welche Termine wir haben und was zu erledigen ist. Wer im System welche Aufgabe übernehmen wird. Beispielsweise kümmern sich R. und L. von uns gemeinsam um den organisatorischen Kram. Der Aufgaben Zettel für die Assistenz ist in der Regel schon am vorherigen Abend geschrieben und für die hauswirtschaftlichen Dinge gibt es einen Haushaltsplan an dem das Erledigte angehakt wird. So behalten wir im Überblick was bereits geschafft ist oder was dringend an der Reihe ist… Mit der Assistenz heute läuft es gut. Wir sind vertraut miteinander. Sie arbeitet seit fast 2 Jahren hier. Vieles läuft von selbst, das ist schön und tut uns gut. Jemand, wo wir nicht mehr dauernd erklären müssen. Eigentlich wollten wir ins Schwimmbad, entscheiden uns dann aber doch dagegen. Wir wollen in ein Restaurant, wir beschließen gegen Nachmittag dort hin zu fahren. Angezogen werden wir, wir bestimmen dabei was wir gerne anziehen möchten. Auch das ist eine Sache, wo wir uns System intern nicht einig sind. Zumindest was den Wärmegrad der Kleidung angeht haben die Älteren das Sagen. Farbenmäßig wird’s, wenn man nur die Kleinen aussuchen lassen würde, sehr bunt. An manchen Tagen ist es sicher in Ordnung an anderen Tagen jedoch eher unpassend. Auch in unserem Kleiderschrank haben die Assistentinnen ihre Hände, überall in unseren Lebensbereichen. Das ist manchmal schwer. Mittags legen wir eine Pause im Bett ein, werden katheterisiert. Eine Jugendliche von uns hört etwas Radio, während die Assistentin sich mit dem Haushalt beschäftigt. Wir schlafen manchmal kurz ein. Klingeln, wenn wir wieder in den Rolli wollen oder schlecht liegen oder sonst irgendetwas brauchen. Sei es das uns die Sonne blendet oder das Wasser zum Trinken aus ist. Nach etwa einer Stunde lassen wir uns an diesem Tag wieder in den Rolli setzten und wir machen uns auf den Weg ins Restaurant. Vorher werden uns die Schuhe angezogen, hier Sandalen, weil das Wetter schön ist. Wir nehmen trotzdem eine Weste mir und Wasser mit viel Kohlensäure. Wasser ohne „blubb“ mögen wir nicht. Das Wetter ist schön und so suchen wir uns draußen einen schönen Platz. Es ist weniger los als gedacht. Schon im Vorfeld haben wir intern geklärt wer von uns essen wird und sich dementsprechend das Gericht aussuchen darf. Natürlich isst nicht nur Eine oder Einer von uns, sondern häufig zwei bis drei Persönlichkeiten, denen dieses Essen schmeckt. Wir unterhalten uns mit der Assistentin, heute fühlt es sich gut an. Sie erzählt von ihren Dingen. Manchmal ist uns das zu viel. Aber gerade passt es gut, ist nicht zu viel. Wir machen noch einen Spaziergang, machen einen Abstecher in den Park. Dort sammeln wir Grünfutter für unsere Kaninchen. Gras, Löwenzahl, Spitzwegerich, Breitwegerich oder Schafgabe. Was es halt gerade so gibt. Ein Mädchen von uns beobachtet Kinder auf dem Spielplatz und wünscht sich einmal mehr auch einen Kinderkörper zu haben. Eine Jugendliche fährt zurück zur Wohnung. Die Assistenz schließt die Türe auf, wir schauen in den Briefkasten uns bemerken, dass ja Feiertag ist. Naja, egal. Der Aufzug wird von der Assistentin mittels Knopfdrucks geholt. Sie drückt auf die 4, wir wohnen nämlich im 4. Stock. Sie zieht uns die Schuhe wieder aus. Wir kanteln den Rolli zurück und machen uns dann an den Schreibkram. Unterbrechung, wieder ins Bett gelegt werden. Wieder Blasenentleerung. Das wiederholt sich mehrfach am Tag. Zuhause ist das am einfachsten im Bett, unterwegs muss es im Rolli gehen. Geht aber, wenn die Helferinnen es etwas geübt haben. Wir kochen heute nicht. Die Schmetterlinge haben ja auswärts gegessen und wir auch. Nur einen Tomaten Salat bereiten wir mit Hilfe zu. Nun ja, wir machen die Sauce und würzen. Die Assistenz wäscht und schneidet die Tomaten. Denn das können wir motorisch leider nicht. Mit den Kindern haben wir die Vereinbarung getroffen, dass die kleineren abends um 20 Uhr nach innen gehen und die älteren Kinder um 21 Uhr. Somit haben die älteren, wenn alles glatt läuft, noch ein wenig Zeit ohne den Lärm, den die Kids verursachen. Ist irgendetwas schwierig, darf natürlich Jeder nochmal nach vorne. Wir schreiben den Schmetterlingen eine SMS, heute haben wir uns mehrfach geschrieben. Jetzt stürmt es so sehr, das Unwetter nimmt seinen Lauf. Wir sind zum Glück drinnen, die Schmetterlinge sind dummerweise aber noch unterwegs. Wir lesen auf einer Homepage im Internet, die Assistentin macht Pause. Dann wollen wir noch unter die Dusche. Im Liegen im Bett wird uns unten herum alles ausgezogen, die Kleinen verkrümeln sich nach innen. Vorher wurde ihnen noch ein Buch vorgelesen. Wir werden auf unseren Duschrolli gesetzt uns fahren schiebender Weise durch die Helferin ins Bad. Selbstständig können wir uns mit diesem Rolli nicht bewegen. Im Sitzen werden wir auch oben herum entkleidet, dann geduscht. Immer nach dem gleichen Ablauf… Nach dem Duschen wird ein spezielles Handtuch in den E Rolli gelegt damit dieser nicht nass wird, wenn wir zurückgesetzt werden. Wir bekommen unseren Bademantel an, werden abgetrocknet. Haare föhnen, eincremen. Wieder ins Bett zurückgelegt werden. Stellen die schlecht erreichbar sind werden jetzt abgetrocknet. Wir lassen uns den Schlafanzug anziehen, die schmutzige Wäsche landet im Wäschekorb. Wir sind erschöpft, telefonieren dennoch noch kurz mit einer Freundin die uns als System kennt. Mit ihr zu telefonieren ist einfach, weil es nicht ausmacht, wenn Jemand anderes etwas mit ihr quatschen will als „die Großen“.  Wir essen noch den Tomatensalat, lassen uns Wasser für die Nacht sprudeln. Schauen im Bett noch einen Film, nochmal kathetern vorm schlafen. Wie viele Persönlichkeitswechsel es wohl an einem Tag durchschnittlich gibt kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall sind es vor allem Zuhause einige. Gemeinsam als System zu leben ist schön aber anstrengend zu gleich. Wir kennen es aber auch nicht anders. Ein Leben mit nur einer Persönlichkeit hingegen können wir uns schwer vorstellen. Wirklich alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen gelingt leider nicht oft. Aber wir sind stehts bemüht, dass zumindest Jeder der was Akutes hat an dem Tag drankommt. Manchmal müssen die weniger dringenden Dinge auf den nächsten Tag verlegt werden.

 

Unser Alltag ist bunt und manchmal auch chaotisch. Und doch ist dieser gemeinsame Alltag das Schönste auf dieser Welt. Wir beide sind so unendlich froh einander zu haben und gemeinsam die Tücken des Alltages bewältigen zu dürfen. Dafür sind wir sooo dankbar. Die menschliche Nähe nach so vielen Jahres des Grauens in der Kindheit und Jugend hat unsere Art und Weise Beziehungen zu gestalten erheblich beeinträchtigt und beeinflusst diese bis heute. Nach vielen Jahren es Erprobens einer auch körperlichen Beziehung mit Umarmungen und in den Arm genommen zu werden ist ein riesiger Sieg über die Vergangenheit. Nie hätten die Täter von einst sich vorstellen können, dass zwei Systeme so viel gemeinsam erreichen können. Wir haben es gemeinsam geschafft die Vergangenheit ein gutes Stück hinter uns zu lassen. Trotzdem holt sie uns immer wieder ein. Aber zusammen sind auch die schwierigsten Tage viel leichter als früher alleine oder mit Hilfe professioneller Helferinnen und wenn das nicht ausreichte in irgendwelchen psychiatrischen oder psychotherapeutischen Kliniken.  Das war für beide Systeme jeweils alleine eine harte Zeit. Zumindest das ist heute einfacher. Danke, einfach danke dass ihr immer für uns da seid liebe Schmetterlinge.

 

Höre Musik und versuche gleichzeitig zu schreiben. Ob mir das gelingen wird, weiß ich noch nicht. Zuhören, denken, alles gleichzeitig. Wir werden ja sehen, ob was dabei rauskommt. Im Multitasking sind wir als multiples System sicher nicht schlecht. Das Wortspiel „Multitasking“ gefällt uns gut. Steckt doch in diesem Wort so viel Zutreffendes für uns. Vieles lauft bei uns parallel ab, im System in den verschiedenen „Straßen“ und auch bei den Alltagspersönlichkeiten.

Ein gutes Beispiel dafür ist folgende Situation welche die Schmetterlinge erlebt haben: Jemand von „den Schlaubergern“ saß in der Vorlesung für s Studium. Während dessen schreibt wer anderes für einen Freund ein Referat und beide Leistungen sind wirklich gut. Verwunderung der Kommilitonen folgte, niemand verstand, wie ihr das macht. Im Alltag ist ein System mit so Vielen, eine große Herausforderung. Manchmal kommt es einem vor, als wolle man einen Sack mit Flöhen hüten. Gerade die Kleinen, die relativ weit außen wohnen machen den Alltag sehr bunt und chaotisch. P., möchte gerne einen Mittagsschlaf machen während H., ein Jahr älter das auch noch ganz gut findet. Manchmal möchte sie aber lieber im Bett mit den Kuscheltieren spielen. Doch die Beiden werden sich meistens noch einig. Dann gibt es da aber auch die Bedürfnisse von J., einem 5-jährigem Jungen. Der alles, was Mädchen machen ziemlich doof und uncool findet. Er liebt es mit Lego zu spielen, mag die Feuerwehr sehr gerne und er und sein Freund malen auch manchmal. Sie spielen gerne Kindergarten. Vor kurzem haben die Beiden, also J. von uns und sein Freund von den Schmetterlingen neue Pinsel bekommen. Nun wird auch mit Wasserfarben gemalt. Früher wollte er gerne Würstchen, nach einer Kinderstunde hat sich das komplett verändert. J. hilft gerne beim Kochen, auch den Assistenten. Regen oder gar Schwimmbadbesuche findet er schrecklich. Doch in der Therme gibt es seit einiger Zeit einen Rasenmäher Roboter, der fasziniert ihn dann schon. H. ist 7 Jahre alt und ein sehr quirliges Mädchen. Sie liebt es ganz früh aufzustehen, fährt gerne mit unserem „Motomed Fahrrad“. Sie weiß ganz genau was sie möchte und was nicht, das setzt sie mitunter Lautstark durch. Sie liebt es vorgelesen zu bekommen, interessiert sich inzwischen auch selbst für Buchstaben. Ganz anders wiederrum ist A., ebenfalls 7 Jahre. Sie ist ein sehr schüchternes Mädchen, dass Pferde über alles liebt. Für sie war es wunderbar ein Pferd führen zu dürfen. Die Schmetterlinge saßen oben drauf. Möglich gemacht hat das eine Assistentin, welche eine Reitbeteiligung hatte. Die Assistentin hat uns im „Schieberolli“ geschoben, wir hatten das Pferd am Halfter. Auch andere Kinder von uns haben es versucht. Doch nur bei A. verhielt sich das Pferd vorbildlich. Pferd und Kind haben eine tolle Beziehung zueinander aufgebaut. Leider ist die entsprechende Assistenz nicht mehr in unserem Team und somit ist diese tolle Möglichkeit nicht mehr gegeben. Aber auch Pferdebücher und Karotten liebt sie sehr. Wahrscheinlich am liebsten, weil die Pferde ja auch Karotten essen. J. ist 8 Jahre alt, sie ist ein sehr taffes Mädchen, dadurch wird sie aber oft überschätzt. Sie liest den Kleinen vor, leibt es zu malen und zu zeichnen. Aber am wichtigsten ist ihr rechnen, was sie in den letzten Jahren wirklich sehr gut gelernt hat. Sie will Dinge erleben, traut sich beispielweise alleine mit ihrer Freundin von den Schmetterlingen in den Supermarkt um Kleinigkeiten vor allem für die Kinder zu kaufen. Wenn die ganz Kleinen Unterstützung brauchen ist J. oft zur Stelle und stolz, deshalb niemand Großen „holen“ zu müssen, sondern die Situation selbst regeln zu können. Zum Beispiel macht sie für die Kleinen, die Mittagspause machen wollen, die Rollläden zu wenn eine Jugendliche von den Schmetterlingen (die Dunkelheit nicht mag) mal wieder den Rollladen offengelassen hat. Ganz zufällig natürlich! All diese Persönlichkeiten sind bei uns unter „Außenkinder“ im System bekannt, da diese relativ weit vorne wohnen. In der Nähe der Jugendlichen und Erwachsenen Alltagspersönlichkeiten. Auch diese sind sehr verschieden. Können sich aber ideal ergänzen, was sehr positiv ist. R. muss viele Situationen durchstehen, die sonst keiner übernehmen kann oder will. Doch zum Glück wird sie unterstützt, zum Beispiel von einer Erwachsenen, die eher ruhig und zurückhaltend ist. Doch manchmal ist ja auch genau dies erforderlich oder auch notwendig. L. ist für viele kognitive Dinge zuständig, wobei ihre Kompetenz als sogenannte „Kompetente“ die vergangenen Jahre deutlich abgenommen hat. Auch M. ist im Alltag zuständig, ist aber nicht so häufig im Außen. Es geht im System dann noch deutlich weiter nach „Innen“, die Beobachterin tut das, was ihr Name impliziert. Sie beobachtet von innen, außen kann sie allerdings nicht so gut sehen. Wie das möglich ist? Genau erklären können wir es nicht. Das ist jetzt natürlich nur ein kleiner Ausschnitt an Persönlichkeiten in unserem System. Aber vielleicht ist es nun schon etwas verständlicher, wie viele unterschiedliche Bedürfnisse zusammenkommen. Dann gibt es sehr unterschiedliche Trigger, die von Persönlichkeit zu Persönlichkeit stark variieren. Das hat mit den jeweiligen Traumata der bestimmten Person von uns zu tun.

 

Wie ein Multi eine Fremdsprache erlernt:

Habt ihr eine Idee? Bestimmt ist das nicht bei jedem Multi gleich, bei uns läuft das heute folgendermaßen ab: Ich, eine Jugendliche aus dem System der Schmetterlinge, besuche den Anfängerkurs Italienisch an der Volkshochschule. Einmal pro Woche für zwei Stunden. Die Zielgruppe dort ist Jugendliche und Erwachsene. Gleichzeitig will ein Grundschulkind aus dem System auch Italienisch lernen. Wenn die Großen was machen, finden es die Kleinen im System natürlich auch interessant. Deshalb haben wir in einer Bücherei ein Buch zum Italienisch lernen für Kinder ausgeliehen. Als kleine Kinder im System, die etwa drei Jahre alt sind, das mitbekommen haben, wollten sie natürlich auch ein Italienisch Buch haben. Deshalb sind wir ein weiteres Mal in die Bücherei gefahren um ein italienisches Bilderbuch auszuleihen.

 

Wie das zusammen sein für uns Viele mit einem anderen System ist:

Für uns ist es das größte Glück, einander zu haben. Verstanden zu werden, auch ohne Worte. Sich aber abwechseln zu können im eigenen System ist für unser Miteinander sehr hilfreich. Gerade in schwierigen Zeiten ist das unglaublich wichtig. Das Zusammenleben mit einem Uno haben wir nie in Erwägung gezogen, geschweige denn versucht. Immer wieder hört man von Multis, dass dies eine riesige Herausforderung ist, welche häufig scheitert. Ausnahmen bestätigen auch da sicher die Regel. 24 Stunden mit einem multiplen System können schon ganz schön anstrengend sein, da nehmen wir uns nicht aus. Die vielen „Wechsel“, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Stimmungen auszuhalten und wenn möglich demjenigen das zu geben was er oder sie gerade braucht ist eine große Herausforderung. Trigger oder Flashbacks können alles Geplante über den Haufen werfen. Bei unseren beiden Systemen ist es so, dass viele Persönlichkeiten im anderen System ein Gegenüber haben. Kleinen Persönlichkeiten vom eigenen System, die sich bei wem von den Großen des anderen Systems das holen können was sie brauchen. Natürlich ist das nicht immer und auch nicht zu allen Zeiten möglich. Deshalb versuchen wir täglich Zeiten einzurichten, um zu besprechen was wer braucht und wo Hilfe erforderlich sein wird. Wenn irgendwie möglich, richten wir eine Mittagspause ein, die wird insbesondere von 2 kleinen Mädchen sehr stark eingefordert. Häufig schaffen wir es sogar einzuschlafen, das tut uns beiden wirklich gut. Tage an denen keine Mittagspause (aus zum Beispiel organisatorischen Gründen) möglich ist schlauchen uns sehr viel mehr, als die Tage mit Mittagspause. Die Kleinen bekommen ihre Kuscheleinheiten, spielen mit ihren Kuscheltieren oder besprechen etwas was für sie wichtig ist. Zum Beispiel, wann wieder „Kinder Spaziergang“ ist. Das lieben unsere Kleinen. Ist nur leider in der Stadt an vielen Orten nicht möglich. Wenn wir die zeitlichen Möglichkeiten haben fahren wir in einen Park, dahin wo es keine Autos gib und keine großen Straßen. Dann dürfen bei beiden Systemen Kinder vor, natürlich nach Absprache und mit dem Hinweis an wen sie sich wenden sollen wenn irgendetwas ist. Wenn wir so gemeinsam unterwegs sind machen wir es oft so, dass ein Kind von einem System mit jemand Großen vom anderen System unterwegs sein darf. Bei uns Sonnenblumen ist auch mal wer Kleines vorne, wenn wir mit Assistentinnen unterwegs sind. Heute war ich, R. von den Sonnenblumen beispielsweise mit jemand von den Kindern der Schmetterlinge beim Drogeriemarkt. Sie wollte sich die Oster Dekoration anschauen. Sowas ist zu zweit einfach viel leichter machbar. Eine Jugendliche von uns hat anschließend noch nach Nagellack geschaut und zwei Persönlichkeiten aus dem Alltagsteam kauften die sonst noch benötigten Dinge ein. Also langweilig wird es bei uns nie. Einige Persönlichkeiten leiden unter den tatsächlichen „Körperlichen Gegebenheiten“. P. beispielsweise, 3 Jahre alt, sagt immer wieder, dass unsere Hose ihr viel zu groß sei. Sie wolle eine Kinderhose. Tja, der Wunsch ist durchaus nachvollziehbar aber leider nicht realisierbar. Ebenso kommt immer wieder der Wunsch nach Kindergarten oder Schule bei manchen der Kinderpersönlichkeiten auf. Die Tatsache, dass es für Multikinder einfach keinen Kindergarten oder keine passende Schule gibt ist schwer zu verstehen und zu akzeptieren. Ein Mädchen von uns sagte vor kurzem: Am besten wäre es, wenn wir immer montags in den Kindergarten könnten, dienstags in die Schule (sie meinte so 1.-2. Klasse) usw. Ein anderes Mädchen entgegnete sie wolle lieber auf eine weiterführende Schule. Mittwochs dann am besten an eine Hochschule oder Uni für die „Schlauberger“. Donnerstags irgendwo arbeiten und der Freitag bleibt dann frei um alles zu machen, was sonst noch gewünscht wird. Die Realität sieht halt anders aus. Abgesehen davon könnten wir selbst wenn es so etwas geben würde dieses Pensum nicht schaffen. Leider! Die Kinder dürfen natürlich Schule und Kindergarten spielen, bekommen Bücher vorgelesen und lernen teilweise auch lesen, schreiben und rechnen. Ausflüge in die Kinderbibliothek genießen sie sehr. Dort wird fleißig ausgeliehen und wir Großen oder die Jugendlichen sind immer wieder erstaunt, was Kinder in einem gewissen Alter so alles wissen können oder auch müssen. Eine Jugendliche von uns Sonnenblumen hört viele Hörbücher, die Schmetterlinge lernen derzeit Italienisch. Der Horizont wird also stetig vergrößert.

 

Typisch Multi!

Vor kurzem hatten wir einen Termin bei unserer Psychiaterin. Als wir im Sprechzimmer saßen, „hüpfte“ plötzlich ein Kind vor und fragte die Ärztin: „Hat die Blumen auf dem Tisch eine Patientin mitgebracht, die depressiv ist?“ Verwundert fragte die Ärztin „warum“? Die Antwort des Kindes: „Weil die die Köpfe so hängen lassen und wenn man depressiv ist, sagt man doch, man lässt den Kopf hängen“. Schmetterlinge

 

Zum ersten Mal waren wir auf einem Fachtag für Multis. Das war sehr spannend aber auch anstrengend. Zum ersten Mal gab es hier in der Region eine derartige Veranstaltung, für die wir uns schon vor Monaten angemeldet hatten. Die Veranstaltung war wahnsinnig stark besucht und laut den Veranstalterinnen hätten noch viel mehr Menschen teilnehmen wollen, doch die Kapazitäten gaben das nicht her. Für uns bedeutete das nach einer anstrengenden und kurzen Nacht erst mal früh aufstehen. Die morgendliche Routine unter Zeitdruck ist für zwei Systeme schon eine Herausforderung. Am interessantesten für uns Beide war der Workshop, wo wir mit zwei weiteren Multis saßen. Zwei Selbstbetroffene hielten den Vortrag. Für uns ganz klar, sechs Multis in diesem einen Raum. Unglaublich! So viele auf einmal! Woher wir das wussten? Wir registrieren das irgendwie ganz schnell. Wie genau das von statten geht kann ich nicht genau erklären. Eine Teilnehmerin von der wir sofort wussten, dass auch sie Viele ist hatte ein rosa Schweinchen in der Hosentasche. Das haben unsere Kleinen natürlich sofort registriert und fanden das total toll. Ansonsten waren überwiegend professionelle Helferinnen und Helfer wie beispielsweise Therapeuten anwesend. Der Tag war spannend, irgendwie auch aufregend und anstrengend. Vorträge wechselten sich ab, es gab auch was zu essen. Sich unter all den Menschen bewegen, immer wieder angesprochen werden. Einige uns bekannte Menschen waren auch dort. Auch sind wir auf Personen getroffen die wir dort gar nicht vermutet hätten. Das war schön, aber irgendwie auch schwer. Wir haben es nicht bis zum Ende des Tages geschafft, haben gut für uns gesorgt und sind nachmittags dann nach Hause gefahren. Das war genug. Danach sind wir beide müde ins Bett gefallen und haben erst mal zwei Stunden geschlafen.

 

"Alles okay" sagt die Große von den Schmetterlingen. "Ganz sicher?" Ängstlich schmiegt das Mädchen sich an.

 

„Ihr seid ja sowas von multipel. Kresse Brot mit Fanta zum Frühstück.“

 

Psychische Erkrankungen

Warum wird ein Mensch psychisch krank? Was hat Einfluss darauf? In der Regel sind es viele Faktoren die zusammenkommen. Ganz allgemein zusammengefasst haben drei Faktoren am meisten Einfluss auf psychische Erkrankungen. Das ist zum einen das Lebensumfeld, das Leben wie es eben jedem so spielt und vielleicht auch zum Teil die Gene. Es gibt also mehrere Komponenten die Einfluss darauf haben ob, wann und wie krank jemand wird. Es ist eine Kombination aus unterschiedlichen Bereichen des Lebens. Vielleicht haben die Gene einen Einfluss. Ist ein traumatisches Ereignis im Leben tatsächlich der Auslöser? Warum können manche Menschen traumatische Situationen besser verarbeiten als die, die eine posttraumatische Belastungsstörung bekommen? Alle Menschen die denken das psychische Erkrankungen nichts mit ihnen zu tun haben laden wir ein bei uns ein wenig zu lesen. Vielleicht zeigt es manche Dinge auf, die man sich als psychisch gesunder Mensch nicht vorstellen kann. Es ist bestimmt merkwürdig in unsere Welt abzutauchen, wir finden das Wandeln zwischen den Welten anstrengend. Bei psychischen Erkrankungen fallen oft solche Kommentare wie „das ist doch alles nicht so schlimm „. „Reiß dich zusammen, stell dich nicht so an.“ Es ist ein nicht können! Es ist nicht ein nicht wollen! Psychische Erkrankungen können schwerwiegend sein.

 

Fleisch Esser, Vegetarier oder Veganer was sind wir nun?

Diese Frage wird sich ein Uno nicht stellen. Er ernährt sich mit einem der drei Ernährungsformen. Bei einem Multi ist das oft ganz anders: Wir Schmetterlinge sind auf den ersten Blick ein Mensch der sowohl Fleisch und Wurst als auch vegetarische und vegane Lebensmittel isst. Trotzdem gibt es im Inneren einzelne Persönlichkeiten, die sich rein vegetarisch oder rein vegan ernähren. Manchmal ist das beim Essen deshalb ganz schön chaotisch. Ein kleiner Junge zum Beispiel isst gerne Wiener Würstchen. Das gefällt aber nicht allen im System. Während er außen sein Würstchen ist, protestiert innen zum Beispiel eine Jugendliche, die nur vegane Lebensmittel zu sich nimmt, dass sie nicht möchte, dass der Körper sich nicht rein vegan ernährt. Da kommt es oft zu Diskussionen. Jeder möchte seinen Willen durchbekommen. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir vorhersagen, was wir jetzt essen. Damit haben Persönlichkeiten, die dieses Lebensmittel nicht möchten die Möglichkeit weiter rein zu gehen, damit sie davon nichts mitbekommen. Insgesamt essen wir nur wenig Wurst und Fleisch, da wir nur Fleisch von Tieren essen, die möglichst artgerecht gehalten wurden.  Da dieses automatisch teurer ist, können wir uns finanziell nicht viel davon leisten. Aber das ist nicht schlimm. Lieber essen wir selten tierische Produkte, aber dafür möglichst von artgerechter biologischer Haltung, Billige Fleisch – und Wurstwaren landen gar nicht in unserem Einkaufswagen. Da sind sich alle im System einig!

 

Eine 4- jährige ruft innen „über den Flur“, sie will jetzt Pudding kochen. Jetzt und nicht später. Dann fragt sie außen die Schmetterlinge die sagen, dass sie in 5 Minuten soweit sind. Das Mädchen geht nochmal nach innen, will einem anderen Innenkind noch etwas sagen. Der Pudding ist gekocht. H. und ihre Freundin aus dem anderen System haben hauptsächlich gekocht. Zwischendurch fragten die Beiden ein 8-jähriges Mädchen, ob sie für sie rechnen könnte. Ein kleiner Junge der Schmetterlinge füllte die Milch in den Topf. Das 4-jährige Mädchen beschwerte sich, sie wolle Pudding kochen. Ganz alleine mit ihrer Freundin. Doch ganz alleine am Herd geht mit den Kleinen nicht. Eine Jugendliche übernahm die „Bereitschaft“. Drei Schüsseln Schokoladenpudding sind entstanden. An die Schüssel die übrig bleibt, hat H. einen Zettel geklebt. „Stopp, nicht essen“. Das keiner später ihren Pudding aufisst. Was in einem System schon mal vorkommt.


2020

 

Können Tiere multipel werden?

Das frage ich mich öfters. Ich bin ein Kind der Schmetterlinge. 

Leider werden im Kult aber auch sicher woanders junge Tiere und auch Tierbabys gequält oder sogar tot gemacht. Das finde ich sehr gemein, da die sich oft gar nicht wehren können. Wenn man ein junges Tier z.B. ein Kätzchen öfters ganz doll quält kann es dann dissoziieren oder sogar multipel werden? Bei kleinen Kindern funktioniert das ja. Die spalten sich immer weiter auf. Das ist wie eine Überlebensstrategie. Leider kann man die Tiere ja nicht fragen ob die das auch so machen. Ich habe auch die Großen in unserem System gefragt. Auch die wissen es leider nicht.

 

Menschen sehen komisch aus. Corona und Maskenpflicht.

Masken vor den Gesichtern. Ein Mädchen von uns fragt das andere System. Ist jetzt ein neuer Kult da? Ihr macht es Angst. Diese „halben Gesichter“. Wo sind die Gesichter hin? Ich kann Menschen nicht richtig sehen. Höre sie schlecht. Sehe nicht ins Gesicht. Kann daraus keine Informationen ableiten. Hören, verwaschene Sprache. Unsicherheit. Sorge und Angst. 

Alles okay sagt die Große von den Schmetterlingen. Ganz sicher. Ängstlich schmiegt das Mädchen sich an.

 

Wir haben dieses Jahr Osterkarten gestaltet. Ja, ihr lest richtig: Osterkarten. Darauf geschrieben haben wir für unsere Freunde und Bekannte „Wie du/ ihr ja weißt / wisst mögen wir solche Feiertage nicht…“ Für einige Karten haben Kleine aus dem System etwas gemalt und die ganz Kleinen mit Fingerabdrücken experimentiert. Größere Kinder haben, dass mit dem Hintergrund übernommen und die Fingerabdrücke gestaltet, beispielsweise indem ein paar Striche das Auge unterstützen ist zu erkennen, was das auf dem Papier denn sein soll. Osterhasen, Ostereier, Küken, Blumen und Gräser haben sich auf den Karten abgewechselt. Jede Karte ein Unikat, sozusagen.

Wir Sonnenblumen haben aus einer Schachtel für unsere Katheter Osternester für beide Systeme gestaltet. Mit selbstgemaltem Papier. Das sind kleine viereckige Schachteln.

Für uns ist es inzwischen möglich, Ostereier zu färben. Einige der Kleinen haben daran richtig Spaß, für andere Persönlichkeiten hingegen ist es nicht so leicht, weil es ja auch an das häusliche Umfeld als Kind erinnern kann. Diejenigen gehen also ganz weit nach Innen. Insgesamt haben wir 6 Eier gefärbt, die überwiegend wir Sonnenblumen essen, da die Schmetterlinge keine kalten, hartgekochten Eier mögen. Freude beim Eier färben hatten trotzdem beide Systeme.

Menschen die uns gut kennen wissen, dass solche Tage wie Ostern für uns als Kultmulti besonders schwierig sind. Wie so viele andere Tage im satanistischen Jahreskreislauf ebenfalls. Früher waren solche Tage für uns aber noch deutlich schlimmer als das heute der Fall ist. Wir meistern schwierige Tage gemeinsam was von unschätzbarem Wert ist. Es gibt auch problematische Tage, die nur ein System betrifft oder an unterschiedlichen Tagen im Jahresverlauf sind. Dazu gehören beispielsweise Geburtstage, auch bestimmte Ereignisse und negative Erlebnisse die für jedes System an einem anderen Tag gebunden sind. Inzwischen wissen bestimmte Persönlichkeiten wann beziehungsweise welche Persönlichkeiten im System ein Tag besonders betrifft. Das erleichtert die Handhabung der schwierigen Situation. Zusammen geht es eh viel besser als alleine.

 

Innenansichten:

Ich bin schon vor dem Virus den meisten Menschen ausgewichen. Das ist für mich also nicht neu. Ich befürchte, dass ich eine lange Zeit brauchen werde, bis ich wieder normal mit meinen Mitmenschen leben kann. Wieder Menschen begegnen kann, den öffentlichen Nahverkehr wieder ertrage. Die Sozialphobie wird so unbewusst verstärkt und teilweise auch die Depression. Plötzlich ist zu Hause sein, zu Hause bleiben, erwünscht. Das kommt der Depression entgegen. Gut ist das sicher nicht. Ich darf zuhause bleiben und im Bett rum liegen. Termine werden abgesagt. Manche Termine finden noch statt wie beispielsweise die Einzel Ergotherapie. Die Gruppentherapien in der Ergo entfallen. Struktur entfällt. Das tut nicht so gut. Ist schwierig. Zum Glück bauen beide Systeme zusammen die notwendige Struktur für den Alltag auf. Strukturierung ist für uns sehr wichtig. Therapie am Telefon hat für mich auch Vorteile. Da muss ich nicht angezogen sein, es fällt nicht auf, wenn ich die Körperpflege vernachlässige und hab keinen stressigen Fahrtweg. Rausgehen, z.B. ins Kino ist für mich schon immer wieder eine Anspannung und Anstrengung. Wir sollen jetzt nur zuhause rumsitzen. Das sagt die Depression ohnehin oft. Momentan ist für jeden Menschen ersichtlich, dass dieses zuhause bleiben wichtig ist. Es wird nun auch nicht auf die Depression geschoben. Denn alle Personen sollen ja zuhause bleiben. Also fällt es nicht so auf. Draußen sind wir weniger angespannt, wegen weniger Menschen. Auch gibt es draußen weniger Geräusche, alles ist ruhiger. Zuhause sitzen zu müssen setzt mir nicht so zu wie anderen Menschen.

 

Alltag

Planung ist alles, viele Absprachen im System direkt sind notwendig. Chaos, das gehört zu unserem Viele sein dazu. So unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche und Vorlieben. Aber auch verschiedenste Trigger, Angst, Depression, Traumasymptome im Allgemeinen und auch Flashbacks gehören zu unserem Alltag. Gefühlsmäßig erscheinen manche Alltagspersönlichkeiten wohl recht kühl und unberührbar, „Kompetente Persönlichkeiten“, die viel mit kognitiven Dingen zu tun haben. Doch innen kann das ganz anderes aussehen. Übersprudelnde Gefühle, unterschiedlichste Gefühle und konträre Gedanken. Sichtweisen die unterschiedlicher nicht sein könnten. Planung und Planbarkeit sind für das System wichtig, denn sie geben Halt, Gewissheit und Orientierung. Deshalb sind spontane Änderungen nicht so einfach möglich. Doch das hat sich mit den Jahren deutlich gebessert. Wir sind flexibler geworden, was auch mit einer höheren Fähigkeit der systemeigenen Kommunikation zusammenhängt. Unsere Stile für Kleidung und Fraulichkeit sind unterschiedlich. Wie z.B. lackieren der Fingernägel. Das stößt gerade bei den Jungs und männlichen Persönlichkeiten immer wieder Diskussionen an. Aber auch die Mädels sind sich da nicht einig. H. beispielsweise liebt rosa Nagellack, der bei den Großen nicht gerade auf Begeisterung stößt. Kompromisse wie dieser gehören einfach dazu. Einmal haben wir jeden Nagel in einer anderen Farbe lackieren lassen, war dann irgendwie aber auch nicht der Hit. So viele Unterschiede und doch ein Körper, ein Körper in dem wir alle zusammen Zuhause sind.     


 

Ausstieg

An den Missbrauch und an das Leben im Kult waren wir von klein auf gewöhnt. Trotzdem war das alles zu ertragen und auszuhalten schwer. Langsam wurden wir durch Therapie immer stabiler, wir schafften mit Hilfe unserer Therapeutin den Ausstieg aus dem Kult. Kurze Zeit später erfolgte der Ausstieg aus der Zwangsprostitution. 

Trotz Warnungen stiegen wir aus dem Kult aus! Man darf die Kraft und Macht des Kultes auch nach dem Ausstieg nicht unterschätzen. 



Genialität im Alltäglichen, Multitasking. Das fällt uns leicht, anderen Systemen mehr oder weniger schwer. Je nachdem. Wir können so unterschiedliches. Das könnte eine Persönlichkeit vielleicht auch alles? Möglich wäre es, aber es geht bei uns schon sehr weit auseinander. Künstlerische Fähigkeiten wie malen und Zeichen, basteln und filzen macht einigen Freude. Jemand interessiert sich für die Feuerwehr, wer anderes für Technik oder Tiere und Pflanzen. Eine Persönlichkeit liebt fotografieren und Fotobearbeitung. Die Kleinen haben kindliche Bedürfnisse und Wünsche und jeder im System hat seine eigenen Talente und Stärken, aber auch seine eigenen Schwierigkeiten und Probleme. Die aufgespaltenen Traumata, jeder hat etwas zu tragen. Eine schwere Aufgabe.


Multiples System

Der laute Schrei verhallt, Angst die uns erstarren lässt. Panik? Wo hört Angst auf und wann fängt Panik an? Was wäre die übliche Reaktion eines gesunden Menschen? Kampf wäre die bessere Strategie? Aber was, wenn das nicht möglich ist? Egal weshalb es nicht möglich ist. Erstarren, erstarren und der Gegner im Tierreich würde nicht gefressen werden? Oder doch, gerade deswegen? Sich in sich selbst zurückziehen ist für viele schwer traumatisierte Menschen oft die einzige Option. Womit wir bei dem Grund der multiplen Persönlichkeit angekommen wären. Überleben, irgendwie das grausame und furchtbare, nicht Auszuhaltende ertragen. Aufgespalten in so „Viele“ zum Schutz für die Seele.  Multipel sein, ein Leben mit Vielen in einem Körper. Wir haben überlebt! 

Es ist schwer wen zu finden, der ein multiples System ein Stück seines Weges begleitet. Sei es nun auf professioneller Art und Weise oder als private Kontakte. 

Eine Weile begleitete uns N. auf freundschaftlicher Ebene. Irgendwann erfolgte ihrerseits der totale Kontraktabbruch. Was uns wirklich sehr verletzt hat zumal sie sich nach und nach immer mehr zurückzog. Ob es für N. persönlich besser war, ist schwer einzuschätzen. Fakt ist, auch sie hatte einige eigene Baustellen und ihr Freund fand den intensiven Kontakt zu uns nicht so gut. Schade, auch wenn wir ihm einige Male begegnet sind konnten wir das Misstrauen und die Skepsis nicht abbauen. Allgemein waren psychische Erkrankung für ihn nicht existent was seine Freundin ja auch betrifft. Essstörung. Als wir nicht mehr in der gleichen Stadt gewohnt haben, haben wir uns nochmal getroffen in unserem Urlaub in dieser Stadt. Manchmal telefonierten wir zu dieser Zeit noch. Irgendwann trafen wir uns ein letztes Mal, wobei das für uns nicht klar war, dass dies das letzte Mal sein sollte das wir uns sehen… Ein Mensch der so sehr um unser Vertrauen gekämpft hat und immer wieder deutlich machte, dass sie nicht so sei wie andere Menschen. Das sie zu uns hält und auf unserer Seite steht. Beziehungsabbruch, so wie wir es schon öfter erlebt haben. Sehr schade. 

 

2021

Termin Vor- und Nachbereitung


Heute hatten die Schmetterlinge und wir gemeinsam einen Arzttermin. Dort haben wir meistens einen Doppeltermin, weil es für uns am einfachsten zu organisieren ist. Als erstes muss in beiden Systemen besprochen werden, um was für einen Termin es sich handelt. Wer im System kann dies hauptsächlich übernehmen? Welche Persönlichkeit braucht es „in Bereitschaft“ im Hintergrund als Unterstützung? Für wen könnte der Termin schwierig sein? Welche Persönlichkeit schaut, dass keine kleinen Kinder „nach vorne kommen“ und oder mithören, falls dies problematisch sein könnte oder der Inhalt für sie einfach unangemessen wäre? Ihr seht, da steht schon einiges an Organisation für ein System dahinter und wir sind beide inzwischen gut organisierte Systeme. 

Für uns bedeutet das, dass bei dieser Kälte, erst einmal Winter sicher anziehen. Das dauert bei uns eine ganze Weile. Mit langer Unterhose sind wir sowieso ausgestattet, dazu kommen zwei Lagen Socken, die oberste Schicht sind Wollsocken. Wir kühlen ziemlich schnell aus. Wir haben sehr warme Schuhe die uns gut gegen die Kälte schützen. Zunächst einmal wurde Wasser mit einem Wasser Sprudel Gerät zum Mitnehmen gesprudelt. Kontrolliert, dass ausreichend Masken für den Termin dabei sind, auch für den Fall, dass mal eine runterfällt oder so. Damit unsere Beine nicht auskühlen, benutzen wir einen sogenannten Winterschlupfsack. Das kann man sich ungefähr wie einen Schlafsack vorstellen, der einfach für die Beine ist. Er wird hochgezogen auf den Schoß, bei unserem bleibt der Gesäßteil frei. Es gibt aber auch Modelle, bei denen dies nicht der Fall ist. Zu dem Termin fuhren wir mit dem Rollitaxi, draußen war es kalt und glatt. Eine Fahrerin des Fahrdienstes holte uns ab. Wir unterhielten uns ein wenig. Mit den meisten Fahrern komme ich sehr gut zurecht, viele kennen wir über viele Jahre hinweg. Manche sind sogar dort, seit wir hier in der Schmetterlingsstadt leben. Und das ist nun schon länger als sieben Jahre. Eine wahnsinnig lange Zeit, wenn man sich das vorstellt. Wir können es uns aber auch überhaupt nicht mehr anders vorstellen. Gemeinsam in dieser Stadt zu leben ist wirklich wichtig und hilft uns ungemein. Wir kamen der Praxis an, da die Praxis nicht barrierefrei ist, sind bei dieser Ärztin Schienen gelagert, die man an die zwei Stufen anlegen kann. Das kann man sich etwa so vorstellen, wie bei Bauarbeitern, die z.B. ihre Schubkarre auf einer Schiene ins Auto hochfahren. Diese Schienen gehören eigentlich dem Rollitaxiunternehmen, die sind ein Überbleibsel aus der Zeit, in der die Autos noch keine Hebebühnen oder durchgehende Rampen hatten. Da das Unternehmen dadurch sehr viele übrig hat, können diese beiden einfach bei unserer Ärztin bleiben, so ist es am einfachsten für das Taxiunternehmen. Dann muss nicht der Fahrer, der uns genau dorthin bringt gucken, wann und wie er ins Büro kommt um die Schienen für uns dort abzuholen. Leider wurde die Wand in der Arztpraxis, wo die Schienen lagern ein wenig beschädigt. Dass es wirklich großer Mist. Es tut uns total leid, wir haben das nicht gesehen. Wir geben dies jetzt noch mal an alle Fahrer weiter, dass sie darauf achten, wenn Sie die Schienen in der Praxis wieder hinstellen. Das Taxi heute, ein Taxi mit Hebebühne. Das bedeutet, dass das auf Rollstuhltransport umgebaute Auto entweder seitlich über eine Hebebühne verfügt oder hinten am Heck. Das ist unterschiedlich. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Jetzt im Winter kommen nur die Autos mit Hebebühne hinten infrage. Die Autos mit der Hebebühne an der Seite sind bei Kälte und Schnee, Streu etc. deutlich empfindlicher für Störungen. Neben den Autos mit Hebebühnen, auf die wir einfach fahren und dann elektrisch hochgefahren werden, gibt es auch noch Autos mit Rampen. Diese Autos verfügen nicht über diese elektrische Möglichkeit. Da wird eine lange Heckrampe heraus geklappt, um ins Auto zu gelangen. Da fahren wir dann hoch bzw. nach der Fahrt wieder hinunter. Gerade wenn es glatt ist, Schnee hat oder sehr stark geregnet hat sind uns diese Autos nicht so angenehm. Trotzdem sind die bei weitem entspannter zu fahren, als diese zwei Schienen bei der Ärztin. Hoch geht es noch relativ gut, aber die Fahrt hinunter nach dem Arzttermin ist schon immer ein bisschen aufregend und anstrengend. Je nachdem welcher Mensch uns die Schienen hinlegt, ist es natürlich ein bisschen unterschiedlich. Bei Personen vom Rollstuhltaxi die wir schon lange Zeit kennen fällt es uns leichter dort hinunter zu fahren. Bei Leuten die neu sind, die auch die Abstände noch nicht so wirklich gut einschätzen können fällt uns das deutlich schwerer. Selbstverständlich gucken wir natürlich auch noch mal drüber das alles passt. Zum Runterfahren nach dem Termin gibt im Prinzip zwei Möglichkeiten. Die eine Möglichkeit ist, rückwärts die Schienen hinunter zu fahren. Diese Möglichkeit mag vielleicht erst mal als die Sicherere erscheinen, fühlt sich aber für uns total nach Kontrollverlust an. Denn wir sehen dann nicht mehr, wo wir hinfahren. Ob wir noch auf der Schiene sind, spüren wir natürlich. Rechts und links an den Schienen sind vorgezogene Ränder, sodass man nicht darüberfahren kann. Letztendlich passiert ist dabei noch nie etwas, aber nach einiger Zeit haben wir uns angewöhnt lieber vorwärts runter zu fahren. Das bedeutet zwar das uns eine Begleitperson vorne am Rolli abstützen muss, aber das ist für uns angenehmer als rückwärts in die Tiefe zu fahren die wir nicht sehen und abschätzen können. Auch heute hat unsere gewählte Methode wieder prima funktioniert. Ein paar Persönlichkeiten im System haben trotzdem immer ein wenig Angst davor, Angst ist vielleicht das falsche Wort. Es ist eher ein unangenehmes Gefühl im Bauch. Auf dem Rückweg haben wir uns vom Taxi in der Nähe unserer Apotheke absetzen lassen. Da wir dort Rezepte abgeben mussten. Die Wege waren ganz schön verschneit. Zum Glück war der Weg weitestgehend flach. Morgen können wir unsere Sachen abholen. Zuhause angekommen fuhren wir mit dem Rolli direkt ins Bad. Das Bad ist bei uns gleich vorn in der Wohnung. Denn der Rolli war mal wieder ziemlich nass und dreckig vom Schnee und Eis. Nach dem Ausziehen, Hände waschen, danach Hände desinfizieren. Bei uns wird die Rollisteuerung noch desinfiziert, zusätzlich das Handy, wenn wir es draußen in der Hand hatten, und die Wasserflasche. Dann mussten wir wieder aus den ganzen Klamotten raus. Schal ausziehen, Jacke ausziehen, Schlupfsack ausziehen. Zu guter Letzt Schuhe ausziehen. Danach wurden wir in den anderen Rolli umgesetzt, damit der Rolli erst mal trocknen kann. Im Bad hinterlässt er viele dreckige Spuren, die dann zu einem späteren Zeitpunkt weggeputzt werden.


Ausflug an den See

Wir waren vor ein paar Tagen an einem See in der Nähe spazieren. Also die Schmetterlinge und wir. Wir haben uns mit dem Rolli Taxi dorthin fahren lassen. Zum Glück hat dieses Unternehmen bisher die Pandemie überlebt. Wir hoffen sehr, dass es auch so bleibt! Am See war es ganz schön kalt. Der Wind pfiff uns um die Ohren. Der Fahrer der uns mittags zu Hause abholte ist uns wirklich sympathisch. Wir kennen ihn seit vielen Jahren, quatschen über belanglose und manchmal auch belanghabende Dinge im Auto. Dieser Fahrer hat zwei Katzen. Von denen erzählt er öfter. Wir erzählen im Gegenzug von unserem Kaninchen. Das ist irgendwie schön. Nach etwa einer halben Stunde Fahrt sind wir am Ziel angekommen. Der Fahrer löste die Kraftknoten, die unserem Rollstuhl im Taxi sichern. Das Taxi hat einen rollstuhlgerechten Umbau, man kann sich den Boden also nicht vorstellen, wie den eines normalen Autos. Dort sind Schienen eingelassen, auf die man verschiedene Befestigungssysteme stecken kann. Untere anderem eben wie gesagt diese Kraftknoten die den Rolli sichern. Zusätzlich zu diesen Kraftknoten gibt es dann noch einen Rückhalt Gurt wie für alle im Auto, auch für den Rollifahrer der an variablen Stellen befestigt werden kann. Die Schmetterlinge stiegen seitlich aus dem Großraum Wagen aus. Bei den meisten Autos ist es möglich, eine Stufe auszufahren, umso leichter als Fußgänger aus dem Auto hinaus zu kommen. Für uns ist das nicht relevant, wir bleiben ja sowieso in unserem Rolli sitzen und gelangen entweder über eine Hebebühne oder eine Rampe ins Auto.

Auf einem Parkplatz in der Nähe entdecken zwei kleinen Jungs aus beiden Systemen etwas, was sie interessierte. Eine Baustelle. Sie schauten ein wenig zu. Wir machten aus, dass wir auf dem Rückweg noch einmal Baustelle schauen können. Darüber freuten sich die beiden Jungs.

Rechts um den See herum, oder links herum? Beides ist möglich. Beide Strecken sind logischerweise identisch lang. Trotzdem entscheiden wir uns meistens für rechts herum. Warum genau, kann ich gar nicht erklären. Es ist eine Art Gewohnheit die sich immer wieder wiederholt. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir nicht auch mal links herumgehen. Aber eben nicht so oft, nicht regelmäßig. Zunächst einmal war nicht so viele Leute unterwegs was ganz angenehm war. Je weiter wir um den See herumkamen desto mehr Menschen waren doch unterwegs. Viele Familien sind spazieren gegangen, Kinder auf Fahrrädern, Inlineskates, Laufrädern, Dreiräder und Kinderwagen kamen uns entgegen. Kleine Kinder die auf diesen Laufrädern fahren werden ganz schön schnell. Für uns sieht es eher erschreckend aus, wenn so ein kleines Kind so schnell mit seinem Rad durch die Gegend fährt. Häufig ohne Helm.

Auch ältere Menschen waren unterwegs. Menschen, die Sport getrieben haben in Form von Joggen, Rad fahren oder sogar schwimmen. Mit Neopren Anzug haben wir einen Schwimmer im See entdeckt. Das muss ganz schön kalt um diese Jahreszeit sein. Natürlich gab es auch einige Leute, die einfach nur spazieren gehen. Zu denen gehören wir wohl auch. Nur dass wir eben rollen, und die Schmetterlinge gehen. Trotzdem benutzen wir eigentlich immer das Wort spazieren gehen. Es ist irgendwie geläufiger und auch gewohnt. Wenn jetzt irgendjemand sagen würde, warum wir das so ausdrücken würden wir sagen, weil es sich für uns richtig anfühlt. Es passt. Auch wenn wir nicht gehen. Aus dem System der Schmetterlinge hatte ein Mädchen Vogelfutter eingepackt. Das hängte sie unterwegs auf. Wir konnten einige Meisen beobachten, die sich etwas von dem leckeren Futter nahmen. Leider hatten wir unsere Kamera nicht dabei, sodass wir leider nur mit dem Handy ein paar Fotos davon machen konnten. Diese sind qualitativ leider nicht wirklich berauschend geworden. Aber fürs Handy ist es schon in Ordnung.

Wir stellten mit Entsetzen fest, dass große Maschinen am See eingesetzt werden. Bäume wurden gefällt und es waren Bagger und andere Fahrzeuge im Einsatz. Die haben die Umgebung leider furchtbar kaputt gemacht. Zum Teil war es wirklich traurig die Landschaft so zu sehen. Umgepflügt auf unachtsame Weise. Zerstört! Einige Kleine aus beiden Systemen fragen, was mit den Tieren ist, die dort runter leben? Die taten ihnen besonders leid. Wir machten eine Pause und die Schmetterlinge setzten sich auf eine Bank. Wir kantelten uns im Rolli bequem nach hinten, in unsere sogenannte Sofaposition. Die Schmetterlinge hatten Tee gekocht den wir mitnahmen. Leider war er noch ziemlich heiß. Auch eine Kleinigkeit zu essen hatten wir dabei. Doch beide Systeme hatten während der Pause keinen Appetit. So nahmen wir unser Essen einfach wieder mit nach Hause. Etwa eine Dreiviertelstunde bevor das Taxi zurückfuhr, hatten wir uns einen Wecker gestellt, um eine Erinnerung zu haben, dass wir uns auf den Rückweg machen müssen. Eigentlich ist es nicht der Rückweg, sondern der Weg vorne rüber. Es ist ein kreisförmiger See. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz schauten die kleinen Jungs noch mal ihrer Baustelle zu. Das machte ihn viel Freude. Sie sahen, dass in der kurzen Zeit schon einiges mehr gebaut wurde. Der Taxifahrer war noch nicht da, sodass wir noch ein paar Minuten warten mussten. Als wir sahen wer uns abholt waren wir nicht gerade begeistert. Das ist der einzige Fahrer, mit dem wir wirklich nicht gut auskommen. Zum einen ist sein Fahrstil für uns als Schmerzpatienten ziemlich unangenehm. Zum anderen ist er aber auch einfach menschlich nicht angenehm, riecht nicht gut und ist unfreundlich. Wir waren froh als wir dann zu Hause waren.


Wir Kinder habn eine Schpardose. Ein Schwein. Nein zwei. Das habn wir selba angemald. Das klaine Schwein is lila. Das große Schwein is ganz bund. Ich frak di grosis ob wir hir rain foto hin machn könen. Dann kannst du sehn wi wia das gemachd habn. In di schweine komt geld für uns kinder. Von grosis wia aus geltbäutl alles klaine gelt bis 0,50 € nemen dürfn. Wenn vil gelt zusamn ist, bringn wir das gelt zur bank. Da bekomn wir für das klaine gelt dann grosses gelt. Damit können wir machen was wir woln. Aba wir mit anden kindern beschprechn müssn was wia kaufn. Das is in ortnung. Mal schaun was wia kaufn wenn die Schpardose voll is. Tschüs, J.  


4/2021

Multi Alltag

Winterklamotten aus dem Schrank raus, Sommersachen hinein. Als multiples System ist das eine riesige Herausforderung. Wem im System gehören welche speziellen Anziehsachen? Für wen ist welches Kleidungsstück wichtig und vielleicht ideell wertvoll auch wenn es beispielsweise nicht mehr passt? Das kann ganz schön im Chaos enden, wir versuchen es so strukturiert wie möglich anzugehen. Klappt meistens eine Weile und dann nicht mehr. Deshalb haben wir uns ein System überlegt, wie das für uns Viele etwas einfacher wird. 

Jemand Großes schaut zusammen mit einer Assistentin die uns die Sachen zeigt und wieder zusammenlegt, anprobiert wenn wir es für nötig halten etc. durch. Dabei machen wir vier Stapel. Einer für Sachen, die z.B. Wintersachen sind und deshalb den Sommer über auf dem Speicher lagern oder auch Klamotten, die uns sehr wichtig sind aber leider nicht mehr passen. Der zweite Stapel ist die „vielleicht Stapel“ und wird vom System nochmal genauer angeschaut. Gerne auch mit den Schmetterlingen zusammen. Der dritte Stapel sind dann die Sachen, die im Kleiderschrank bleiben oder Sommersachen, die nun dazu kommen. Natürlich lassen wir immer auch etwas Warmes im Schrank. Denn auch im Frühling und Herbst kann es entsprechend kalt werden.  Auf den vierten Stapel kommt alles, was sicher wegkann und zur Altkleidersammlung gebracht werden soll. Auch hier filtert jemand von den Großen nochmal zusätzlich, ob die Klamotten wirklich wegkönnen.  So, nun beginnt unser Aussortieren der Wintersachen und wir melden uns später oder morgen wieder. Viele Grüße, Sonnenblumen



8/21

Planung

In unserem Leben braucht alles viel Planung. Als System. Als Assistenzarbeitgeber. Als Mensch der auf Unterstützung anderer Personen angewiesen ist. Arzttermine, Therapie Termine. Assistenzteam koordinieren, einteilen, Urlaubsvertretung suchen sowie Krankheitsvertretung. Selbstverständlich auch spontan. Koordinierung des bürokratischen Wahnsinns in unserm Leben. 

Innerhalb unseres Systems muss selbstverständlich auch einiges geplant, koordiniert und organisiert werden. Absprachen werden getroffen, wichtige Informationen weitergeben. Triggernde Situationen möglichst im Voraus abschätzen und entsprechend vorbeugen. Es gibt Systemintern so unterschiedliche Wünsche, Interessen und Bedürfnisse. Das unter einen Hut zu bekommen ist nicht immer einfach. Aber wir tun unser Bestes. 

 

2022

3/2022

Zeit für die Kleinen.

Momentan sind unsere Tage richtig voll, vollgestopft mit notwendigen und zusätzlich dem, was unsere Hündin braucht. Da wir nächste Woche Besuch bekommen werden, versuchen wir jetzt alles was noch notwendig ist in die Tage davor zu packen. Deshalb ist der Terminplan entsprechend voll. Das merken insbesondere manche Kleine aus dem System. Für sie ist gerade weniger Zeit wie normal. Das tut uns auch wirklich leid und wir versuchen das dringend zu ändern. Eine Geschichte am Abend, sich an jemand Großen aus dem anderen System ran kuscheln. All diese Sachen brauchen unsere Kleinen in den Systemen. Manche der Kleinen fordern das vehement ein. Andere hingegen nicht. Wir versuchen das immer im Auge zu behalten, eben auch denen genug Raum zu geben, die nicht so fordernd sind. Ein siebenjähriges Mädchen mit einer Bürste, die so ähnlich aussieht wie ein Striegel für Pferde. Nur kleiner eben. Da dieses Mädchen absolut Pferde begeistert ist, ist das eine Aufgabe für Sie, in der sie aufgeht. Sie findet es so toll das machen zu dürfen, wenn sich die Hündin an einen ran kuschelt. Größere von unseren Kleinen im System können auch schon manche Aufgaben übernehmen die unsere Hündin benötigt. Mit jemand Großen im Hintergrund sind zwei kleine Mädchen mit der Hündin spazieren gegangen. An einem Ort, wo außer Wiese und Feldern nichts ist. Keine Autos, keine Radfahrer und auch sonst nichts, was für den Hund und uns als Menschen gefährlich werden könnte. Da die Hündin auf diesem Weg total entspannt war, war das möglich. Die Kinder in den Systemen waren unglaublich stolz darauf. Langfristig gesehen denken wir, dass es auf jeden Fall noch besser werden wird. Auch wenn die Hündin entspannter wird. Und das wird sie zum Glück. Spielen, was vorlesen, Rätsel lösen oder in einem Heft für Kinder irgendwelche Aufgaben machen. Das sind Dinge, die unsere Kleinen lieben. Aber auch kuscheln, Nähe und Wärme sind für sie sehr wichtig. Oft ist das aus dem gegenüberliegenden System einfacher wie aus dem eigenen. Was natürlich nicht bedeutet, dass sie das im eigenen System nicht bekommen. Das Intelligenzspielzeug für die Hündin zu befüllen finden manche Kinder super. Ihr dabei zuzuschauen ist wirklich faszinierend. 



6/2022

Kinderfilm

Gestern haben wir den Kinderfilmklassiker „Pünktchen und Anton“ am Laptop anschauen dürfen. Den Kindern der Sonnenblumen hat der Film gut gefallen. Das haben wir richtig „gespürt“. Für uns sind so Filme leider immer schwierig. Wir erschrecken, wenn jemand im Film schreit, werden unruhig, wenn gestritten wird und fangen an zu weinen, weil wir uns so klein und einsam fühlen. Zwischenmenschliche Konflikte können wir nur schlecht aushalten. Wenn im Film jemand eine Person anschreit, sagen wir oft: „Bitte nicht schreien, es tut mir leid“. Ich glaube, das kommt aus unserer Vergangenheit. Wir haben nie gelernt, wie man mit Konflikten richtig umgeht. Wir fühlen uns sofort schuldig, haben Angst und würden uns am liebsten „in Luft auflösen“.

 

11/2022

Musikinstrument

Unser System hat in der Kindheit und Jugend ein Instrument spielen lernen dürfen. Das hat uns viel bedeutet und war ein wichtiger Teil in unserem oft schwierigen Alltag. Für uns war die Musik eine Zuflucht, ein Zuhause und etwas was uns Kraft gab. Schon lange ist es uns nicht mehr möglich, ein Instrument zu spielen, da unser Körper dazu nicht in der Lage ist. Lange haben wir hin und her überlegt und plötzlich hatten wir eine Idee dazu. Wir haben uns ein Holz Xylophon gekauft. Nicht so eins, dass Kindergarten Kinder oder in der musikalischen Früherziehung eingesetzt wird, sondern ein größeres aus Holz. Für uns ist es total toll, darauf ein paar Töne erklingen zu lassen. Die Schmetterlinge haben für uns ein Liederheft besorgt und wir sind gespannt, inwiefern wir das musikalisch umsetzen können. Noten lesen etc. wird für uns überhaupt kein Problem werden. Die Schmetterlinge sind überhaupt nicht musikalisch und mochten den Musikunterricht in der Schulzeit nicht. Für uns war Musik toll, wir waren richtig gut darin und hatten immer Bestnoten im Musikunterricht. Dieses Xylophon ist nun eine Möglichkeit für uns, wieder Musik zu machen. Selbst Musik zu machen! Wir sind sehr gespannt wie uns das gelingen wird und freuen uns darauf, wieder zu musizieren. Klar wird das alles nur in einem geringen Rahmen umsetzbar sein, da unsere rechte Hand nicht sehr belastbar ist. Darauf müssen wir immer achten. Aber das bekommen wir sicher hin, mal schauen, welche Persönlichkeiten im System vor allem Musik machen möchten. Ich habe da schon so eine Ahnung …

Wird fortgesetzt....


Unser System, das System der Schmetterlinge tut sich richtig schwer etwas auf die Homepage zu schreiben. Früher war das leichter. Ich glaube vor allem unsere Depression bremst uns aus. Wir haben total wenig Antrieb. Es ist kein Unterschied, ob es um schöne oder weniger schöne Sachen geht. Wie es ist depressiv zu sein kann man Außenstehenden nur schwer beschreiben. Bei uns ist es Leere, manchmal Druck, Scham, Antriebslosigkeit. Die Sonnenblumen halten trotzdem zu uns und sind einfach für uns da. Zum Glück ist selten das komplette System von einer Depression betroffen, sondern nur einzelne Persönlichkeiten. Trotzdem bekommen alle im System etwas davon ab. Ein Kind fragt mich dann zum Beispiel, was ist mit dir los, bist du krank?


1/2023

Darstellungen zur multiplen Persönlichkeit 

In letzter Zeit tauchen immer wieder kleinere Filmbeiträge auf einer Video Plattform auf, die das Thema multiple Persönlichkeit behandeln. Als Betroffene von diesem Thema schauen wir uns diese Filme gerne an um einfach einen Eindruck für uns davon zu gewinnen. Leider haben wir immer wieder bemerkt, dass die Darstellung einer multiplen Persönlichkeitsstörung nicht immer unproblematisch ist. Weder für den betroffenen Menschen, noch für die Außenwirkung. Es gibt auch ein paar Filmbeiträge älteren Datums, die wir recht gut finden. Das was neuerdings im Internet kursiert, ist teilweise verwirrend und verstörend. So möchten wir als multiple Persönlichkeit nicht verstanden und wahrgenommen werden. Vielleicht haben wir auch deshalb begonnen unsere Homepage zu schreiben. Weil wir eine Außenwirkung erzeugen wollen, die unserer Realität entspricht. Unsere ganz persönliche Realität mit multipler Persönlichkeit. Unserem Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen.

Wir haben ein unglaubliches Glück, dass wir zwei Systeme sind, zwei Systeme die zusammen durch dick und dünn gehen. Und das meinen wir wörtlich, denn unser Leben hat auch heute immer wieder massive Herausforderungen denen wir uns stellen und die wir irgendwie bewältigen müssen. Manche davon, haben genau damit zu tun wie dissoziative Identitätsstörung nach außen kommuniziert und propagiert wird. Dass ist nicht schön! Deshalb wollen wir hier unseren Beitrag dazu leisten um einen persönlichen Einblick zu gewähren. Und trotzdem müssen wir natürlich selektieren, welche Informationen wir der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen wollen. Da scheint es manchmal einfacher, über unser Leben mit Hund zu schreiben. Was ja auch eine Sache in unserem Leben ist, sie füllt einen großen Platz aus. Bald lebt sie jetzt ein Jahr bei uns, Ende Januar 2022 ist sie hier eingezogen. In diesem Jahr hat sich unser Leben verändert und hat eine andere Färbung bekommen als vorher in dem Leben ohne Hund. Wir sind glücklich diese Entscheidung getroffen zu haben und wir sind glücklich, dies als zwei Systeme gemeinsam machen zu können und auf die gegenseitige Unterstützung zu vertrauen. Für uns macht es das Leben bunter, fröhlicher wie eine schillernde Seifenblase die wir so lange wie irgendwie möglich bei uns in unserem Herz behalten wollen. Verschiedene Persönlichkeiten von uns haben natürlich unterschiedliche Beziehungen zu unserer Hündin. Dass ist klar, aber das macht ja auch nichts. Ein Kind kann keine Verantwortung übernehmen, wie eine Jugendliche oder eine Erwachsene aus dem System. Und trotzdem ist es möglich, dass diese unterschiedlichen Beziehungen das Leben reicher und fröhlicher machen. Ob unsere Hündin uns untereinander unterscheiden kann weiß ich nicht genau. Oft haben wir schon den Eindruck, dass sie sich bei verschiedenen von uns anders verhält. Wer weiß das schon genau was dabei in einem Hund so vor sich geht.

Wenn ihr Fragen rund um das Thema multiple Persönlichkeit habt, lest auch gerne in unseren älteren Beiträgen nach. Alternativ könnt ihr auch im Gästebuch einen Kommentar hinterlassen oder uns über das Kontaktformular schreiben.

 


Wer entscheidet?

Das ist in unserem System manchmal gar nicht so einfach. Wichtige Entscheidungen werden natürlich von „den Großen“ im System getroffen. Aber bei Kleinigkeiten z.B. welche Süßigkeit gegessen wird, dürfen die Kinder alleine entscheiden. Ich finde es wichtig, dass auch „die Kleinen“ Entscheidungen treffen dürfen. Dadurch sind alle im System zufriedener und niemand hat das Gefühl, dass er nichts entscheiden darf.


Urlaub, wir kommen

In einer Woche ist es soweit, die Schmetterlinge und wir werden gemeinsam mit unserer Hündin in den Urlaub fahren. Wieder in die Stadt, in der wir gelebt haben bevor wir hier in die Stadt zu den Schmetterlingen gezogen sind.

Beide Systeme freuen sich wirklich sehr darauf.

Zwei Systeme und ein Hund. Wir werden das schaffen! Mal schauen, wie es für unsere Hündin dieses Mal werden wird in den Urlaub zu fahren. Es werden bestimmt tolle Tage und die Vorbereitungen laufen gerade auf Hochtouren. Welches System braucht was, welche behinderungsbedingten Dinge müssen wir in welcher Stückzahl mitnehmen? All das notieren wir, unsere Liste auf die alles drauf kommt was mit in den Urlaub muss, ist schon ganz schön lang geworden. Auch unsere Hündin braucht so einiges was mit muss.

Am Vormittag werden wir losfahren, müssen so gegen elf am Hauptbahnhof unserer Stadt sein. Eine Assistentin kommt schon recht früh zu uns. Hilft noch die letzten Dinge einzupacken und ich werde noch eine längere Runde mit ihr und unserer Hündin draußen sein. Dann ist sie ausgelastet was uns wirklich wichtig ist bevor wir so lange im Zug sitzen. Natürlich soll sie noch Kot und Urin vorher absetzen. Dann sitzen wir etwa 3 Stunden in einem ICE, anschließend müssen wir umsteigen. Den Anschluss haben wir so gewählt, dass wir nicht auf ein anderes Gleis müssen. Das erscheint uns praktisch und in so einer hektischen Situation würde unsere Hündin auch nicht aufs Klo wollen. Dann fahren wir noch mal eineinhalb Stunden, bis wir unseren Zielort erreichen. Dort werden wir erst mal zu dem nächstgelegenen Grünstreifen gehen, und hoffen, dass diesmal alle Aufzüge funktionieren die wir brauchen. Im Vorfeld kann man sich dabei über eine App informieren, sollte der Aufzug am betreffenden Gleis nicht funktionieren müssten wir versuchen, in Absprache mit dem Zugchef, dass der Zug auf einem anderen Gleis in dieser Stadt hält. Dies war schon mal nötig, und wurde zum Glück auch problemlos umgesetzt. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn ein Zug nur wegen uns das Gleis wechseln muss. Doch anders haben wir keine Chance, vom Gleis wegzukommen.

Nachdem unsere Hündin ihren Toilettengang erledigt hat machen wir uns auf dem Weg zum Taxiplatz. Wir haben uns ein Rollstuhltaxi bestellt, das uns vom Hauptbahnhof zu unserer Unterkunft bringen wird. Das erscheint uns sinnvoll, da die neue Straßenbahnlinie leider immer noch nicht vor der Haustür der Unterkunft fährt. Letztes Jahr im September sagte man uns, in ein paar Wochen wäre diese fertig. Nun ein halbes Jahr später ist dem immer noch nicht so. Das wäre für uns einfacher und unkomplizierter.

So haben wir nun einen bisschen längeren Weg zur nächsten Straßenbahnhaltestelle. Wir müssen an einem ziemlich belebten Platz vorbei, dann unter einer kleinen Unterführung durch. Das ist sicher machbar doch komfortabler wäre es, wenn es anders wäre und die Bahn wirklich quasi vor der Türe abfahren würde.


Seltsames Gefühl im Kopf

Ich bin R. wohne im System der Sonnenblumen und bin 13 alt.

Seit zwei Tagen fühlt sich mein Körper und mein Kopf irgendwie merkwürdig an, anders wie gewöhnlich. Warum weiß ich nicht so genau. Es gibt viele Themen die mir im Kopf rumgeistern, vielleicht sind es gerade zu viele. Es fühlt sich an als kratze jemand in meinem Kopf. Das Gefühl ist schwierig zu beschreiben.

In den nächsten Wochen kommt auf uns ziemlich viel zu. Wie das sein wird wissen wir noch nicht. Ich beginne davon zu träumen. Manchmal kombiniert mit Traumainhalten von früher. Manchmal nicht. Eigentlich bin ich jemand die ziemlich gut funktioniert aber das ist nicht immer möglich. Gerade merke ich, dass ich Ruhe brauche. Auch mal Zeit für mich als Teenie. Ohne dem Großen und Ganzen was da auf uns zu kommt.

 

 

Während eurer OP

Wir sitzen hier am Laptop, diktieren was für unsere Homepage während ihr im Krankenhaus seid und gerade operiert werdet. Das Gefühl ist einfach schrecklich, wir kennen das Gefühl leider zu gut. Doch dran gewöhnen werden wir uns nie. Das ging heute alles total schnell. Am Morgen zeigtet ihr uns euer Problem. Für uns war schnell klar, dass das ohne Krankenhaus nicht gehen wird. Ihr rieft beim diensthabenden Arzt in der Klinik an und der sagte, das gehe nur über die Notaufnahme. Je schneller du kommen kannst desto besser denn abends ist es in der Notaufnahme meistens ziemlich voll und man wartet extrem lange.

Lang gewartet habt ihr tatsächlich nicht. Schon etwa 1 Stunde nachdem ihr im Krankenhaus angekommen war habt ihr uns geschrieben, dass klar ist, dass eine Operation heute noch erfolgen muss. Der Anästhesie Bogen musste mal wieder aufgefüllt werden. Ihr kamt hoch auf die Station die ihr schon kennt. Kurz konnten wir miteinander telefonieren. Wir merkten, dass ihr ganz schön durcheinander seid und euch die Situation Angst macht. An so eine Situation wird man sich einfach nie gewöhnen auch wenn man sie schon öfter in seinem Leben ertragen musste. Wir werden später abends auf der Station anrufen und nach euch fragen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ihr uns heute Abend noch was sagen könnt ist ziemlich gering. Für uns ist das aber wichtig bevor wir abends ins Bett gehen.

Auch unsere Hündin merkt, dass irgendwas komisch und anders ist. Dass wir uns anders verhalten, vielleicht wirken wir unglücklich auf sie. Wir telefonieren mit einer Freundin um ein bisschen ins Reden zu kommen um nicht in der Stille den traurigen Rückzug anzutreten. Insbesondere für die Kleinen im System ist das eine total beängstigende und schwierige Situation. Auch aus unserer Perspektive.

Wir organisieren unsere Versorgung für die nächsten Tage. Sagen Termine ab, rufen beim Rolli Taxi an. Fragen das Assistenzteam, wer wann wie einspringen könnte. In unserem Team fehlt gerade sowieso eine Person sodass sich die Last auf zu wenige Schultern verteilen lässt. Wir fragen eine alte ehemalige Assistenz von uns ob sie an einem Abend kommen könnte. Sie sagt ja, freut sich uns und unsere Hündin und die Kaninchen zu sehen. Wir treffen uns mit ihr immer mal wieder zum Spazieren gehen und das finden wir schön. Eine der wenigen, bei denen der Kontakt tatsächlich gehalten hat über das Arbeitsverhältnis hinaus. Und dass ist für beide Seiten total passend und in Ordnung. Lieber hätten wir sie auf einem schönen Spaziergang getroffen, schon öfter ist sie für uns eingesprungen, wenn Not an der Frau war. Vielen herzlichen Dank!

Ihr liegt jetzt vermutlich auf dem Operationstisch. Beatmet, an lauter Geräte angeschlossen.

 

Allein die Vorstellung tut uns weh. So abhängig und ausgeliefert in dieser ganzen Maschinerie. Massenabfertigung, in der der einzelne Mensch nicht gesehen wird. Wir hoffen nur, dass die Ärzte ihre Arbeit gut machen denn wir haben leider schon zu oft erlebt, dass dies nicht der Fall war. Wir hoffen, dass ihr nach der OP nicht zu starke Schmerzen hab. Jetzt müssen wir uns erst mal sortieren und ordnen, Ruhe in unser eigenes System bringen damit wir die nächsten Tage gut durchhalten!

 

Fotos von uns fünf

Zu uns gehören die beiden Systeme, wir Sonnenblumen und unsere lieben Schmetterlinge und natürlich Peaches und unsere beiden Zwergkaninchen.

Wir bitten eine Assistentin, von uns zusammen Fotos zu machen. Dazu stellt die Assistentin meinen Sitzsack der nicht mit einem gewöhnlichen Sitzsack zu vergleichen ist, sondern ein Hilfsmittel darstellt auf unseren Balkon. Sie setzt mich da rein, fährt meinen Rolli aus dem Weg sodass der nicht im Bild ist. Tatsächlich gibt es von uns nur sehr wenige Fotos wo unser Rolli nicht drauf ist. An sich stört er uns auf den Bildern nicht, aber mal welche zu haben ohne Rolli es auch ganz schön.

Zunächst macht die Assistentin von uns Menschen ein paar Fotos, dann kommt unsere Hündin dazu. Zuletzt holt sie beide Kaninchen und setzt sie mir auf den Schoß. Peaches ist interessiert, schnüffelt und man sieht genau, dass sie total vorsichtig mit den Kaninchen ist. Es sind so tolle Bilder entstanden mit uns komplett 😉

Am Ende entstehen noch Bilder nur mit den Kaninchen und beiden Systemen, denn auch das ist uns wichtig. 

Von beiden Systemen möchten verschiedene Persönlichkeiten auf den Fotos vorne sein und nach außen schauen. Es wird ganz schön viel herum gewechselt in beiden Systemen. Anschließend sind wir beide erschöpft. Die Ergebnisse sind wunderschön und wir danken herzlich der Assistentin die das für uns gemacht hat. Fühlte sich an wie ein kleines Fotoshooting.


Was ist ein gelbes Piks- Buch?

Das fragte ich mich vor kurzem, als ein Kind aus unserem System sagte, dass wir das gelbe Piks-Buch nicht vergessen dürfen. Ich kam auf alle möglichen Ideen, aber nicht auf die richtige. Das Kind meinte unseren Impfpass. 



Der Winter steht uns bevor

Inzwischen sind in unserer Umgebung fast alle bunten Blätter abgefallen und man merkt es an den Temperaturen immer mehr, dass der Winter uns bevorsteht. Momentan bläst der Wind total heftig über unsere Stadt hinweg.

 November und Dezember sind für uns als multiple Systeme eine eher schwierige Zeit. In der Ergotherapie wird den Schmetterlingen angeboten, bei Bedarf auch zwischen den Feiertagen kommen zu können. Doch das können die Schmetterlinge problemlos ablehnen und das Angebot für Menschen lassen die es dringend brauchen, da wir diese Tage gemeinsam verbringen und das für uns die bestmögliche Sicherheit und Hilfe gibt.

Den 1. November haben wir bereits gut überstanden. Wenn wir zurückblicken, wie schwer dieser Tag für uns noch vor einiger Zeit war sind wir unfassbar stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben. 

Neben den allgemein schwierigen Tagen ist es für unser System insbesondere im Dezember noch mal nicht so einfach. Ein individueller Tag, doch auch das schaffen wir inzwischen ganz gut.

Für uns ist das Allerwichtigste, auch diese Zeit gemeinsam zu verbringen. Zusammen, durch Höhen und Tiefen zu gehen. Für unsere beiden Systeme ist dieser Schlüssel des Zusammenseins unfassbar wichtig und wertvoll. Wir sind so glücklich einander zu haben!



 

Wir brauchen ein anderes Smartphone

Seit einer Weile treibt uns dieses Thema schon umher. Und wir wissen einfach nicht, was die richtige Entscheidung bezüglich eines neuen Smartphones ist. Es sind in unserem System so unterschiedliche Stimmen sodass es schwer ist, eine endgültige gemeinsame Entscheidung zu treffen.

Während ein Jugendlicher darauf bedacht ist, dass es so günstig wie irgendwie möglich für uns ist, denkt eine 13-jährige Jugendliche viel an die Fotoqualität. Denn das wäre etwas, was für sie und auch andere Persönlichkeiten in unserem System eine tolle Verbesserung wäre.

Früher hatten wir eine Systemkamera, also ein Zwischending zwischen Spiegelreflex- und Digitalkamera. Doch damit ist das Handling für uns relativ schwierig. Insbesondere seitdem unsere Hündin hier eingezogen ist, fotografieren wir ausschließlich über unser Smartphone, da es für uns viel zu umständlich wäre mal schnell für ein Foto die Kamera auszupacken.

Außerdem ist für uns relevant, dass der Bildschirm möglichst klein und somit mit nur einer funktionierenden Hand zu bedienen ist. Viele Anbieter von neuen Smartphones lassen ihre Produkte immer größer werden doch das ist nicht das, was wir brauchen.

Des Weiteren ist für uns die Sprachsteuerung sehr relevant. Aber auch so Dinge wie Akkulaufzeit, Ladezeit usw. Das neue Smartphone sollte so leicht wie irgendwie möglich sein da unsere Hand immer wieder schmerzt und anschwillt. Die Hand ist einfach völlig überlastet. 

Die Frage stellt sich nun also nach dem Betriebssystem. Wir schreiben die Anforderungen auf. Stellen im Internet einen Vergleich an, der tatsächlich erstaunlich ist. Offen wären wir für ein gebrauchtes Smartphone. Es muss für uns nicht neu sein. Wichtig wäre uns allerdings schon, dass dieses generalüberholt wäre und es durch den Anbieter noch eine Form von Garantie gäbe.

Unser Kopf raucht und wir versuchen das für uns richtige Ergebnis zu finden.



Fotos von uns zu fünft

Mitte Oktober bitten wir eine Assistentin, von unseren beiden Systemen gemeinsam mit unseren drei Tieren Bilder zu machen. Diese Assistentin fotografiert total gerne und macht wundervolle Fotos. Da sie ein ziemlich modernes Handy hat verfügt dieses über viel mehr Funktionen als unser eigenes Handy. Auch die Auflösung ist um Welten besser. 

Vor einigen Jahren haben wir in meinen „Assistenzleitfaden“ hineingeschrieben, dass wir nicht möchten das Assistenten von uns Bilder machen. Dies haben wir aus berechtigtem Grund in den Leitfaden aufgenommen, da insbesondere relativ junge Leute dauernd ihr Smartphone in der Hand hatten. Anders ist das natürlich, wenn das abgesprochen ist. Wir bitten darum, dass man entweder mit unserem Handy ein Bild von einer Situation macht. Bei einer Assistentin ist es für uns auch okay, wenn sie mit ihrem Handy ein Foto macht. Dies möchten wir allerdings nur nach Absprache. So fühlen wir uns damit ganz wohl und das ist für uns ziemlich relevant.

Unser System lässt sich von der Assistentin auf unseren Sitzsack setzen, so ist unser Rolli nicht auf den Fotos dabei. Auf den allermeisten Fotos die wir haben sitzen wir in unserem Elektrorollstuhl. Dort verbringen wir auch die meiste Zeit des Tages. Trotzdem finden wir es ganz schön auch mal Bilder ohne Rolli zu haben. Das wirkt einfach ganz anders und für uns fühlt sich das ganz gut an.

Peaches wartet zunächst im Schlafzimmer, bis die Schmetterlinge und die Assistentin beide Kaninchen aus ihrem Gehege geholt haben. Sie setzen uns die beiden auf den Schoß. So machen wir zunächst mit beiden Systemen und den Kaninchen Fotos, anschließend kommt Peaches noch dazu. Jetzt sind wir also alle fünf zusammen. Alle fünf auf einem Bild! Als Peaches hier eingezogen ist, war uns nicht klar ob das irgendwann möglich sein wird. Heute ist es für uns alle fünf zusammen ganz entspannt möglich und das ist wundervoll!



Ende 2023

Adventszeit

Inzwischen ist es Mitte Dezember, der Advent ist also in vollem Gange. Während viele Leute auf ihren Tischen Adventskränze stehen haben, so haben wir das nicht. Auf Wunsch der Schmetterlinge hin haben wir zum ersten Mal an der Wohnungstür ein Kranz aus Tannenzweigen, den wir selbst mit ein paar Kugeln verziert haben. Das sieht ganz schön aus.

Diese Zeit beinhaltet immer wieder Fragen von außen, wie man denn Weihnachten verbringen wird. Gestern war das zum Beispiel bei der Ärztin im Schmerzzentrum der Fall. Wenn wir darauf wahrheitsgemäß antworten, sind viele Menschen irritiert. Unser nächstes Umfeld ist natürlich darüber informiert, dass wir einfach nur uns haben. Und wir unsere Wahlfamilie gegenseitig sind, gemeinsam mit unseren Tieren. Wir sind zu fünft, zwei Systeme und drei Tiere. Für uns fühlt sich das komplett an. Einander zu haben ist sowas Wertvolles!

In unserer Vergangenheit war Weihnachten immer etwas Scheinheiliges. Nichts Echtes, nur der Schein nach außen. 

Heute ist das anders. Gemeinsam mit den Schmetterlingen verbringen wir ruhige Tage und genießen es, diese Zeit nicht mehr alleine überstehen zu müssen. Mittlerweile haben wir sogar ein Tannenbaum. Das war viele Jahre für uns undenkbar, da das doch mit Trigger Potenzial behaftet war. Unser Tannenbaum steht bereits hier, in ein paar Tagen wird er geschmückt werden. Da die Lichterkette nicht mehr funktioniert hat, mussten wir eine neue kaufen. Dadurch hat sich das Schmücken etwas verschoben.

Geschenke waren in unserer Kindheit allzu oft an „Gegenleistungen“ geknüpft. Dass es heute zum Glück überhaupt nicht mehr so. Insbesondere für einige Kleine aus den Systemen war es eine Weile wirklich schwierig etwas geschenkt zu bekommen, weil sie immer dachten, dass sie für die Geschenke eine Gegenleistung erbringen müssen. Sie kannten es leider nicht anders.


2024

Nur ein Traum

Manchmal träumen wir Kinder von früher. Das sind keine schönen Träume! Viel Angst und oft das Gefühl von Schmerzen am ganzen Körper aber vor allem im Bauch. Ich hätte gern ein Wunderrezept, dass ich die Träume von als ich noch ein Kind war nie wieder träumen muss. So wie die Täter uns da weggetan haben ist schlimm genug, ich will nicht immer wieder durch einen Traum daran erinnert werden.


Tränen

Unser Körper schläft, es ist Nacht. In dieser Situation schläft eine 13-jährige Jugendliche außen, während der Rest vom System innen ist. Plötzlich fängt jemand Kleines an zu weinen, die Jugendliche wacht auf und weiß nicht was los ist. Das kleine Mädchen ist dann vorne. Die Tränen laufen ihr übers Gesicht. Eine Erwachsene Persönlichkeit aus dem System versucht zu klären, was denn da los ist. Das Mädchen hat schlecht geträumt und dachte, es sei früher. Wir merken, dass die Kleine Trost braucht. Sie bekommt ihr Kuscheltier in den Arm gelegt. Das hilft ihr. So kommt sie gut wieder zur Ruhe. Nach einiger Zeit kann unser System weiterschlafen.

 

Gut genug sein

Ich habe häufig das Gefühl, besser sein zu müssen und nicht nur gut genug. Wo her dieses Gefühl genau kommt kann ich nicht sagen. Doch dieses ist in mir ziemlich fest verankert. Im Umgang mit anderen Menschen oder Lebewesen zum Beispiel tierischer Art habe ich eine gute Gelassenheit und komme mit der Unperfektheit ziemlich gut zurecht. Doch bei mir selbst ist das anders. 

Dann reflektiere ich eine Situation mit Peaches. Finde meine Reaktion nicht so gut wie ich sie von mir selbst erwarte. Anschließend sagt eine Kleine aus dem eigenen System, das war nicht perfekt. Meine Gedanken überschlagen sich und doch kann ich die Situation im Nachhinein nicht mehr ändern. Wie ich lernen kann dessen Perfektionismus mir gegenüber zumindest teilweise abzulegen weiß ich nicht. Dies ist unglaublich tief in mir verankert.


„Schlafanzug Tag“

Für manche Kleinen in unserem System ist es so schön, wenn keine Termine sind einfach mal länger im Schlafanzug zu bleiben. Momentan ist das mit dem Rausgehen (mit Peaches) ja kein Problem da man ja noch eine Jacke braucht. Im Sommer werden wir das sicher nicht mehr so machen. Oder vielleicht doch, wenn der Schlafanzug nicht zu sehr nach Schlafanzug aussieht. Die Auswahl unserer Schlafanzüge treffen überwiegend kleine Persönlichkeiten im System. Klar die Sonnenblumen und die Assistentinnen sehen uns regelmäßig im Schlafanzug. Aber ansonsten kommt das ja nicht so häufig vor. Irgendwie hat es was von Geborgenheit, etwas zum Wohlfühlen.



Ein sehr schöner Termin für beide Systeme zusammen steht an

Bald werden wir alle zusammen einen sehr schönen Tag haben. Wir werden fein angezogen sein, nach dem Ereignis gibt es glutenfreie Torte. Selbst bei uns, die durch die fiese Depression wenig fühlen, löst das etwas wie Freude aus. Wir haben uns das schon so lange gewünscht, jetzt ist es endlich soweit! Was andere darüber denken, ist uns nicht so wichtig. 


Ein wichtiges Event in unserem Leben

Wir planen gerade ein für beide Systeme total wichtiges und richtig tolles Ereignis. Uns fällt sofort auf, wie viel Auftrieb das den Schmetterlingen gibt und freuen uns darüber sehr. Sie lächeln! Einfach so von innen heraus und es ist wunderschön zu sehen. Die ersten Vorbereitungen sind erledigt. Peaches wird uns an dem Tag auch begleiten. Das ist wundervoll! Etwas Schönes zum Anziehen haben wir bereits, eine Assistentin wird uns Sonnenblumen ein bisschen schick machen. Nägel lackieren, Haare mit einem Glätteeisen behandeln und natürlich ein bisschen Schminke ins Gesicht. Das fühlt sich für uns gut an. 

Mehr kann ich im Moment noch nicht verraten.


Für uns Schmetterlinge ein Problem

Heute waren wir beim Friseur. Eine lange Zeit war das für uns nicht einfach. Am Kopf von hinten angefasst zu werden triggert ziemlich. Das ist heute zum Glück kein Problem mehr. Als mir die Haare gewaschen wurden, war das Wasser für uns zu warm. Trotzdem habe ich mich nicht getraut etwas zu sagen. Erst als innen im System jemand gesagt hat, dass das heiße Wasser tut weh, habe ich mich getraut etwas zu sagen. Wenn was für uns unangenehm ist, fällt es uns schwer etwas zu sagen. Irgendwie wollen wir uns oft immer noch möglichst unauffällig verhalten und nichts „einfordern“.



Wir schauen uns einen wichtigen Ort für einen wichtigen Tag der bald in unserem Leben sein wird, an.

Wie bereits geschrieben, steht in unserem Leben ein wichtiger Tag an. Die Lokalität für dieses Ereignis haben wir uns am Wochenende angeschaut. Für uns war es wichtig vor Ort zu sehen, dass es tatsächlich alles barrierefrei ist und so wie wir das geplant haben auch stattfinden kann. Das wurde uns zwar im Vorfeld versichert aber das Risiko, dass es dann doch nicht geht wollten wir einfach nicht eingehen. Eine angenehm breite Rampe führt in das Gebäude hinein. Auch durch die Eingangstür kommen wir problemlos durch. Nun können wir uns das Ganze konkreter vorstellen und auch planen, wie wir dort sitzen werden. Unser Platz wird auf der linken Seite sein, zwischen uns zu meiner rechten Seite wird Peaches Platz sein. Rechts daneben werden die Schmetterlinge sitzen. Das nun konkret geplant zu haben fühlt sich gut an und wir hoffen durch die sorgfältige Planung im Vorfeld auf möglichst wenige Probleme an dem Tag zu stoßen.

Zusammen besuchen wir diesen Ort. Wir Sonnenblumen dachten nicht, dass der Ort für unsere Feier für uns eine größere Bedeutung hat. Und doch hat es sich irgendwie seltsam angefühlt. Im System hat es etwas ausgelöst. Nichts primär Negatives, aber auch nichts Positives. Es hat uns unsicher werden lassen in unserem Fühlen und Handeln.

Wir sind so unglaublich dankbar diese Möglichkeit zu bekommen und diesen Tag mit den Schmetterlingen zu feiern. Und doch zeigt es irgendwie, dass bei unseren beiden Systemen manches anders ist wie bei anderen Menschen die diesen Tag feiern.

Bald ist es soweit. Schon am Montag werden die konkreten letzten Vorbereitungen stattfinden. Alles ist genau geplant, unser System ist Profi darin Listen zu erstellen und genau das haben wir für die Tage vor dem großen Tag bereits gemacht. Welche Assistentin putzt wann den Elektrorolli, wer ist dafür zuständig uns zu schminken und die Haare herzurichten. Einen Tag zuvor werden wir uns noch die Nägel lackieren lassen. Natürlich in unserer Lieblingsfarbe, türkis. Und auch die Schmetterlinge möchten Klarlack also farblosen Nagellack für diesen besonderen Tag auf ihre Nägel haben. Eine Assistentin wird morgens um 7:00 Uhr bereits hier sein was für uns schon ziemlich früh ist. Zu diesem Zeitpunkt war unser System dann schon mit Peaches draußen. Dann geht es ans Styling und wir sind dankbar, dass die Assistentin das an diesem Tag möglich macht. Was wir uns genau wünschen haben wir bereits besprochen, die notwendigen Materialien besorgt (da wir mit Schminke nicht gut ausgestattet sind). Als Generalprobe haben wir das ganze schon gemacht sodass an diesem Tag klar ist, wer was wann wie macht! Was wir und die Schmetterlinge uns wünschen. Peaches wird am Tag vorher noch mal gründlich gebürstet, denn es wird wie es sich für einen großen Tag gehört selbstverständlich Fotos geben. Wir sind glücklich, dass unsere Hündin uns an diesem Tag begleiten darf und dass das dort möglich gemacht wird. 

Der Tag selbst ist durchgetaktet. Das Rollstuhltaxis bestellt. Wir freuen uns auf diesen Tag und gleichzeitig sind wir auch ein bisschen aufgeregt. Gemeinsam wünschen wir uns einen wunderschönen Tag und dass er so sein wird wie es für beide Systeme gut ist!


Freundschaften

Für uns ist es nicht so leicht Freundschaften zu knüpfen. Umso mehr freuen wir uns jemanden kennen gelernt zu haben mit dem eine tolle Freundschaft entstanden ist. Leider wohnt sie in Norddeutschland, von uns also schon eine ganze Ecke weg. Andere Rollifahrer mit Hund treffen wir tatsächlich nicht so häufig. Hier in unserem Alltag gibt es eine ältere Frau die nicht so gut läuft und ihren Aktiv Rolli vor sich herschiebt, wenn sie mit ihrem Hund unterwegs ist. Diese Frau meinte neulich zu uns, dass ihr Hund nicht ohne Leine laufen dürfe, weil sie dem Hund ja schließlich nicht hinterherlaufen könne. Nun, können wir auch nicht! Trotzdem ist Peaches so gut erzogen, dass ein Freilauf an vielen Orten gut möglich ist. Wir erinnern uns noch genau wie wir uns nicht sicher waren ob wir uns irgendwann trauen könnten, unsere Hündin ohne eine Begleitperson ohne Leine laufen zu lassen. Das kann sie jetzt schon ziemlich lange. Und wir fühlen uns in der Situation absolut sicher, weil wir wissen, dass wir ein gutes und sicheres Rückrufsignal aufgebaut haben. Peaches ist eine wundervolle Begleitung im Alltag und hilft beiden Systemen. Auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Eine Freundin von uns die hier in der gleichen Stadt lebt in der wir auch wohnen ist Peaches gegenüber eher ablehnend. Sie kann nicht nachvollziehen, wie ein Hund ein Familienmitglied wird. Für uns ist das eine schwierige Situation und wir merken zunehmend, dass wir versuchen den Kontakt auf ein Minimum zu begrenzen. Und wenn wir uns sehen, möglichst nicht bei uns zu Hause. Das belastet schon. Immer wieder hat sie Vorschläge wie z.B. fahrt doch mal eine Woche ohne euren Hund in den Urlaub usw. Ganz ehrlich, das kommt für uns absolut und überhaupt nicht infrage. Selbstverständlich gibt es Menschen die das machen und bestimmt auch Hunde, für die das in Ordnung ist. Für uns fühlt sich aber nicht richtig an und wir wünschen uns, dass dies dann auch respektiert wird.

Unsere neue Freundin aus Norddeutschland tut unserem System gut. Es ist ein toller Austausch entstanden, auch jemand mit Rolli und Hund. Das gegenseitige Verständnis für viele Situationen es für uns etwas Besonderes. Und ja, die Kombination Rollstuhl und Hund ist noch nicht als so gewöhnlich in unserer Gesellschaft angekommen. Deshalb möchten wir aufklären und erzählen, wie gut das sein kann.


Christopher Street Day

In unserer Stadt war am Wochenende Christopher Street Day. Für uns Sonnenblumen ist das ein totales Highlight im Jahr. Seit einigen Jahren besuchen wir an dem besagten Wochenende mit Freunden aus unserer Selbsthilfegruppe an dem Samstag die Parade des Christopher Street Days und am Sonntag schauen wir uns das sonstige Rahmenprogramm an. Den Schmetterlingen ist das zu viel: Zu laut, zu viele Menschen, zu viel Chaos. Wir hingegen genießen das! Dadurch dass jemand aus unserer Selbsthilfegruppe die Dinge übernehmen kann, die unser System während dieses Tages brauchen, ist dies ausnahmsweise eine Veranstaltung die wir ohne persönliche Assistenz besuchen. Das ist für uns schon relativ ungewöhnlich. Umso mehr genießen wir es und versuchen glückliche Momente zu sammeln. Letztes Jahr war es total heiß an diesem Tag, dieses Mal soll es regnen. Ein Zwischending zwischen diesen beiden Extremen wäre ganz nett. Wir werden das Wochenende genießen und anschließend ziemlich KO sein. Das ist einkalkuliert und darum wissen wir. Auch im Vorfeld haben wir geschaut, dass wir etwas mehr Ruhe bekommen wie sonst und einen uns stressenden Termin im Vorfeld abgesagt. Prioritäten setzen ist in unserem Alltag etwas was total wichtig ist und wir haben im Laufe der Jahre gut gelehrt, für uns sinnvoll zu sorgen. Die Morgenrunde mit unserer Hündin werden wir übernehmen, anschließend sind die Schmetterlinge für Peaches zuständig. Gegen Abend werden wir wieder zu Hause sein und vermutlich erst mal erschöpft ins Bett fallen. Vorher könnten wir noch eine gute Dusche gebrauchen.