Etwas aus dem Multi Alltag, auch aus dem gemeinsamen Multi Alltag...

 

Lustige Begegnungen mit Uno s: (= nicht Multiplen Menschen)

Ich habe erzählt, dass ich nun auch manchmal Außen (= vorne) schlafe.
Darauf sie ganz entsetzt: wieso wir denn nachts draußen auf der Terrasse schlafen würden?
*lach*

Jemand von uns hat gesagt: Ich gehe jetzt aber nicht nach Hause. Darauf Frau B. die weiß das wir viele sind: "Ja was machen Sie denn dann?"
Ähm, geht halt jemand anderes von uns nach Hause. *grins*

 

Im System: bei Erkältung : ich geh rein, Andere sollen vor (nicht ich)

 

2014

Halo von den schmeterlingn. Entlich gets uns beser. Vor ein par tagn warn ein ganz dofer tag. Es ist so gmein. Das machd mich draurig. Auch heute noch haben wir teilweise um die verschiedenen Kult Tage herum* keinerlei Erinnerungen. Zusammen mit dem anderen System schaffen wir solche Tage heute besser zu überstehen. Und mit gemachten Fotos versuchen wir das Geschehene zu verstehen und grob einzuordnen. Damit wird der Kontollverlust weniger.  Auf den Fotos wirken wir wie nicht anwesend, haben keinerlei Ausdruck im Gesicht und sind blass. Manchmal sind wir sehr verwirrt und stoßen uns überall an weil wir kein Gleichgewicht halten können. Wir Flashen viel, haben Panik und rutschen immer wieder in die Vergangenheit und diese beschissenen Programme. Ohne einander müssten wir in solchen tagen in die Psychiatrie, so wie früher. Was alles noch viel schwerer macht.  Doch gemeinsam schaffen wir das heute besser!

(* Kulttage: eigentlich Kultnächte; Nächte in denen Kulthandlungen stattfinden/bei uns stattgefunden haben)

 

Bei der Gutenacht Geschichte für die Kinder:

J. hat heute Abend den Kindern Geschichte vorgelesen. Dies ist eine schöne gemeinsame Gewohnheit, die sehr viele Kinder genießen. Nun dachte jetzt eine von den „Schlaubergern*“ die Grammatik des Kinderbuchs korrigieren zu müssen. Frage von ihr: wie soll ein Kind bei so einem Kinderbuch korrekte deutsche Grammatik lernen? Liest dies denn kein Lektor, der diese Fehler korrigiert? Die Kinder fandem diese Unterbrechung nicht lustig. Die Jugendliche, die vorgelesen hat auch nicht.

*Schlauberger: Sie denjenigen unter uns, die vor allem das Intellektuelle können. Aber keine Ahnung von Gefühlen, dem Leben usw. haben.

 

Neue Regel: die Großen sollen keinen Cafe trinken bevor sie zu Kindern wechseln

 

Mädchen, zehn Jahre: ich rutschte lieber, die Großen bleiben da stecken. (Auf Spielplatz, Tunnelrutsche - das Mädchen hat wohl vergessen, dass der Körper von ihr auch groß ist ;-)

 

Beispiele was die MPS für unseren Alltag bedeutet: Trigger (= auslöse Reize) vor allem auch wenn wir unterwegs sind ein großes Problem. So kann z.B. ein Geruch Dissoziation auslösen. Wenn jemand von uns dissoziiert, „bin ich weg“. Ich bekomme nichts mehr von dem mit, was um mich herum passiert. Auf Ansprache kann ich in diesem Moment nicht reagieren.Starke Trigger hingegen können einen Flashback (=wiedererleben von Traumata) wodurch es zu einem vollkommenden Realitätsverlust kommt auslösen.Auch in Zusammenhang damit sind wir sehr oft stark verwirrt, wissen nicht wo wir sind, was man gerade machen wollte usw.   Aufgrund der DIS muss jede einzelne Handlung strukturiert und geplant werden, doch jeder Switch oder Trigger kann alles wieder durcheinander bringen. Insbesondere außerhalb der Wohnung haben wir da schon kritische Sachen erleben müssen. Außerdem brauche ich sehr viele Erholungspausen und bin nicht sehr belastbar. Allerdings sollte man sich vor Augen führen, welche Grundbelastung und Anspannung ja sowieso immer da ist. Weitere Belastungen von außen sind oft eine Überforderung. Soziale Kontakte sind ein besonders kompliziertes Thema. Wirkliche Freundschaften sind schwierig, zum Einen durch die starken Traumatisierungen aber auch weil wir Alle so verschieden sind. Manche Persönlichkeiten haben einzelne Freundinnen oder Bekannte, die häufig nichts von der Multiplen Persönlichkeit wissen. Somit sind diese Kontakte meist eher flüchtig und können nicht den Raum einnehmen, wie eine Freundschaft bei Unos. Des Weiteren ist die Zeit, in der wir als „Einer“ z.B. in der Öffentlichkeit oder am Telefon auftreten können sehr begrenzt. Hier sind meist mehrere Persönlichkeiten vom Alltagsteam beteiligt, was Außenstehende aber nicht bemerken und nicht wissen. Wenige Freunde wissen von der DIS, diese Freundschaften sind oft intensiver weil man sich selber nicht immer verstecken muss und ein Stück mehr wir selber sein dürfen.  Am allerschönsten ist es für uns mit dem jeweils anderen System zusammen zu sein. Hier braucht sich niemand verstecken, können wir alle so sein wie wir sind. Das zu lernen ist toll. Dann ist es nicht nötig, immer aufzupassen sondern kann auch mal Kontrollmechanismen einstellen die ebenfalls viel Energie kosten. Danke, dass wir euch kennen ;-).

 

Frage: Welches Oberteil ziehen wir (Schmetterlinge) zu den Zwergkaninchen an? Etwas was schmutzig werden kann…

Das Gift grüne? Nein, das gehört mir sagt eine Jugendliche. Das Weiße in dem wir ausschauen wie eine Presswurst und sich deshalb für Kaninchenstall sauber machen gut eigenen würde? Nein, das habe ich geschenkt bekommen, sagt eine Erwachsene. Das Blaue? Nein, ich (männlicher Jugendlicher) habe doch eh nur ein Oberteil. Das Rosa? Nein, das wollen kleine Mädels gerne anziehen, darf aber nicht schmutzig werden. Letztendlich hat ein oranges Sweat Shirt das zu klein und für niemanden extrem wichtig ist das Rennen gemacht. Juchhuu, wir haben ein „Kaninchen T-Shirt“ schon nach einer halben Stunde gefunden. Klasse, oder?

 

EIS

Ein kleiner Junge, 5 Jahre alt der noch nie zuvor Eis gegessen hat vor einiger Zeit als er zum ersten Mal in einer Eisdiele Eis bestellen durfte. (mit einer Persönlichkeit von den Schmetterlingen). Er sagte zum Eisverkäufer als dieser ihn fragte was er denn haben wolle Eis. Dieser fragte nochmal, doch J. wusste nicht das es verschiedene Sorten Eis gibt. Er wollte einfach nur Eis, dachte der Eisverkäufer spinnt weil dieser nicht verstanden hat dass er ein Eis haben möchte. Auch das andere System wusste nicht, dass er gar nicht wusste dass es ja verschiedene Sorten Eis wie Vanille, Erdbeere, Schokolade usw. gibt. Letztendlich haben die Schmetterlinge dann einfach etwas für ihn bestellt. Heute weiß er, welches Eis er gerne isst und bestellt immer Erdbeere

 

Ein paar von uns haben heute wieder mal festgestellt wie festgefahren erwachsene Menschen sind. Auch in beiden Systemen gibt es Kinder unterschiedlichen Alters- eines haben alle Kinder gemeinsam, (Multikinder und nicht multiple Kinder) sie sind authentisch. Vor kurzem haben  wir jemanden oberflächig kennengelernt: Wir Erwachsene hätten sicher so was wie „Hallo ….“ gesagt. Ein kleines Innenkind von uns hat stattdessen gesagt: Hallo Frau Neu! (eigentlich logisch: es ist eine Frau und neu ist sie weil man sie gerade erst kennengelernt)

 

Kompromisse eingehen… Ich mag dieses Wort nicht. Sicher ist es oft nur durch einen Kompromiss möglich eine Lösung zu finden.   Ich habe im Moment da so ein Dilemma mit einem Medikament dass ich (wegen einer meiner chronischen Erkrankung nehmen muss) Es hat  positive Wirkungen für meinen „Schrottkörper“ aber es hat auch ganz schön fiese Nebenwirkungen. Das Gefühl sagt, lass diese „Chiemiekeule“ doch weg, aber der Verstand sagt, du musst dass nehmen weil dein Körper das Medikament dringend braucht. Wie andere dreizehnjährige würde ich nicht immer auf der Verstandsebene entscheiden. Aber als eine Persönlichkeit gefangen in nur einem außen Körper mit ganz vielen Persönlichkeiten, da ist es schwer dass eine 13 jährige ihren Willen durchbekommt. Ich will Körper nur für mich allein für den ich Entscheidungen treffe auch wenn ich dann mit den Konsequenzen leben muss. Versteht ihr was ich meine? Jugendliche, 13 Jahre

 

Fragen aus dem Alltag:

Warum beschweren sich so viele Menschen über so banale Dinge und sind mit ihrem Leben unzufrieden? Der Chef streicht das Weihnachtsgeld, die Verkäuferin an der Kasse ist unfreundlich, die Benzinpreise sind gestiegen… na und. Muss man deswegen wirklich den ganzen Tag gemein, unfreundlich und genervt auf alle Menschen reagieren, die einem Begegnen? Viele andere Menschen (nicht nur wir Multis) wären froh wenn sie nur solche Problem hätten. Es gibt viele Menschen die haben chronische Schmerzen, sind arbeitslos, erleben Gewalt in der Familie. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, die ein Leben erheblich erschweren können. Gerade die Menschen denen es gut geht, die Alles haben und dennoch so unzufrieden sind mit Allem und Jedem sollte sich ab und zu bewusst machen wie viel Glück sie haben. Jeder Mensch kann z.B. durch einen Unfall oder eine Krankheit, durch eine Gewalttat etc. als Spätfolgen von einer physischen oder psychischen  oder geistigen Behinderung betroffen sein. Dann plötzlich beispielsweise an chronischen Schmerzen leidet, unverschuldet in die Armut rutschen usw. Das ist mir gerade spontan eingefallen, als ich heute ein Mann in Anzug sah, der sich an der Kasse lautstark beschwert hat, dass die Kassiererin ein Produkt zweimal berechnet hatte. Weltuntergang!!! Wahrscheinlich reicht das bei ihm dass er ein paar Stunden schlechte Laune hat…  Wir hingegen müssen mit Problemen in einer ganz anderen Dimension zurechtkommen, um unser Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Wer schon denkt darüber nach, dass ein defekter Aufzug für jemanden der im Rolli sitzt, bedeutet dass er z.B. in eine Arztpraxis nicht reinkommt. Dass jemand der an Krampfanfällen leidet immer aufpassen muss genug zu schlafen, keine Alkohol, kein Blinklicht. Oder jemand der schlecht hört mit den verschiedenen Umgebungsgeräuschen völlig überfordert ist. Tja, und dann sind ja da auch noch sämtliche Folgen der Traumata, die DIS die so vieles unberechenbar macht….Spontan klappt da selten was.

 

Wer bin ich?

Ein maulwürfiger, schlechthörender, krampfender Multi Teeny. Hä? Was ist das? Das bin ich. Ich bin 13, sehe schlecht, höre schlecht und mein Gehirn ist ein Blitzableiter. Ach ja, und Multipel bin ich auch noch. Es gibt für fast alles gibt es was.  Eine Brille für den Maulwurf. Eine Antenne für die Ohren. Medis gegen Gewitter im Gehirn.Doch für einen eigenen Körper gibt es keine Lösung. Raus aus dem Multikörper kann ich nicht auch wenn ich das manchmal will. Man muss miteinander klarkommen ob man will oder nicht. Jugendliche, 13

 

Hallo, ich bin Erwachsen und jemand aus dem System der Schmetterlinge. Ich „wohne“ etwa in der Mitte des Systems. Das heißt so zwischen den Alltagspersönlichkeiten und den Kultkindern. Mittlerweile kann ich zum Glück mit den weiter innen „reden“ und damit versuchen Ihnen bei Ängsten, Erinnerungsschmerzen… zu helfen. Heute hat ein Innenkind, das nur die Welt des Kultes kennt (Dunkelheit, Kälte, schlechte Luft, Schmerzen, Folter) gesagt: die Luft heute (wo sie nicht mehr im Kult lebt und langsam das Leben in unserer Welt kennenlernt)  „die Luft hier ist so lecker“. Ihr könnt euch ja überlegen was sie damit meint. Vielleicht kennen  Kultkinder aus anderen Systemen ähnliche  Beschreibungen.

 

2015

die Sonnenblumen lagen bereits im Bett, und kamen deswegen nicht an ihre Medikamente am Esstisch ran. Aus Spaß hat sich folgender Dialog spontan zwischen zwei Jugendlichen ergeben. Die Jugendliche von den Schmetterlingen, die nicht genau wusste was für Medikamente die Sonnenblumen jetzt grade brauchen hat gesagt: „Willkommen bei…(Fastfood Kette), Ihre Bestellung bitte“.                                                                „Ich hätte gerne Medikament A, B und C.“                                                                                                             „Wollen Sie das als Menü? Und zum Nachtisch vielleicht noch eine Apfeltasche für einen Euro dazu?“      Antwort: „Nein danke.“ „Das macht dann 6,99 €. Fahren Sie bitte zum nächsten Schalter vor.“                   „Haben sie‘s passend?“ „Nö ich hab nur 10 €.“                                                                                                „Hier ihr rück Geld“                                                                                                                                                „Schöner Abend“, danke gleichfalls                                                                                                                 Geld gegen Medikamente ;-)

 

 

Warum isst man alten Käse? Kind: Man isst keine alten Lebensmittel. Da denken unsere Kids mal wieder sehr ähnlich wie Außenkinder.

Haben alle von uns und den Schmetterlingen auf dem Balkon Platz? Nein. Aber dann können wir ja nicht alle zu Curly und Charly. Ohhhhhh.

 

Ein Junge zu einem Mädchen im System:

Ich gehe nicht auf´s Klo. Das müssen die Mädchen machen. Mädchen: aber wenn du ein richtiger Junge sein willst, musst auch du auf´s Klo und nicht immer die Mädchen. Andere „Aussenjungs“ müssen auch aufs Klo. Da kann keiner für sie gehen weil er ja ein uno ist. Das ist ja voll ätzend, 

 

Eine Geschichte zum Schmunzeln:

Vor kurzem haben die Kinder beider Systeme einen Air Walker kommen. Das ist ein mit Helium gefüllte Luftballon, der statt zu fliegen laufen kann. Es ist ein lila Elefant. Nicht nur die Kinder, sondern auch ich, dreizehn Jahre alt, finde das sehr lustig. Als der Elefant bei Wind vom Regal in die Tiefe zu stürzen drohte, war für mich klar dass er sehr suizidal ist. Nachdem er trotz gutem Zureden immer wieder kopfüber nach unten hing, habe ich beschlossen dass er auf eine geschlossene psychiatrische Station muss. In Wirklichkeit habe ich Ihn in den Kleiderschrank gesperrt. Jeden Tag habe ich ein paar lustige Dialoge mit ihm geführt. Dadurch ging es ihm schnell besser, und er durfte wieder zurück in sein Zuhause. Jetzt ist der Elefant nicht mehr akut suizidal und darf sich frei in der Wohnung bewegen. Glück gehabt. Ein Rückfall ist jedoch nie auszuschließen.

Ich finde so eine Situationskomik braucht man manchmal einfach. Denn auch ich kenne das auf einer geschlossenen Station in der Psychiatrie. Da kann man nicht gehen wann man will, sondern nur wenn die Station Tür mit Schlüssel geöffnet wird. Bei meinem Elefant war es eben die Schranktür ;-)

 

 

Gestern ging es mir psychisch gar nicht gut. Plötzlich ist so viel über mich hereingebrochen, was lange weg war. Hab mich in Raum und Zeit verloren, ich wollte niemanden verletzen. Der Sog der Traurigkeit war so groß, die Verzweiflung riesig. Doch wo5.6hin damit? Ich musste weinen. Doch das ist sehr anstrengend wenn man ein Multiples System ist. Aber auch für mich persönlich war es das. In dem Moment zu offenbaren, wie es mir wirklich geht und was ich denke da ganz schön schwer. Ich hoffe sehr dass es nicht falsch war. Früher wäre sowas nie passiert wenn ein anderer Mensch dabei war, da hätte sich einer von uns beherrscht und diejenige, der es nicht gut geht nach innen geholt. Damit die „Fassade“ außen stabil und freundlich wirkt. Aber vielleicht ist es auch gut, dass ich es nach  außen gezeigt habe. Irgendwie fühlt es sich für mich trotzdem komisch an, da ich es nicht gewohnt bin. Es ist schwer.

Tja und eine gute halbe Stunde später hatten wir einen Termin. Dieser konnte ohne Einschränkung wahrgenommen werden. Das ist wohl auch nur bei einer multiplen Persönlichkeit möglich, denn ich persönlich hätte zu diesem Treffen nicht gehen können nachdem wie es mir gerade ging. Für andere von uns hingegen war es überhaupt kein Problem, sie hatten Freude und auch keinen Grund nicht dorthin zu gehen. Schon merkwürdig vermutlich, wenn man das so liest. Denn wieso sollte jemand, dem es gerade total schlecht geht und sich nur verkriechen möchte zu diesem Treffen gehen? Ich muss gestehen, ich R. war auch nicht dort. Mir wäre es zu viel gewesen. Für andere vom System war es aber genau richtig hinzugehen. Ich war derweil innen.

 

 

Zeitsprung, beim Aufräumen haben wir diese Aussagen von uns gefunden. Sie stammen aus der Zeit in der Traumaklinik in der wir uns kennen gelernt haben.

Erste Begegnung: Wir sind nicht die Einzigen die viele sind hier in der Klinik. Haben ein anderes Multiples System kennengelernt. Das ist eine tolle Erfahrung. Der Austausch und insbesondere einfach WIR sein zu können ist was ganz besonderes. Die stressfreien und erfahrungsreichen Begegnungen einzelner Persönlichkeiten miteinander sind etwas ganz wertvolles. Auch vorher haben wir schon mal einen anderen Multi kennengelernt, aber unsere Verbindung zueinander ist anders und besonders stark.                

                       

Hallo Sonnenblumen, für uns war es hier mit euch eine unvergessliche Zeit. Was wir zusammen erlebt haben werden wir nie vergessen. Ihr habt so viel gelitten, weil andere euch so wehgetan haben. Ihr seid so tapfer. Gibt nicht auf! Ihr seid heute in Sicherheit. Wir denken an euch. Wir freuen uns jetzt schon wenn wir uns wieder sehen, Schmetterlinge

 

 

Situation: Heute habe ich in einem Buch einen Knick entdeckt. Daraufhin hat sich folgendes ereignet.

System A: Wisst ihr, was mit dem Buch passiert ist?                                                                                        System B: Wechsel. Ein Kind kommt vor. „Ja, ich hab s kaputt gemacht.“                                                      System A: Was ist passiert?                                                                                                                              System B: „Ich hab s kaputt gemacht.“ „Ich war s“. Automatisierte Antworten, immer wieder. Sie hat keine Ahnung, worum es geht oder was los ist. Nimmt alle Schuld auf sich.                                                               System B: Ich weiß nicht, ob ich was gemacht hab, aber das ist immer so. Ich war s.                                     Sie hat Angst, vor einer schlimmen Strafe.

Früher war ihre Aufgabe im System genau in solchen Situationen vor zu Wechseln. Da eine multiple Persönlichkeit immer wieder die Erfahrung macht für etwas verantwortlich gemacht zu werden an das man selbst sich nicht erinnern kann. Erschwerend hinzu kamen noch die unvorhersehbaren Reaktionen der Umgebung.

 

Lohnt es sich zu vertrauen?

Seit fast 2 Jahren waren wir mehrfach die Woche beim gleichen Physiotherapeuten. Und nun das.           Er wird nicht wieder kommen. Er hat gesagt, er ist nur ein halbes Jahr weg, doch er hat gar nicht vor dann wieder zurück zu kommen. Warum hat er es dann gesagt? Es war schon schwer uns von ihm zu verabschieden, aber irgendwie ist es nun noch schwerer für uns. Denn wir haben dies nicht von ihm persönlich erfahren. Wir haben langsam und mühsam vertrauen zu ihm aufgebaut. Physiotherapie hat in unserem Fall häufig mit Körperkontakt z.B. durchbewegen, manuelle Therapie, Massage… zu tun. Das war alles andere als einfach und fällt uns schwer. Und nun ist es weg, ganz und gar und nicht nur vorübergehend. Das verstehen wir nicht. Warum hat er uns das nicht gesagt? Warum geht er ohne zu sagen dass er gar nicht beabsichtigt wieder zu kommen? Und dann auch noch die letzten Tage krank, wobei wir wissen dass er das nicht war. Das fühlt sich komisch an. Warum das so schwer für uns ist? Vielleicht weil wir dieses Verhalten kennen. Diese Unberechenbarkeit, Unzuverlässigkeit und zuletzt die Frage, was haben wir jetzt wieder falsch gemacht. Haben wir es nur falsch verstanden dass er wiederkommen wird? Doch noch nicht mal „die Anderen“ wissen Bescheid, denken also das gleiche. Wieso stiehlt er sich so daraus ohne zu sagen, dass es für ihn vielleicht nicht mehr passt, zu viel ist oder was auch immer ihn zu diesem Schritt bewegt. Aber warum ohne sich richtig zu verabschieden? Ohne die Wahrheit zu mitzuteilen. Ohne zu sagen, dass es nicht vorübergehend sein wird sondern für immer? Für uns ist das schwer.

 

 

"Ausmisten", finden alter Fotos und Schulhefte

Gestern haben wie bei den Schmetterlingen gemeinsam im Keller aufgeräumt und aussortiert. Dabei sind wir auf einige alte Schul- und Ausbildungshefte und Unterlagen gestoßen. Das war für beide Systeme ganz schön aufregend, aber auch verwirrend und ein wenig erschreckend. Uns Sonnenblumen fielen sehr schnell einige verschiedene Handschriften bei den Heften der Schmetterlinge auf, die zum Teil auch je nach Unterrichtsfach wechselten. Viele der Persönlichkeiten die in Schule und Ausbildung gingen waren äußerst sorgfältig in ihren Aufgaben und Heftführungen. Andere eher schluderig und mit nicht so guten Leistungen. Und dann, switch, schrieb eine andere Persönlichkeit beispielsweise den Aufsatz weiter. Andere Zeit, andere Schrift, anderer Stil…. Eine Schülerin korrigierte Texte von anderen im System mit Tintenkiller.         Faszinierend dies aus unserer (Sonnenblumen) Perspektive zu sehen. War denn das nicht auffällig? Scheinbar nicht. Ein paar wenige Fotos haben wir auch gefunden. Die gemeinsam anzuschauen war gar nicht einfach und hat bei verschiedenen von den Schmetterlingen sehr unterschiedliches ausgelöst. Klassenfotos, einfach irgendwo mittendrin, oder ein anderes Mal an der Seite. Nicht auffällig in dem wie die Kleidung war oder sonst ein besonders Merkmal. Doch wir, die Sonnenblumen haben sie auf jedem Foto ohne drüber nachzudenken problemlos erkannt. Und auf solchen Bildern sind bekanntlich einige Leite zu sehen. Warum? Das ist schwer zu erklären. Der Blick so anders, wie der der Mitschüler. Die Körperhaltung angepasst und doch irgendwie unsicher. Auf den verschiedenen Bildern war nicht immer Dieselbe vorne, doch das machte es für uns noch offensichtlicher. Zum anderen sicher, weil wir sie sehr gut kennen. Und doch, wenn wir uns diese Bilder ansehen merken wir, wie der Blick um Hilfe schreit, weit weg ist oder so unglaublich überangepasst ist. Mal der Kamera ausweichend, mal schaut jemand von den Kleineren obwohl der Körper schon eindeutig älter war. Für uns seid ihr da auf Anhieb und auf den ersten Blick rausgestochen. Schule, eine Instruktion in die ihr so viele Jahre parallel zum Leben in der satanistischen Sekte und den anderen Schauplätzen der Gewalt regelmäßig ward. Schwer vorstellbar, wie das alles gleichzeitig passieren konnte ohne dass irgendwer da draußen etwas unternommen hat um euch zu helfen. Das tut uns sehr leid. Die richtigen Worte für so eine besonderes Situation zu finden fällt uns schwer. Wir danken euch sehr, dass ihr eure Erinnerungen mit uns geteilt habt. Das ist ein sehr wertvolles Geschenk. Danke.

Sonnenblumen

 

Wisst ihr eigentlich, wieviel Kommunikation nach innen ins eigene System jedem Tag, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr notwendig ist? Bei uns Multis muss alles besprochen werden, was du für dich als „ein Mensch“ nur mit dir selbst ausmachen musst. Nicht so bei uns. Zunächst sind da mal die unterschiedliches Bedürfnisse, Wünsche aber auch Anforderungen an das Leben. Wie aber die wenige Zeit, die jedem Einzelnen bleiben sinnvoll nutzen so das möglichst noch produktives dabei herauskommt. Tages und Wochenpläne waren hier sehr lange Alltag. Heute wo die Systeminterne Kommunikation ist dies weniger geworden, aber nicht verschwunden.

 

 

Aufzeichnungen aus dem Alltag als uns noch nicht bewusst war dass wir Viele sind. Solche Situationen sind ganz typisch für Multiple Persönlichkeiten, denn in der Zwischenzeit haben andere Persönlichkeiten außen agiert. Für diesen Zeitraum hat die Person die hier geschrieben hat eine Amnesie. Da es noch keine innere Kommunikation gab, war der Alltag häufig Chaotisch, Undurchsichtig aber nach Außer funktional.

Ich glaube, ich habe schlecht geschlafen, bin müde. Welche Vorlesung hab ich heute Vormittag? Was muss ich einpacken. Schaue auf die Uhr, es ist schon Nachmittag. Komisch, wie schnell der Tag schon wieder verging. In meinem Ordner finde ich Mitschriften aus der heutigen Vorlesung. Dabei kann ich mich nicht erinnern, in der Vorlesung gewesen zu sein. Aber da ich ja mitgeschrieben habe, muss ich ja dort gewesen sein. Aber Ich bin doch nur zur Uni gefahren, wie kann es sein? Ich schaue auf die Uhr, mir fällt ein dass ich gleich Psychotherapie habe. Merke, dass ich es nicht mehr pünktlich dorthin schaffe. Also will ich die Therapeutin anrufen und Bescheid geben. Ich schaue in der Kontaktliste meines Handys nach. Aber wie kann ich herausfinden, wie die Therapeutin heißt? Wie kann ich sowas nur vergessen… Irgendwie bin ich irgendwann bei meiner Therapeutin angekommen.

 

 

"Ich finde gut das wir zusammen so viel schon geschafft haben zusammen sind wir stärker als die von früher. Das ist so toll. Der Kult hätte nie gedacht dass wir uns mal treffen und gemeinsam helfen können. Glaube das konnten sie sich nicht vorstellen. Aber ich finde es gut es ist so schön dass ich jetzt eine richtige Freundin habe. Und wir über alles reden können und wir zusammen verstehen. So viel verändert sich seit wir nicht mehr alleine sind. Das ist sehr schön. Ich kann mir nicht mehr vorstellen allein zu sein. Gemeinsam ist vieles leichter."Du bist etwas ganz Besonderes für mich. Deine Aufgabe im System ist sehr schwer und anstrengend. Du hilfst und beobachtest sowohl im Innen. Du bist sehr stark und musst viel Trauma Wissen ertragen. Ich hab dich sehr gern und freue mich jedes Mal wenn ich dich in den Arm nehmen kann."

„Gutschein für 1 mal Döner, Cola und Kaugummi“

Diesen Gutschein hat ein Jugendlicher der Sonnenblumen für seinen Freund bei den Schmetterlingen erstellt. Kaugummi deshalb, weil die allermeisten im Körper Döner gar nicht mögen und den Geschmack nicht in ihrem Mund haben wollen.

 

Heute sprach mich eine ältere Frau an. Ja hallo.... wie s "mir" denn so geht. Erzählte irgendwas von ihrer Enkelin etc. und ich hatte keinen blassen Schimmer, wer diese Frau ist. uff... Naja die Frau erzählte und erzählte, machte für mich den Anschein dass sie uns schon irgendwie kennen muss... und breitete da irgendwelche ihrer Probleme aus. Ja und wie ich das denn sehe usw. Ich hab halt innen versucht raus zu finden wer des ist. Ist mir aber in dieser Situation nicht gelungen. Hab dann halt gesagt, dass ich nun weiter müsse. Irgendwann gelang es mir dann auch zu gehen.

 

Früher bin ich gerne getaucht- heute werde ich nicht mehr gebracht. Deshalb bin ich im System abgetaucht.


Im Aufzug: Der Aufzug piept, sagt wir sind zu schwer für den Aufzug. Nur die Schmetterlinge und wir waren im Aufzug. Da sagte eines der Kinder. Ist doch klar, weil 2 Körper mit vielen Bewohnern müssen ja zu schwer sein ;-)

 

Verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig: Beispielsweise will J. gerade essen, sitz am Tisch und hat alles zum Essen vorbereitet. Währenddessen hat sich A. ein Buch genommen und möchte es anschauen. Zur  gleichen Zeit möchte H. ganz dringend mit ihrer Freundin reden…. Aber es können nicht drei verschiedene Persönlichkeiten parallel vorne sein und so unterschiedliche Dinge tun. Auch wenn sie gerne möchten und die Vorstellung ganz praktisch erscheinen mag, man könne ja X. aus dem System mal schnell zu Hause lassen damit sie mit ihrer Freundin spielen kann während K. arbeitet oder R. die notwendigen Telefonate erledigt.

 

„Plötzlich Shakespeare“ von David Safier.

„ Wenn ein Mann und eine Frau sich das Leben teilen, ist das ja schon schwierig. Aber wenn Mann und Frau sich auch noch ein und denselben Körper teilen müssen, ist das Chaos perfekt….“

Ein interessanteste Statement, oder?  Und in diesem Buch teilen sich die beiden den Körper nur vorübergehend. Was dieser Satz aber bedeutet finden wir, kann man in diesem Buch, dass rein überhaupt nichts mit multipel sein zu tun hat ein kleines Stückchen auf witzige Weise erfahren. 

„Vielleicht ist eine Beziehung zu einem Anderen in deinem Körper nicht das wahre?“ Ach ne? Tja, uns bleibt wohl nix anderes übrig ;-)

Ein Trigger, z.B. ein Bild im Fernsehen kann mehrere Persönlichkeiten aus verschiedenen Gründen triggern. Das ist vermutlich ziemlich schwer sich vorzustellen, deshalb versuchen wir es zu beschreiben. Zum einen kann es sein, dass mehrere Persönlichkeiten sich ein Trauma geteilt haben. Den Anfang der Situation erleiden musste und dann von einer anderen Persönlichkeit abgelöst wurde usw. Da das bei uns bei schweren Traumata so üblich war, ist dies in Triggersituationen heute auch so. Nicht bei jedem Trigger, aber es kann so sein.

 

 Einfach nur da!

In dieser schweren Zeit sind die Sonnenblumen immer für uns da. Das hilft uns sehr! Gestern Abend musste ich ganz viel weinen und hatte innen Druck. R. hat mich in den Arm genommen und einfach nur „gehalten“. Das tat so gut. Wenn wir früher schlimme Gefühle hatten, mussten wir alles alleine aushalten. Wir haben in der Therapie zwar viel gelernt, aber die Unterstützung die wir im Moment bekommen und brauchen, kann keine Therapie oder Psychiatrie schaffen. Wir können uns bei den Sonnenblumen einfach fallen lassen, müssen unsere Gefühle nicht unterdrücken. Wir werden einfach nur liebgehabt. Heute können wir einem anderen Menschen komplett vertrauen. Das hätten wir uns bevor wir die Sonnenblumen kennengelernt haben nie vorstellen können. Ich glaube für Menschen die traumatisiert wurden ist vertrauen besonders schwer. Ich glaube, vor allem wenn man noch sehr klein und abhängig von Erwachsenen war und das vertrauen „kaputt gemacht“ ist das für immer schwer. Umso wertvoller ist unsere Bildung zu den Sonnenblumen!

 

Brief der Sonnenblumen an die Schmetterlinge in einer schweren Zeit:

Liebe Schmetterlinge, ihr seid uns sehr wichtig. Wir haben euch immer lieb und wir glauben euch! Wir wissen, dass die vergangenen Wochen schrecklich sind und waren. Nicht zu wissen wie es weiter geht kann jeden Menschen aus der Bahn werfen. Solche Beschuldigungen wie das, was euch unterstellt wird erst recht. Jenny, du darfst sein wie du bist und dazu gehört, dass es dir im Moment nicht gut geht. Das ist in Ordnung! Wir sind an eurer Seite, egal was kommt. Heute seid ihr nicht mehr alleine, wir sind bei euch und Curly und Charly auch. Es ist schon allein deswegen ganz anders als früher.  Wir hören euch zu, nehmen euch in den Arm. Versuchen euch anzunehmen und da zu unterstützen, wo ihr es möchtet und braucht. Können miteinander reden, gebärden oder schweigen, wie es sich eben richtig anfühlt in den Moment. Wir halten die Situation gemeinsam mit euch aus und werden mit und für euch kämpfen. Bitte sagt uns, wenn sich etwas was wir sagen oder tun nicht gut anfühlt. Schmetterlinge, ihr seid die tollsten Menschen die wir je kennen lernen durften. Wir möchten euch sagen, dass ihr uns sehr wichtig seid. Soooo sehr, das Worte dafür gar nicht ausreichen. Wir nehmen euch ernst! Sind einfach da. Wir würden gerne mehr tun als da sein, doch wir wissen nicht was. Wir haben euch sehr lieb und gemeinsam werden wir mit euch euren Weg suchen. Auch wenn ihr im Moment gar nicht wisst wo dieser hingehen könnte, es wird der Augenblick kommen, in dem es euch klar wird. Egal was ihr für eine Entscheidung treffen werdet, wir werden sie mit euch tragen. Liebe Grüße, Sonnenblumen

 

Jugendlicher 12, Schmetterlinge

ich habs nicht so mit dem Schreiben. Ich will aber trotzdem mal was sagen. Computer kenn ich noch als dicke „Kästen“ wo der Bildschirm oft flackerte und das es zum Speichern nur diese Disketten gab. In der Schule hieß bei uns Arbeiten im Computerraum immer „trockene Arbeit“, das Internet war gerade erst am Entstehen.  Wir waren auf einer eher konservativen Schule. Wir lernten das Schreiben mit zehn Fingern, mussten Diktate am PC schreiben. Computer war dadurch ein nicht wirklich beliebtes Teil. Das ist heute wohl ganz anders....

 

Wer sind wir? Wer bin ich? Das ist eine Frage die in der Therapie immer wieder gestellt wurde. Was macht uns aus? Welche Stärken und Schwächen haben wir? Diese Worte hat Eine von uns vor längerer Zeit geschrieben. Ich finde es schwierig mich selbst zu beschreiben. Ich denke, dass ich eine ruhige und sensible junge Frau bin. Insgesamt denke ich, dass ich über ein geringes Selbstbewusstsein verfüge. Aufgrund von Erfahrungen in der Vergangenheit gebe ich nur sehr vorsichtig Informationen über mich, mein inneres Preis. Häufig fühle ich mich den äußeren Umständen ausgeliefert. Momentan bin ich sehr einsam. Nach außen war ich lange ein selbstständiger, selbstbewusster und gut funktionierender Mensch. Jemand, der meistens guter Laune ist, immer zupackt wenn die Gegebenheiten dies erforderlich. Häufig nahm ich mir Zeit für die Probleme Andere. Ich war belastbar, habe wohl ein gutes Einfühlungsvermögen und war so oft Zuhörer. Anderen Menschen bringe ich viel Wertschätzung und Verständnis entgegen. Mit ihnen bin ich viel weniger kritisch als mit mir selber. Ihnen gestehe ich Schwäche zu, was mir bei für mich extrem schwer fällt. Vielleicht habe ich dadurch selbst übersehen, dass es auch in mir eine schwache, sensible Seite gibt. Das auch ich einen Platz für mich brauche, wo ich sein kann wie ich bin. Verlässlichkeit ist für mich sehr wichtig. Doch immer wieder werde ich in dieser Hinsicht von anderen Menschen enttäuscht. Ich bin perfektionistisch und habe hohe Ansprüche an mich selber. Mir gestehe ich kaum einmal zu, etwas nicht sehr gut zu machen. Gut ist mir häufig nicht gut genug. Damit setze ich mich häufig selbst unter Druck. Eine Erwachsene von den Sonnenblumen

 

Was bin ich wert? Zusammen mit meiner Freundin (Jugendliche von den Sonnenblumen) mindestens doppelt so viel wie alleine. Eigentlich meinte ich wie wertvoll mein Leben ist. Jugendliche, Schmetterlinge

 

Gestern haben wir auf Wunsch einen 5 jährigen Jungen von uns „Burgerformer“ gekauft. Er hilft sehr gerne kochen, am Liebsten etwas mit Fleisch. Selbstgemachte Burger sind besonders beliebt. Nun haben wir diesen Gegenstand ausgepackt, die Ideen um was es sich dabei handeln könnte sind unglaublich. Von Aschenbecher bis zum runter gefallenen Feuermelder. Einer neuen Schüssel zum Fressen für die Kaninchen oder einem Topfdeckel reichen die Ideen.

 

 

Wenn man etwas Bestimmtes möchte z.B. Süßigkeiten muss ich nur „den richtigen Großen“ fragen, denn einer im System sagt bestimmt ja. Und wenn nur deshalb, dass ich nicht weiter nerve. Habe mehr Auswahl als die meisten Außenkinder, die nur „2 Große“ zum Fragen haben.

Ich hab aus Lego ein Feuerwehr Auto baut. Das parkt unterm Bett. Hat da seine Garage. Manchmal aber um parken muss. So wie gestern. Aber jetzt, wieder auf seinem Parkplatz. Junge, 5 Jahre

Jugendliche: Darf ich mit 13 online was bestellen? Antwort einer anderen Jugendlichen im System: Ja, auf unserem Ausweis steht doch, dass der Körper erwachsen ist. Mhhhhh, ja stimmt!

 

Speiseplan:

da haben wir wieder mal den Salat. Wir sind uns nicht einig was es zu essen geben soll. Ein dreijähriges Mädchen hat Milchreis bestellt, dieser köchelt  schon auf dem Herd vor sich hin. Nun will eine sechsjährige aber Pizza, obwohl wir keine da haben. Tja und wenn man jetzt im System noch weiter fragen würde, würden vermutlich noch viele verschiedene Wünsche kommen. Kochen für zwei Multiple Systeme ist gar nicht so einfach! Kochen mit dem eigenen System aber auch nicht. Ein Junge ist unser Spezialist im Braten. Er liebt es zum Beispiel Frikadellen selbst zu machen, Bolognese Sauce oder sonstige Dinge am besten mit Fleisch. Jemand anderes ist wiederum Vegetarier und kann sich absolut nicht vorstellen das Gekochte nun zu essen. Der eine mag es eher salziger, jemand anderes süß. Das Frühstücksbuffet im Urlaub war ein perfektes Frühstück für uns als Multiple Systeme. Doch dort wurde ganz schön viel durcheinander gegessen, obwohl wir das durchaus schon gebremst haben. Die Auswahl war einfach zu verlockend. Meistens kochen bei uns wir Sonnenblumen, doch motorisch unterstützt uns entweder jemand von den Assistentinnen oder jemand von den Schmetterlingen. Jedoch können nicht jeden Tag die Kleinen entscheiden, was es zu essen gibt. Dann wäre unser Speiseplan wohl sehr eintönig. Und eine gesunde Ernährung ist wichtig, und damit auch Gemüse und Salat. Grad spreche ich´s aus, schon kommt die Antwort eines Kindes von den Schmetterlingen "Ihhhh, ich mag kein Grünfutter". O. K. in einem System ist natürlich der Vorteil dass es meistens jemand gibt, der etwas mag und jemand der was nicht mag. Wenn die kleinen Jungs beispielsweise ihre selbst gemachten Hamburger essen, müssen zwei Jugendliche hinterher den Salat essen. Also nicht das eine Blatt auf dem Hamburger, das geht gerade noch, aber mehr Salat wird sicher nicht dazu gegessen. "Ein uno Kind ja alles essen muss", bemerkt ein Mädchen von uns. Stimmt! Doch dafür muss es auch leckere Speisen oder Getränke nicht mit anderen teilen und hat beispielsweise selber zwei Kugeln Eis. Das kommt bei uns eher selten vor.

 

Hallo, ich bin ein Kind. Früher war Weihnachten nicht schön. Also Geschenke zu bekommen war schon schön. Aber nachts in den Kult zu müssen nicht. Manchen von uns wurde dort sehr wehgetan. Wenn auch nicht mir, aber unserem Körper. Heute ist das zum Glück anders. Leider gibt es auch heute noch Kinder, die von Erwachsenen in den Kult mitgenommen werden. Das finde ich schlimm. Kinder können sich doch noch gar nicht wehren.

Hey, Weihnachten dieses Jahr läuft besser wie gedacht. Am 24.12. am Abend haben wir Raclette gegessen. Das ist echt ein perfektes Multiessen. Allen hat es geschmeckt und es hat viel Spaß gemacht. Vor dem Schlafen gehen ging es einer Jugendlichen von den Sonnenblumen nicht gut, aber zusammen war es leichter das „durchzustehen“. Heute haben wir uns vorgenommen  nur schöne Dinge zu machen und das klappt ganz gut. Wir haben Kinderfilm geguckt, gemalt, Memory gespielt, etwas für die Homepage geschrieben…

 

Mir geht’s beschissen. Immer wieder denke ich darüber nach, was ist jetzt schon wieder. Es ist zum Davonlaufen, doch aus der eigenen Haut kann ich nicht raus. Würde es in diesem Moment aber sehr gerne. Warten, dass meine Freundin kommt. Dann kann ich ihr erzählen, was los ist. Das ist mir voll wichtig. Ich mag da nicht alleine zurückrufen, zu groß ist die Angst. Wieso schafft es ein unbekannter Anrufer ohne Hinterlassen einer Nachricht, mich so unter Druck zu setzen? Die Antwort ist recht simpel, denn ich weiß, wer es das letzte Mal war und was darauf folgte. Doch es ist nicht dieselbe Nummer, vielleicht verbirgt sich dahinter etwas ganz harmloses…. Doch was, wenn nicht?  Aber das schaffe ich nicht alleine herauszufinden. Versuche mich abzulenken, etwas anderes zu denken. Doch immer wieder kommt die Angst hoch, krallt sich an mich und lässt mir immer weniger Luft zum Atmen. Mag das nicht!

 

„Wenn jemand im System gerade nicht weinen kann (obwohl etwas traurig ist und die Persönlichkeit weinen möchte), dann weint im anderen System jemand stellvertretend für denjenigen.“ Jugendliche, Sonnenblumen

 

2017

Allein für mich entscheiden

Das würde ich manchmal gerne. Als Multi ist das jedoch kaum möglich. Einer gibt immer seinen Kommentar dazu, findet etwas nicht gut oder würde es anders machen. Was schon schön ist, man ist nie allein. Aber man kann es sich halt nicht aussuchen. Und wenn ich mal alleine für mich etwas entscheiden möchte klappt das selten. Für mich ist es schwer mir vorzustellen wie UNOs Entscheidungen treffen. Jugendliche, Schmetterlinge

 

Anforderung durch das eigene System, die manchmal nervenaufreibend sind…. Vor allem, da unglaublich viel parallel los sein kann. Eine Jugendliche will eine Feststellung ihrer Freundin bekanntgeben, ein kleiner Junge erzählt stolz von seinem gefundenen Fahrschein.  Jemand von den Schlaubergern will eine Meinung, während dessen wird ein Kind von seinem Gefühl überschwappt, nach dessen Erklärung wir suchen. Parallel will einer „Außen“ eine Entschuldigung, oder eine Verabredung ausmachen. Ein Jugendlicher weißt auf den Vertrag hin, während A. sich nicht sicher ist ob er eine Zu- oder Absage erteilen soll…. Ach ja, und dann will Jemand in den öffentlichen Verkehrsmitteln noch den Fahrschein sehen… Und das alles gleichzeitig.

 

Peinlich:

Vor kurzem ist mir etwas Peinliches passiert. Eigentlich war es gar nicht meine Schuld. Aber ich hab mich dann blamiert. Ein Kind von uns hat sich ohne zu fragen ein leuchte rosa T- Shirt (das noch dazu schon ein Loch hat) angezogen. Damit sind wir dann zu Ergotherapie gegangen. Erst dort habe ich bemerkt, was unser Körper da an hat. Mir war das echt peinlich. So gekleidet verlassen wir normalerweise nicht die Wohnung. Einschätzung einer Jugendlichen von den Schmetterlingen

 

Mir ist schlecht und übel. Wieder ein Anruf. Mag ich gar nicht. Zurückrufen, das ist alleine schwer. Zusammen etwas leichter, aber immer noch schwierig genug. Warum macht mir die solche Angst? Wahrscheinlich ist es die Machtposition, das Gefühl unterlegen zu sein und keine Rechte zu haben. Fühlt sich nicht gut an, eigentlich sogar ziemlich schlecht. Mein Herz kloppt schnell, die Finger zittern. Stress Symptome, ziemlich üble. Muss jetzt weiter, bis dann

 

2018

Chaotisches, zusammengewirberbeltes in unserem System. Warum fragen sich Viele von uns? Es ist so schwer immer wieder Menschen nah an uns ran zu lassen, in unser Leben zu integrieren weil wir auf sie angewiesen sind. Peng, zerplatzt die Seifenblase. Im letzten halben Jahr gab es viele Wechsel z.B. in der Physiotherapie. Das ist anstrengend, anstrengend auf viele Unterschiedliche Art und Weisen, denn diejenigen die s von uns betrifft gehen sehr unterschiedlich damit um.  

 

Sachen suchen und finden ist in einem Multi Haushalt wirklich ein schwieriges Thema. Durch die Assistentinnen Situation wird es noch komplizierter. Darum sind bei uns alle assistenzrelevanten Schränke beschriftet. Dennoch verirren sich öfter Gegenstände wohin, wo sie nicht hingehören. Dass jemand etwas verlegt und nicht wiederfindet. Kommt halt häufiger vor, dass vielleicht jemand anders aus dem System es wegräumt oder woanders hingelegt hat. Natürlich kennt es jeder in gewissem Maße das etwas nicht findet, bei uns ist das alles nur noch etwas extrem ausgeprägt. Konsequente Ordnung für die wichtigsten Gegenstände ist somit Pflicht. Bei uns werden die meisten Tätigkeiten genauestens geplant, da alles andere zwangsläufig ins Chaos führt. Aber freie Zeit ohne einen Plan tut auch mal gut, ist aber oft ein Machtkampf.
So viel für heute von uns bis bald, Sonnenblumen

 

Treffen mit Freunden, die nicht wissen, dass wir viele sind.

Dies war und ist immer wieder Thema bei uns, denn es gibt einzelne Jugendliche und Erwachsene, die auch heute noch Kontakt zu Menschen beispielsweise aus der Ausbildung und Studium halten.Das ist gar nicht so einfach. Das Alltagsteam kommt hiermit inzwischen ganz gut zurecht. So ist es möglich, auch solche Kontakte zu halten die für den ein oder anderen im System wichtig sind. Vor einem solchen Treffen muss vieles besprochen werden. Wer ist außen, über welche Themen kann gesprochen werden. In welchen Kontext haben wir diese Person kennengelernt, wen von uns kennt sie? Gibt es gemeinsame Bekannte? Alter des Körpers- Musikgeschmack, keine Extreme. Und dann noch die richtige Grammatik, ich. Ich, ich und nochmal ich!

 

2019

Unser Geburtstag und der Geburtstag der Schmetterlinge sind zum Glück noch einige Zeit hin. Denn für uns ist es alles andere als entspannt, anders als andere Menschen die ihren Geburtstag feiern oder auch nicht und damit irgendwie umgehen. Doch für uns ist der Umgang damit schwierig, da dieser Anlass immer wieder genutzt wurde um uns besonders zu quälen. Die Erinnerungen sind also viel präsenter an einem solchen Tag. Die Gefahr, dass die Erinnerungen uns überfluten ist riesig. Schwerste Traumata fanden an diesem Tag statt. So ist für uns etwas schwierig zu sehen, wie unbeschwert andere Menschen diese Tage feiern können. Welch ein Glück sie haben. Für uns ist es inzwischen zwar noch schwierig, aber gemeinsam schaffen wir das. Es ist ein anstrengender Tag für beide Systeme im Jahr, doch zusammen ist es möglich das zu schaffen…

 

Liebe Schmetterlinge, es ist so schön mit euch gemeinsam durchs Leben zu gehen. Ja ich sage gehen, obwohl ich es nicht kann. Es macht mir überhaupt nichts aus und es ist einfach in den meisten Menschen vom Wortschatz her verankert. Manche Assistenten sagen auch, wir fahren mal, was auch irgendwie komisch ist denn die Assistentinnen fahren ja nicht, sondern nur wir. Bei den Schmetterlingen fühlen wir uns sicher und geborgen. Umhüllt von einer bedingungslosen Liebe, wie sie kleine Kinder eigentlich erfahren sollten. Das war bei uns nie der Fall. Jetzt können wir das etwas nachholen, was für beide wirklich sehr, sehr schön und wichtig ist. Geborgenheit erleben. Nicht irgendetwas Bestimmtes tun zu müssen um Aufmerksamkeit zu bekommen. In den Arm genommen werden, wenn wir körperliche Nähe brauchen. Und in Ruhe gelassen werden, wenn wir den (Körper)Kontakt gerade nicht zulassen können. All das ist so Ordnung und das ist wunderbar! Viele Höhen und Tiefen haben wir zusammen durchgestanden. Gemeinsam gemeistert, auch wenn es manchmal sehr schwierig war und ist und vielleicht noch sein wird. Vielen lieben Dank liebe Schmetterlinge!

 

Wandeln zwischen den Welten das war die letzten Tage Thema und es war schön und zugleich sehr anstrengend. Eine frühere Kommilitonin war zu Besuch. Sie kennt uns als System nicht! Zwei Persönlichkeiten aus unserem System kennen sie am besten, diejenigen von uns die im Studium überwiegend außen waren. Dass es sich dabei um mehrere von uns handelt weiß sie nicht. Das Alltagsteam löst sich ziemlich unbemerkbar für Außenstehende ab. Eintauchen in die alte Welt, teilen von gemeinsamen Erinnerungen. Aber auch von dem Heute erfahren, ihrem Erfolg und den Plänen mit eigenen Kindern zu hören. Mit beiden Beinen im Berufsleben stehen… Ein ganz „normales Leben“. Wir waren gemeinsam Essen, im Restaurant beim Eis essen und am See. Haben uns viel unterhalten. Da müssen wir dann schon wieder selektieren was anstrengend ist. Die Kleinen innen behalten, klappt mit Hilfe unserer Systeminternen „Babysitterin“ zum Glück sehr zuverlässig. Und doch brachen auch sie ihre Zeit und einen Raum. Ein paar Stunden verbrachten wir zusammen, dann mussten wir eine Pause einlegen. Mittagspause. Die schnellen körperlichen Grenzen spüren und zu artikulieren fiel uns nicht so leicht. Es ist halt wie es ist. Die Situation ist nicht zu ändern. Körperliche Schmerzen machten sich deutlich bemerkbar. Mehr Schmerzmittel war nötig. Um Hilfe bitten und diese einfordern. Wasser aus dem Rucksack nach vorne geben lassen, uns die Jacke an- oder ausziehen. All das und noch viel mehr war für sie keinerlei Problem. Für uns das darum bitten teilweise schon. Gemeinsames Frühstück im Hotel mit Buffet. Auch da brauchten wir Unterstützung. Sie ging bereitwillig mit uns zum Buffet, trug uns die Sachen zum Esstisch wo sie zuvor den Stuhl zur Seite rückte. Einmal kamen wir mit ans Buffet um zu sehen was es gibt. Semmel aufschneiden lassen, Butter draufstreichen lassen. Das Ei wurde für uns gepellt. Waffeln geholt, Orangen Saft, Tee. Was immer wir wollten. Sie hat uns nicht das Gefühl gegeben eine Belastung zu sein. Dankeschön! Das ist für uns mit den Schmetterlingen zusammen viel einfacher. Sie wissen ja auch sehr genau was wir mögen und brauchen. Da braucht es nicht viele Worte. Anders bei dieser Freundin. Trotzdem tat die Unabhängigkeit von den Assistenten bei diesem Treffen gut. Ungestört reden können. Ungestört zuzuhören und ohne dass andere Menschen unseren Gesprächsinhalt kennen. Ein Stück Luxus für uns. Sie erzählte viel, wir eher weniger im Verhältnis gesehen. Aber das macht nichts. Bemerken die Schüchternheit einer Persönlichkeit bei diesem Treffen viel deutlicher als sonst im Alltag. Da ist ja auch alles eingespielt, innen geregelt und klar geklärt wer von uns was genau erledigt. Klappt wirklich gut. Aber in so einer Situation greift das nicht. Zu viele Erinnerungen an das, was auch wir hätten erreichen können. Unserer Leidenschaft nachzugehen und das tun zu können was wir unglaublich mögen. Doch wir haben das nicht erreicht. Körper und Psyche streikten so heftig was uns manchmal noch beschäftigt. Erwerbsminderungsrente. Volle Erwerbsminderungsrente, inzwischen unbefristet. So hatten wir uns das Leben nicht vorgestellt. Nachmittag trafen wir uns nochmal, waren im Café. Abends waren wir sehr erschöpft und schliefen viel früher ein als sonst. Genossen haben wir die Sonne am See und doch wurde es irgendwann zu viel. Mit den Schmetterlingen waren wir schon öfter dort und auch mit anderen Freunden oder Assistenten. Die Situation ist da aber eine andere, da wir ganz offen als System den Tag verbringen können. Was lässt uns daran hindern zu sagen, dass wir Viele sind? Vieles! Erfahrungen und Reaktionen aus der Vergangenheit aber auch der Schutz des eigenen Systems und unserer persönlichen Geschichte. Vielleicht ist das für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Als wir uns kennenlernten wusste unser damaliges Alltagsteam nichts vom Viele sein. Die weiter Innen hingegen schon. All das hat viel Arbeit und therapeutischer Unterstützung bedurft um da zu stehen wo wir heute sind. Zu sagen man ist traumatisiert finden wir nicht mehr schwierig oder schwer. Und das ist ja ein Teil der Realität, nicht alles aber ein Stück weit schon. Vertrauen ist durch den jahrelangen Missbrauch ein kompliziertes Thema für uns. Denn wer meint es ehrlich mit uns? Das fällt uns nicht immer leicht dies zu erkennen. Danke für den Ausflug in diese so andere Welt und dass wir durch die Erzählungen ein kleines Stückchen daran teilhaben durften.

 

Origami gegen Depression

Ich bin eine Jugendliche von den Schmetterlingen. Im Moment habe ich ziemlich mit einer fiesen Depression zu kämpfen. Trotz Psychotherapie und medikamentöser Therapie habe ich Zeiten in denen ich am Liebsten nur noch im Bett liegen und stundenlang die Wand anstarren würde. Ich will nicht aufstehen, vernachlässige meine Körperpflege, trinke nur nach Aufforderung und bin bei allem was ich tue verlangsamt. Alles ist für mich eine unendliche Überwindung! Diese fiesen depressiven Schübe kommen oft ohne Ankündigung und sind an kein äußeres Ereignis geknüpft. Ohne die Hilfe unserer lieben Sonnenblumen wäre ich und auch wir als System in einer aussichtslosen Lage. Gestern Abend kam wieder so ein Schub. Sonnenblumen haben es schon daran erkannt, dass unser Gesicht ausdruckslos wurde und unsere Mundwinkel anfingen nach unten zu hängen. Damit wir in dem Gefühl nicht so steckenbleiben, hatten sie eine echt geniale Idee. Um mich konzentrieren zu müssen holten sie zwei Origami Blätter heraus. Am Anfang war ich davon alles andere als begeistert. Zum Glück ließen die Sonnenblumem nicht locker. Eine Jugendliche von den Sonnenblumen faltete mir etwas vor. Meine Aufgabe war es jeden einzelnen Schritt nachzufalten. In meiner psychischen Verfassung war das echt eine Herausforderung. Und meine Motivation war niedrig. Nach einer gewissen Zeit kam bei dem Origami Gefalte wirklich etwas heraus und zwar: „Himmel und Hölle“ Am Ende sollten wir noch in jede Ecke eine Sache schreiben, welche bei einem akuten depressiven Loch, leicht realisierbar ist. Zum Beispiel: sich zu den Kaninchen setzen und diese beobachten oder Kopfrechnen oder mit den Sonnenblumen etwas zusammen machen… Egal welche Seite man beim Falten öffnet, immer kommt eine positive Sache raus, die man machen kann, wenn man mal wieder in der Depression feststeckt. Das Gute daran ist, dass man ohne viel Aufwand („Himmel und Hölle“ kann man ja in seine „Notfallkiste“ tun) aktiv ins Handeln kommen kann. Keine Ahnung ob das anderen depressiven Menschen auch hilft, ich wollte nur kurz erzählen, dass es für uns hilfreich ist. J. Schmetterling

 

 

Der Unterschied zwischen traurig sein und depressiv sein:

Traurigkeit oder Trauer hat meistens einen oder mehrere bestimmte Auslöser und ist ein Gemütszustand. Beispielsweise kann man traurig sein, weil das geliebte Haustier verstorben ist. Dies ist eine völlig normale Reaktion welche je nach dem auslösenden Grund unterschiedlich lange und verschieden stark ausgeprägt sein kann. Man kann aber auch über etwas traurig sein, was längst in der Vergangenheit liegt. Beispielsweise was in einem Abschnitt des Lebens passiert ist. Manchmal kommt dies durch einen bestimmten Auslöser wieder hoch. Enttäuschungen und Verletzungen können ebenfalls zu einer Situation des traurig seins führen. Trauer muss Formen und Möglichkeiten finden ausgelebt zu werden und verblasst mit der Zeit wieder. Wenn der Verlust oder der Lebenswandel länger zurück liegt ist er nicht mehr so sehr im Fokus wie zu Beginn.  Die Traurigkeit verblasst und nimmt nicht mehr allen Raum im Leben ein was deutlich macht, dass es sich um eine vorübergehende Empfindung handelt. Je nach Grad der Traurigkeit kann man diese zumindest kurzfristig über Ablenkung in den Hintergrund rücken.

Eine Depression hingegen ist eine sehr erstzunehmende psychische Erkrankung und unterscheidet sich deutlich von der Traurigkeit. Diese Erkrankung beeinflusst das komplette Leben und die Verhaltensweisen, die Gefühle, Wahrnehmungen und Gedanken. Das Gefühl der Leere ist besonders ausgeprägt und je nach Schweregrad der Erkrankung ist die Bewältigung des Alltages nicht mehr möglich. Jede kleine Aktivität, wie beispielweise aus dem Bett aufstehen oder Frühstück richten erscheint einem als Berg den man nicht überwinden kann… Eine gedrückte Stimmung und fehlender Antrieb mit starker Ermüdbarkeit sowie der Verlust der Freunde an Dingen und Tätigkeiten welche einem früher Spaß gemacht haben sind deutliche Alarmzeichen. Weitere Symptome können Schlafstörungen, Gedankenkreisen und/ oder Suizidgedanken, starke Zukunftsängste, verminderte Konzentration und das Gefühl der Wertlosigkeit darstellen. Aber auch körperliche Symptome sind möglich und treten recht häufig auf wie beispielsweise Bauchbeschwerden, Kopfschmerzen oder allgemein Schmerzen.

Unsere lieben Schmetterlinge kämpfen gegen eine sehr hartnäckige Depression. Das plötzlich gar nichts mehr möglich ist als im Bett liegen kommt immer wieder vor. Dann erscheinen sie uns so weit weg. Was sie dann in dem Moment brauchen ist so unendlich unterschiedlich. Manchmal hilft schlafen, manchmal auch nicht. Ab und an tut Körperkontakt gut und in einer anderen Situation ist dies zu viel. Egal was gekocht wird, es schmeckt ihnen dann nicht. Was auch immer wir sagen mögen, kommt nicht an. Das ist manchmal schwer auszuhalten. Wo seid ihr dann nur? Was denkt und fühlt ihr? Ruhe und Rückzug. Die Mundwinkel ziehen sich an unten und auch für ein Foto fällt es schwer ein neutrales Gesicht zu zeigen. Manche Persönlichkeiten versuchen dies krampfhaft, doch wenn die Depression zu stark ist gelingt es nicht mal ihnen. So dumpf und durcheinander. Erschöpft und kraftlos wirkt ihr, manchmal auch hoffnungslos. Eine Persönlichkeit, diejenige die am stärksten Betroffen ist sagt manchmal: Es helfe ihr im Bett zu liegen und zu „schmollen“. Dann wirkt sie teilnahmslos. Einfach in Ruhe gelassen zu werden ist manchmal angebracht und in einer anderen Situation wiederum genau das Falsche. Depressiv sein ist keine persönliche Schwäche, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung mit vielen unterschiedlichen Gesichtern. Bei einer leichten Depression ist vieles im Alltag noch möglich, manchmal sogar ohne dass die Umwelt und das weiter entfernte Umfeld dies bemerkt. Bei mittelschweren Depressionen sieht dies schon ganz anders aus. Doch auch hier ist unter Umständen noch ein eingeschränkter Alltag zu bewältigen. Nein, jemand der eine Depression hat ist nicht empfindlich oder ein „Weichei“. Der Rückzug von sozialen Kontakten ist präsent, wodurch schnell das Gefühl der Einsamkeit entsteht. Die soziale Interaktion wird einfach zu anstrengend und erscheint wie ein Berg der nicht bewältigt werden kann.

Wie die Depression auf mich, eine der Alltagspersönlichkeiten der Sonnenblumen wirkt: Mein Gegenüber im System der Schmetterlinge ist am stärksten von der schweren Depression betroffen. Manchmal empfinde ich sie als gefühlskalt mir gegenüber. Dabei ist für uns Sonnenblumen noch am meisten Gefühl vorhanden, was wirklich gut und wichtig ist zu wissen. Immer wieder in Situationen wo „der schwarze Hund“ (die Depression) besonders stark ist, erschrecke ich mich ein wenig. Auch wenn die Situation nicht zum ersten Mal so ist, wie gerade in dem Moment. Ob ich da zu empfindlich bin? Zu viel erwarte? Keine Ahnung. Manchmal ja und manchmal nein. Dein Zögern wirft für mich immer wieder Fragen auf. Wenn ich mir dann aber klar mache, dass nicht ihr das seid, sondern diese fiese Erkrankung ist es einfacher für uns… Doch auch wir sind ein Mensch mit Bedürfnissen und Gefühlen und das darf auch auf jeden Fall so sein. Das ist der entschiedenste Unterschied zu den professionellen Helferinnen. Sie erleben immer nur einen kurzen Ausschnitt und wir erleben die meiste Zeit des Alltags. Erleben Tag ein Tag aus, Höhen und auch viele Tiefen. Wir suchen einen Ausgleich und müssen auch mit nicht depressiven Menschen zusammen sein. Das wird in der Fachliteratur immer und immer wieder bestätigt. Da sein und gleichzeitig für sich selbst auch Sorge zu tragen ist eine große Herausforderung der wir uns stellen. Dazu gehört auch, dass wir ab und an überfordert und überlastet sind. Doch wir hoffen euch genug unterstützen zu können und bald wieder bessere Zeiten gemeinsam erleben zu dürfen ohne diese fiese Depression.

 

 

Unser Alltag:

Wir Sonnenblumen können aufgrund der vielfältigen Einschränkungen physischer und psychischer Natur nicht mehr arbeiten. Unser Körper ist gerade mal 31 Jahre alt. Geldmäßig ist das vergleichbar mit einem Menschen, der Arbeitslosengeld 2 bezieht. Insbesondere unsere schweren chronischen Schmerzen machen uns das Leben schwer. Deshalb müssen wir oft raus aus dem Rolli, um beispielsweise Pause im Bett zu machen. In der Regel haben wir an 6 Tagen in der Woche Assistenz und einen Tag nur mit den Schmetterlingen zusammen. Das fühlt sich fast wie Urlaub an und ist für uns Beide und vor allem die vielen Kleinen in den Systemen notwendig und hilfreich.

Der Montag dieser Woche war ein Feiertag, wir hatten den ganzen Tag Assistenz. Aufwachen, kurz durchatmen. Etwas trinken, Wasser haben wir immer am Bett stehen. Eine unserer Kleinen schnüffelt noch etwas an ihrem Kuscheltier. Noch im Bett wird unsere Blase mittels Katheter entleert. In den Rolli gesetzt werden und ab geht es ins Badezimmer. Morgentoilette mit fremder Hilfe. Haare gekämmt bekommen, wie möchtest du die Haare heute? Meistens sind sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Die langen Haare im offenen Zustand nerven an der Kopfstütze des Rollis schnell. Manchmal lassen wir uns die Haare flechten. Das haben wir schon länger nicht mehr gemacht, fällt mir dabei ein. Das findet vor allem ein siebenjähriges Mädchen aus dem System besonders toll. Das Frühstück wird gerichtet. Wir frühstücken noch im Schlafanzug. Noch vor dem Frühstück gibt es System intern eine Diskussion, was es an diesem Morgen zum Frühstück geben soll. Da sind wir uns alles andere als einer Meinung. Manchmal gibt es Müsli, öfter aber Brot. Manchmal mit einem gekochten Ei. Im Schlafanzug frühstücken wir in der Regel, so dass nicht die Kleidung für den neuen Tag voll gekleckert werden kann. Denn das passiert uns häufig aufgrund der schwierigen motorischen Situation. Und ja, wir haben eine „Essschürze“, deren eigentliche Bezeichnung wohl „Lätzchen“ für Erwachsene wäre… meisten verwenden wir es auch. Aber manchmal setzt sich wer von uns in den Kopf es nicht anziehen zu wollen. Er oder sie sei ja schließlich kein Baby mehr... naja, meistens geht das nicht gut und das Essen landet auf der Kleidung. Nach dem Frühstück Medikamente nehmen. Besprechen, innen und außen was der neue Tag so mit sich bringt. Welche Termine wir haben und was zu erledigen ist. Wer im System welche Aufgabe übernehmen wird. Beispielsweise kümmern sich R. und L. von uns gemeinsam um den organisatorischen Kram. Der Aufgaben Zettel für die Assistenz ist in der Regel schon am vorherigen Abend geschrieben und für die hauswirtschaftlichen Dinge gibt es einen Haushaltsplan an dem das Erledigte angehakt wird. So behalten wir im Überblick was bereits geschafft ist oder was dringend an der Reihe ist… Mit der Assistenz heute läuft es gut. Wir sind vertraut miteinander. Sie arbeitet seit fast 2 Jahren hier. Vieles läuft von selbst, das ist schön und tut uns gut. Jemand, wo wir nicht mehr dauernd erklären müssen. Eigentlich wollten wir ins Schwimmbad, entscheiden uns dann aber doch dagegen. Wir wollen in ein Restaurant, wir beschließen gegen Nachmittag dort hin zu fahren. Angezogen werden wir, wir bestimmen dabei was wir gerne anziehen möchten. Auch das ist eine Sache, wo wir uns System intern nicht einig sind. Zumindest was den Wärmegrad der Kleidung angeht haben die Älteren das Sagen. Farbenmäßig wird’s, wenn man nur die Kleinen aussuchen lassen würde, sehr bunt. An manchen Tagen ist es sicher in Ordnung an anderen Tagen jedoch eher unpassend. Auch in unserem Kleiderschrank haben die Assistentinnen ihre Hände, überall in unseren Lebensbereichen. Das ist manchmal schwer. Mittags legen wir eine Pause im Bett ein, werden katheterisiert. Eine Jugendliche von uns hört etwas Radio, während die Assistentin sich mit dem Haushalt beschäftigt. Wir schlafen manchmal kurz ein. Klingeln, wenn wir wieder in den Rolli wollen oder schlecht liegen oder sonst irgendetwas brauchen. Sei es das uns die Sonne blendet oder das Wasser zum Trinken aus ist. Nach etwa einer Stunde lassen wir uns an diesem Tag wieder in den Rolli setzten und wir machen uns auf den Weg ins Restaurant. Vorher werden uns die Schuhe angezogen, hier Sandalen, weil das Wetter schön ist. Wir nehmen trotzdem eine Weste mir und Wasser mit viel Kohlensäure. Wasser ohne „blubb“ mögen wir nicht. Das Wetter ist schön und so suchen wir uns draußen einen schönen Platz. Es ist weniger los als gedacht. Schon im Vorfeld haben wir intern geklärt wer von uns essen wird und sich dementsprechend das Gericht aussuchen darf. Natürlich isst nicht nur Eine oder Einer von uns, sondern häufig zwei bis drei Persönlichkeiten, denen dieses Essen schmeckt. Wir unterhalten uns mit der Assistentin, heute fühlt es sich gut an. Sie erzählt von ihren Dingen. Manchmal ist uns das zu viel. Aber gerade passt es gut, ist nicht zu viel. Wir machen noch einen Spaziergang, machen einen Abstecher in den Park. Dort sammeln wir Grünfutter für unsere Kaninchen. Gras, Löwenzahl, Spitzwegerich, Breitwegerich oder Schafgabe. Was es halt gerade so gibt. Ein Mädchen von uns beobachtet Kinder auf dem Spielplatz und wünscht sich einmal mehr auch einen Kinderkörper zu haben. Eine Jugendliche fährt zurück zur Wohnung. Die Assistenz schließt die Türe auf, wir schauen in den Briefkasten uns bemerken, dass ja Feiertag ist. Naja, egal. Der Aufzug wird von der Assistentin mittels Knopfdrucks geholt. Sie drückt auf die 4, wir wohnen nämlich im 4. Stock. Sie zieht uns die Schuhe wieder aus. Wir kanteln den Rolli zurück und machen uns dann an den Schreibkram. Unterbrechung, wieder ins Bett gelegt werden. Wieder Blasenentleerung. Das wiederholt sich mehrfach am Tag. Zuhause ist das am einfachsten im Bett, unterwegs muss es im Rolli gehen. Geht aber, wenn die Helferinnen es etwas geübt haben. Wir kochen heute nicht. Die Schmetterlinge haben ja auswärts gegessen und wir auch. Nur einen Tomaten Salat bereiten wir mit Hilfe zu. Nun ja, wir machen die Sauce und würzen. Die Assistenz wäscht und schneidet die Tomaten. Denn das können wir motorisch leider nicht. Mit den Kindern haben wir die Vereinbarung getroffen, dass die kleineren abends um 20 Uhr nach innen gehen und die älteren Kinder um 21 Uhr. Somit haben die älteren, wenn alles glatt läuft, noch ein wenig Zeit ohne den Lärm, den die Kids verursachen. Ist irgendetwas schwierig, darf natürlich Jeder nochmal nach vorne. Wir schreiben den Schmetterlingen eine SMS, heute haben wir uns mehrfach geschrieben. Jetzt stürmt es so sehr, das Unwetter nimmt seinen Lauf. Wir sind zum Glück drinnen, die Schmetterlinge sind dummerweise aber noch unterwegs. Wir lesen auf einer Homepage im Internet, die Assistentin macht Pause. Dann wollen wir noch unter die Dusche. Im Liegen im Bett wird uns unten herum alles ausgezogen, die Kleinen verkrümeln sich nach innen. Vorher wurde ihnen noch ein Buch vorgelesen. Wir werden auf unseren Duschrolli gesetzt uns fahren schiebender Weise durch die Helferin ins Bad. Selbstständig können wir uns mit diesem Rolli nicht bewegen. Im Sitzen werden wir auch oben herum entkleidet, dann geduscht. Immer nach dem gleichen Ablauf… Nach dem Duschen wird ein spezielles Handtuch in den E Rolli gelegt damit dieser nicht nass wird, wenn wir zurückgesetzt werden. Wir bekommen unseren Bademantel an, werden abgetrocknet. Haare föhnen, eincremen. Wieder ins Bett zurückgelegt werden. Stellen die schlecht erreichbar sind werden jetzt abgetrocknet. Wir lassen uns den Schlafanzug anziehen, die schmutzige Wäsche landet im Wäschekorb. Wir sind erschöpft, telefonieren dennoch noch kurz mit einer Freundin die uns als System kennt. Mit ihr zu telefonieren ist einfach, weil es nicht ausmacht, wenn Jemand anderes etwas mit ihr quatschen will als „die Großen“.  Wir essen noch den Tomatensalat, lassen uns Wasser für die Nacht sprudeln. Schauen im Bett noch einen Film, nochmal kathetern vorm schlafen. Wie viele Persönlichkeitswechsel es wohl an einem Tag durchschnittlich gibt kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall sind es vor allem Zuhause einige. Gemeinsam als System zu leben ist schön aber anstrengend zu gleich. Wir kennen es aber auch nicht anders. Ein Leben mit nur einer Persönlichkeit hingegen können wir uns schwer vorstellen. Wirklich alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen gelingt leider nicht oft. Aber wir sind stehts bemüht, dass zumindest Jeder der was Akutes hat an dem Tag drankommt. Manchmal müssen die weniger dringenden Dinge auf den nächsten Tag verlegt werden.

 

Unser Alltag ist bunt und manchmal auch chaotisch. Und doch ist dieser gemeinsame Alltag das Schönste auf dieser Welt. Wir beide sind so unendlich froh einander zu haben und gemeinsam die Tücken des Alltages bewältigen zu dürfen. Dafür sind wir sooo dankbar. Die menschliche Nähe nach so vielen Jahres des Grauens in der Kindheit und Jugend hat unsere Art und Weise Beziehungen zu gestalten erheblich beeinträchtigt und beeinflusst diese bis heute. Nach vielen Jahren es Erprobens einer auch körperlichen Beziehung mit Umarmungen und in den Arm genommen zu werden ist ein riesiger Sieg über die Vergangenheit. Nie hätten die Täter von einst sich vorstellen können, dass zwei Systeme so viel gemeinsam erreichen können. Wir haben es gemeinsam geschafft die Vergangenheit ein gutes Stück hinter uns zu lassen. Trotzdem holt sie uns immer wieder ein. Aber zusammen sind auch die schwierigsten Tage viel leichter als früher alleine oder mit Hilfe professioneller Helferinnen und wenn das nicht ausreichte in irgendwelchen psychiatrischen oder psychotherapeutischen Kliniken.  Das war für beide Systeme jeweils alleine eine harte Zeit. Zumindest das ist heute einfacher. Danke, einfach danke dass ihr immer für uns da seid liebe Schmetterlinge.

 

Höre Musik und versuche gleichzeitig zu schreiben. Ob mir das gelingen wird, weiß ich noch nicht. Zuhören, denken, alles gleichzeitig. Wir werden ja sehen, ob was dabei rauskommt. Im Multitasking sind wir als multiples System sicher nicht schlecht. Das Wortspiel „Multitasking“ gefällt uns gut. Steckt doch in diesem Wort so viel Zutreffendes für uns. Vieles lauft bei uns parallel ab, im System in den verschiedenen „Straßen“ und auch bei den Alltagspersönlichkeiten.

Ein gutes Beispiel dafür ist folgende Situation welche die Schmetterlinge erlebt haben: Jemand von „den Schlaubergern“ saß in der Vorlesung für s Studium. Während dessen schreibt wer anderes für einen Freund ein Referat und beide Leistungen sind wirklich gut. Verwunderung der Kommilitonen folgte, niemand verstand, wie ihr das macht. Im Alltag ist ein System mit so Vielen, eine große Herausforderung. Manchmal kommt es einem vor, als wolle man einen Sack mit Flöhen hüten. Gerade die Kleinen, die relativ weit außen wohnen machen den Alltag sehr bunt und chaotisch. P., möchte gerne einen Mittagsschlaf machen während H., ein Jahr älter das auch noch ganz gut findet. Manchmal möchte sie aber lieber im Bett mit den Kuscheltieren spielen. Doch die Beiden werden sich meistens noch einig. Dann gibt es da aber auch die Bedürfnisse von J., einem 5-jährigem Jungen. Der alles, was Mädchen machen ziemlich doof und uncool findet. Er liebt es mit Lego zu spielen, mag die Feuerwehr sehr gerne und er und sein Freund malen auch manchmal. Sie spielen gerne Kindergarten. Vor kurzem haben die Beiden, also J. von uns und sein Freund von den Schmetterlingen neue Pinsel bekommen. Nun wird auch mit Wasserfarben gemalt. Früher wollte er gerne Würstchen, nach einer Kinderstunde hat sich das komplett verändert. J. hilft gerne beim Kochen, auch den Assistenten. Regen oder gar Schwimmbadbesuche findet er schrecklich. Doch in der Therme gibt es seit einiger Zeit einen Rasenmäher Roboter, der fasziniert ihn dann schon. H. ist 7 Jahre alt und ein sehr quirliges Mädchen. Sie liebt es ganz früh aufzustehen, fährt gerne mit unserem „Motomed Fahrrad“. Sie weiß ganz genau was sie möchte und was nicht, das setzt sie mitunter Lautstark durch. Sie liebt es vorgelesen zu bekommen, interessiert sich inzwischen auch selbst für Buchstaben. Ganz anders wiederrum ist A., ebenfalls 7 Jahre. Sie ist ein sehr schüchternes Mädchen, dass Pferde über alles liebt. Für sie war es wunderbar ein Pferd führen zu dürfen. Die Schmetterlinge saßen oben drauf. Möglich gemacht hat das eine Assistentin, welche eine Reitbeteiligung hatte. Die Assistentin hat uns im „Schieberolli“ geschoben, wir hatten das Pferd am Halfter. Auch andere Kinder von uns haben es versucht. Doch nur bei A. verhielt sich das Pferd vorbildlich. Pferd und Kind haben eine tolle Beziehung zueinander aufgebaut. Leider ist die entsprechende Assistenz nicht mehr in unserem Team und somit ist diese tolle Möglichkeit nicht mehr gegeben. Aber auch Pferdebücher und Karotten liebt sie sehr. Wahrscheinlich am liebsten, weil die Pferde ja auch Karotten essen. J. ist 8 Jahre alt, sie ist ein sehr taffes Mädchen, dadurch wird sie aber oft überschätzt. Sie liest den Kleinen vor, leibt es zu malen und zu zeichnen. Aber am wichtigsten ist ihr rechnen, was sie in den letzten Jahren wirklich sehr gut gelernt hat. Sie will Dinge erleben, traut sich beispielweise alleine mit ihrer Freundin von den Schmetterlingen in den Supermarkt um Kleinigkeiten vor allem für die Kinder zu kaufen. Wenn die ganz Kleinen Unterstützung brauchen ist J. oft zur Stelle und stolz, deshalb niemand Großen „holen“ zu müssen, sondern die Situation selbst regeln zu können. Zum Beispiel macht sie für die Kleinen, die Mittagspause machen wollen, die Rollläden zu wenn eine Jugendliche von den Schmetterlingen (die Dunkelheit nicht mag) mal wieder den Rollladen offengelassen hat. Ganz zufällig natürlich! All diese Persönlichkeiten sind bei uns unter „Außenkinder“ im System bekannt, da diese relativ weit vorne wohnen. In der Nähe der Jugendlichen und Erwachsenen Alltagspersönlichkeiten. Auch diese sind sehr verschieden. Können sich aber ideal ergänzen, was sehr positiv ist. R. muss viele Situationen durchstehen, die sonst keiner übernehmen kann oder will. Doch zum Glück wird sie unterstützt, zum Beispiel von einer Erwachsenen, die eher ruhig und zurückhaltend ist. Doch manchmal ist ja auch genau dies erforderlich oder auch notwendig. L. ist für viele kognitive Dinge zuständig, wobei ihre Kompetenz als sogenannte „Kompetente“ die vergangenen Jahre deutlich abgenommen hat. Auch M. ist im Alltag zuständig, ist aber nicht so häufig im Außen. Es geht im System dann noch deutlich weiter nach „Innen“, die Beobachterin tut das, was ihr Name impliziert. Sie beobachtet von innen, außen kann sie allerdings nicht so gut sehen. Wie das möglich ist? Genau erklären können wir es nicht. Das ist jetzt natürlich nur ein kleiner Ausschnitt an Persönlichkeiten in unserem System. Aber vielleicht ist es nun schon etwas verständlicher, wie viele unterschiedliche Bedürfnisse zusammenkommen. Dann gibt es sehr unterschiedliche Trigger, die von Persönlichkeit zu Persönlichkeit stark variieren. Das hat mit den jeweiligen Traumata der bestimmten Person von uns zu tun.

 

Wie ein Multi eine Fremdsprache erlernt:

Habt ihr eine Idee? Bestimmt ist das nicht bei jedem Multi gleich, bei uns läuft das heute folgendermaßen ab: Ich, eine Jugendliche aus dem System der Schmetterlinge, besuche den Anfängerkurs Italienisch an der Volkshochschule. Einmal pro Woche für zwei Stunden. Die Zielgruppe dort ist Jugendliche und Erwachsene. Gleichzeitig will ein Grundschulkind aus dem System auch Italienisch lernen. Wenn die Großen was machen, finden es die Kleinen im System natürlich auch interessant. Deshalb haben wir in einer Bücherei ein Buch zum Italienisch lernen für Kinder ausgeliehen. Als kleine Kinder im System, die etwa drei Jahre alt sind, das mitbekommen haben, wollten sie natürlich auch ein Italienisch Buch haben. Deshalb sind wir ein weiteres Mal in die Bücherei gefahren um ein italienisches Bilderbuch auszuleihen.

 

Wie das zusammen sein für uns Viele mit einem anderen System ist:

Für uns ist es das größte Glück, einander zu haben. Verstanden zu werden, auch ohne Worte. Sich aber abwechseln zu können im eigenen System ist für unser Miteinander sehr hilfreich. Gerade in schwierigen Zeiten ist das unglaublich wichtig. Das Zusammenleben mit einem Uno haben wir nie in Erwägung gezogen, geschweige denn versucht. Immer wieder hört man von Multis, dass dies eine riesige Herausforderung ist, welche häufig scheitert. Ausnahmen bestätigen auch da sicher die Regel. 24 Stunden mit einem multiplen System können schon ganz schön anstrengend sein, da nehmen wir uns nicht aus. Die vielen „Wechsel“, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Stimmungen auszuhalten und wenn möglich demjenigen das zu geben was er oder sie gerade braucht ist eine große Herausforderung. Trigger oder Flashbacks können alles Geplante über den Haufen werfen. Bei unseren beiden Systemen ist es so, dass viele Persönlichkeiten im anderen System ein Gegenüber haben. Kleinen Persönlichkeiten vom eigenen System, die sich bei wem von den Großen des anderen Systems das holen können was sie brauchen. Natürlich ist das nicht immer und auch nicht zu allen Zeiten möglich. Deshalb versuchen wir täglich Zeiten einzurichten, um zu besprechen was wer braucht und wo Hilfe erforderlich sein wird. Wenn irgendwie möglich, richten wir eine Mittagspause ein, die wird insbesondere von 2 kleinen Mädchen sehr stark eingefordert. Häufig schaffen wir es sogar einzuschlafen, das tut uns beiden wirklich gut. Tage an denen keine Mittagspause (aus zum Beispiel organisatorischen Gründen) möglich ist schlauchen uns sehr viel mehr, als die Tage mit Mittagspause. Die Kleinen bekommen ihre Kuscheleinheiten, spielen mit ihren Kuscheltieren oder besprechen etwas was für sie wichtig ist. Zum Beispiel, wann wieder „Kinder Spaziergang“ ist. Das lieben unsere Kleinen. Ist nur leider in der Stadt an vielen Orten nicht möglich. Wenn wir die zeitlichen Möglichkeiten haben fahren wir in einen Park, dahin wo es keine Autos gib und keine großen Straßen. Dann dürfen bei beiden Systemen Kinder vor, natürlich nach Absprache und mit dem Hinweis an wen sie sich wenden sollen wenn irgendetwas ist. Wenn wir so gemeinsam unterwegs sind machen wir es oft so, dass ein Kind von einem System mit jemand Großen vom anderen System unterwegs sein darf. Bei uns Sonnenblumen ist auch mal wer Kleines vorne, wenn wir mit Assistentinnen unterwegs sind. Heute war ich, R. von den Sonnenblumen beispielsweise mit jemand von den Kindern der Schmetterlinge beim Drogeriemarkt. Sie wollte sich die Oster Dekoration anschauen. Sowas ist zu zweit einfach viel leichter machbar. Eine Jugendliche von uns hat anschließend noch nach Nagellack geschaut und zwei Persönlichkeiten aus dem Alltagsteam kauften die sonst noch benötigten Dinge ein. Also langweilig wird es bei uns nie. Einige Persönlichkeiten leiden unter den tatsächlichen „Körperlichen Gegebenheiten“. P. beispielsweise, 3 Jahre alt, sagt immer wieder, dass unsere Hose ihr viel zu groß sei. Sie wolle eine Kinderhose. Tja, der Wunsch ist durchaus nachvollziehbar aber leider nicht realisierbar. Ebenso kommt immer wieder der Wunsch nach Kindergarten oder Schule bei manchen der Kinderpersönlichkeiten auf. Die Tatsache, dass es für Multikinder einfach keinen Kindergarten oder keine passende Schule gibt ist schwer zu verstehen und zu akzeptieren. Ein Mädchen von uns sagte vor kurzem: Am besten wäre es, wenn wir immer montags in den Kindergarten könnten, dienstags in die Schule (sie meinte so 1.-2. Klasse) usw. Ein anderes Mädchen entgegnete sie wolle lieber auf eine weiterführende Schule. Mittwochs dann am besten an eine Hochschule oder Uni für die „Schlauberger“. Donnerstags irgendwo arbeiten und der Freitag bleibt dann frei um alles zu machen, was sonst noch gewünscht wird. Die Realität sieht halt anders aus. Abgesehen davon könnten wir selbst wenn es so etwas geben würde dieses Pensum nicht schaffen. Leider! Die Kinder dürfen natürlich Schule und Kindergarten spielen, bekommen Bücher vorgelesen und lernen teilweise auch lesen, schreiben und rechnen. Ausflüge in die Kinderbibliothek genießen sie sehr. Dort wird fleißig ausgeliehen und wir Großen oder die Jugendlichen sind immer wieder erstaunt, was Kinder in einem gewissen Alter so alles wissen können oder auch müssen. Eine Jugendliche von uns Sonnenblumen hört viele Hörbücher, die Schmetterlinge lernen derzeit Italienisch. Der Horizont wird also stetig vergrößert.

 

Typisch Multi!

Vor kurzem hatten wir einen Termin bei unserer Psychiaterin. Als wir im Sprechzimmer saßen, „hüpfte“ plötzlich ein Kind vor und fragte die Ärztin: „Hat die Blumen auf dem Tisch eine Patientin mitgebracht, die depressiv ist?“ Verwundert fragte die Ärztin „warum“? Die Antwort des Kindes: „Weil die die Köpfe so hängen lassen und wenn man depressiv ist, sagt man doch, man lässt den Kopf hängen“. Schmetterlinge

 

Zum ersten Mal waren wir auf einem Fachtag für Multis. Das war sehr spannend aber auch anstrengend. Zum ersten Mal gab es hier in der Region eine derartige Veranstaltung, für die wir uns schon vor Monaten angemeldet hatten. Die Veranstaltung war wahnsinnig stark besucht und laut den Veranstalterinnen hätten noch viel mehr Menschen teilnehmen wollen, doch die Kapazitäten gaben das nicht her. Für uns bedeutete das nach einer anstrengenden und kurzen Nacht erst mal früh aufstehen. Die morgendliche Routine unter Zeitdruck ist für zwei Systeme schon eine Herausforderung. Am interessantesten für uns Beide war der Workshop, wo wir mit zwei weiteren Multis saßen. Zwei Selbstbetroffene hielten den Vortrag. Für uns ganz klar, sechs Multis in diesem einen Raum. Unglaublich! So viele auf einmal! Woher wir das wussten? Wir registrieren das irgendwie ganz schnell. Wie genau das von statten geht kann ich nicht genau erklären. Eine Teilnehmerin von der wir sofort wussten, dass auch sie Viele ist hatte ein rosa Schweinchen in der Hosentasche. Das haben unsere Kleinen natürlich sofort registriert und fanden das total toll. Ansonsten waren überwiegend professionelle Helferinnen und Helfer wie beispielsweise Therapeuten anwesend. Der Tag war spannend, irgendwie auch aufregend und anstrengend. Vorträge wechselten sich ab, es gab auch was zu essen. Sich unter all den Menschen bewegen, immer wieder angesprochen werden. Einige uns bekannte Menschen waren auch dort. Auch sind wir auf Personen getroffen die wir dort gar nicht vermutet hätten. Das war schön, aber irgendwie auch schwer. Wir haben es nicht bis zum Ende des Tages geschafft, haben gut für uns gesorgt und sind nachmittags dann nach Hause gefahren. Das war genug. Danach sind wir beide müde ins Bett gefallen und haben erst mal zwei Stunden geschlafen.

 

"Alles okay" sagt die Große von den Schmetterlingen. "Ganz sicher?" Ängstlich schmiegt das Mädchen sich an.

 

„Ihr seid ja sowas von multipel. Kresse Brot mit Fanta zum Frühstück.“

 

Psychische Erkrankungen

Warum wird ein Mensch psychisch krank? Was hat Einfluss darauf? In der Regel sind es viele Faktoren die zusammenkommen. Ganz allgemein zusammengefasst haben drei Faktoren am meisten Einfluss auf psychische Erkrankungen. Das ist zum einen das Lebensumfeld, das Leben wie es eben jedem so spielt und vielleicht auch zum Teil die Gene. Es gibt also mehrere Komponenten die Einfluss darauf haben ob, wann und wie krank jemand wird. Es ist eine Kombination aus unterschiedlichen Bereichen des Lebens. Vielleicht haben die Gene einen Einfluss. Ist ein traumatisches Ereignis im Leben tatsächlich der Auslöser? Warum können manche Menschen traumatische Situationen besser verarbeiten als die, die eine posttraumatische Belastungsstörung bekommen? Alle Menschen die denken das psychische Erkrankungen nichts mit ihnen zu tun haben laden wir ein bei uns ein wenig zu lesen. Vielleicht zeigt es manche Dinge auf, die man sich als psychisch gesunder Mensch nicht vorstellen kann. Es ist bestimmt merkwürdig in unsere Welt abzutauchen, wir finden das Wandeln zwischen den Welten anstrengend. Bei psychischen Erkrankungen fallen oft solche Kommentare wie „das ist doch alles nicht so schlimm „. „Reiß dich zusammen, stell dich nicht so an.“ Es ist ein nicht können! Es ist nicht ein nicht wollen! Psychische Erkrankungen können schwerwiegend sein.

 

Fleisch Esser, Vegetarier oder Veganer was sind wir nun?

Diese Frage wird sich ein Uno nicht stellen. Er ernährt sich mit einem der drei Ernährungsformen. Bei einem Multi ist das oft ganz anders: Wir Schmetterlinge sind auf den ersten Blick ein Mensch der sowohl Fleisch und Wurst als auch vegetarische und vegane Lebensmittel isst. Trotzdem gibt es im Inneren einzelne Persönlichkeiten, die sich rein vegetarisch oder rein vegan ernähren. Manchmal ist das beim Essen deshalb ganz schön chaotisch. Ein kleiner Junge zum Beispiel isst gerne Wiener Würstchen. Das gefällt aber nicht allen im System. Während er außen sein Würstchen ist, protestiert innen zum Beispiel eine Jugendliche, die nur vegane Lebensmittel zu sich nimmt, dass sie nicht möchte, dass der Körper sich nicht rein vegan ernährt. Da kommt es oft zu Diskussionen. Jeder möchte seinen Willen durchbekommen. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir vorhersagen, was wir jetzt essen. Damit haben Persönlichkeiten, die dieses Lebensmittel nicht möchten die Möglichkeit weiter rein zu gehen, damit sie davon nichts mitbekommen. Insgesamt essen wir nur wenig Wurst und Fleisch, da wir nur Fleisch von Tieren essen, die möglichst artgerecht gehalten wurden.  Da dieses automatisch teurer ist, können wir uns finanziell nicht viel davon leisten. Aber das ist nicht schlimm. Lieber essen wir selten tierische Produkte, aber dafür möglichst von artgerechter biologischer Haltung, Billige Fleisch – und Wurstwaren landen gar nicht in unserem Einkaufswagen. Da sind sich alle im System einig!

 

Eine 4- jährige ruft innen „über den Flur“, sie will jetzt Pudding kochen. Jetzt und nicht später. Dann fragt sie außen die Schmetterlinge die sagen, dass sie in 5 Minuten soweit sind. Das Mädchen geht nochmal nach innen, will einem anderen Innenkind noch etwas sagen. Der Pudding ist gekocht. H. und ihre Freundin aus dem anderen System haben hauptsächlich gekocht. Zwischendurch fragten die Beiden ein 8-jähriges Mädchen, ob sie für sie rechnen könnte. Ein kleiner Junge der Schmetterlinge füllte die Milch in den Topf. Das 4-jährige Mädchen beschwerte sich, sie wolle Pudding kochen. Ganz alleine mit ihrer Freundin. Doch ganz alleine am Herd geht mit den Kleinen nicht. Eine Jugendliche übernahm die „Bereitschaft“. Drei Schüsseln Schokoladenpudding sind entstanden. An die Schüssel die übrig bleibt, hat H. einen Zettel geklebt. „Stopp, nicht essen“. Das keiner später ihren Pudding aufisst. Was in einem System schon mal vorkommt.


2020

 

Können Tiere multipel werden?

Das frage ich mich öfters. Ich bin ein Kind der Schmetterlinge. 

Leider werden im Kult aber auch sicher woanders junge Tiere und auch Tierbabys gequält oder sogar tot gemacht. Das finde ich sehr gemein, da die sich oft gar nicht wehren können. Wenn man ein junges Tier z.B. ein Kätzchen öfters ganz doll quält kann es dann dissoziieren oder sogar multipel werden? Bei kleinen Kindern funktioniert das ja. Die spalten sich immer weiter auf. Das ist wie eine Überlebensstrategie. Leider kann man die Tiere ja nicht fragen ob die das auch so machen. Ich habe auch die Großen in unserem System gefragt. Auch die wissen es leider nicht.

 

Menschen sehen komisch aus. Corona und Maskenpflicht.

Masken vor den Gesichtern. Ein Mädchen von uns fragt das andere System. Ist jetzt ein neuer Kult da? Ihr macht es Angst. Diese „halben Gesichter“. Wo sind die Gesichter hin? Ich kann Menschen nicht richtig sehen. Höre sie schlecht. Sehe nicht ins Gesicht. Kann daraus keine Informationen ableiten. Hören, verwaschene Sprache. Unsicherheit. Sorge und Angst. 

Alles okay sagt die Große von den Schmetterlingen. Ganz sicher. Ängstlich schmiegt das Mädchen sich an.

 

Wir haben dieses Jahr Osterkarten gestaltet. Ja, ihr lest richtig: Osterkarten. Darauf geschrieben haben wir für unsere Freunde und Bekannte „Wie du/ ihr ja weißt / wisst mögen wir solche Feiertage nicht…“ Für einige Karten haben Kleine aus dem System etwas gemalt und die ganz Kleinen mit Fingerabdrücken experimentiert. Größere Kinder haben, dass mit dem Hintergrund übernommen und die Fingerabdrücke gestaltet, beispielsweise indem ein paar Striche das Auge unterstützen ist zu erkennen, was das auf dem Papier denn sein soll. Osterhasen, Ostereier, Küken, Blumen und Gräser haben sich auf den Karten abgewechselt. Jede Karte ein Unikat, sozusagen.

Wir Sonnenblumen haben aus einer Schachtel für unsere Katheter Osternester für beide Systeme gestaltet. Mit selbstgemaltem Papier. Das sind kleine viereckige Schachteln.

Für uns ist es inzwischen möglich, Ostereier zu färben. Einige der Kleinen haben daran richtig Spaß, für andere Persönlichkeiten hingegen ist es nicht so leicht, weil es ja auch an das häusliche Umfeld als Kind erinnern kann. Diejenigen gehen also ganz weit nach Innen. Insgesamt haben wir 6 Eier gefärbt, die überwiegend wir Sonnenblumen essen, da die Schmetterlinge keine kalten, hartgekochten Eier mögen. Freude beim Eier färben hatten trotzdem beide Systeme.

Menschen die uns gut kennen wissen, dass solche Tage wie Ostern für uns als Kultmulti besonders schwierig sind. Wie so viele andere Tage im satanistischen Jahreskreislauf ebenfalls. Früher waren solche Tage für uns aber noch deutlich schlimmer als das heute der Fall ist. Wir meistern schwierige Tage gemeinsam was von unschätzbarem Wert ist. Es gibt auch problematische Tage, die nur ein System betrifft oder an unterschiedlichen Tagen im Jahresverlauf sind. Dazu gehören beispielsweise Geburtstage, auch bestimmte Ereignisse und negative Erlebnisse die für jedes System an einem anderen Tag gebunden sind. Inzwischen wissen bestimmte Persönlichkeiten wann beziehungsweise welche Persönlichkeiten im System ein Tag besonders betrifft. Das erleichtert die Handhabung der schwierigen Situation. Zusammen geht es eh viel besser als alleine.

 

Innenansichten:

Ich bin schon vor dem Virus den meisten Menschen ausgewichen. Das ist für mich also nicht neu. Ich befürchte, dass ich eine lange Zeit brauchen werde, bis ich wieder normal mit meinen Mitmenschen leben kann. Wieder Menschen begegnen kann, den öffentlichen Nahverkehr wieder ertrage. Die Sozialphobie wird so unbewusst verstärkt und teilweise auch die Depression. Plötzlich ist zu Hause sein, zu Hause bleiben, erwünscht. Das kommt der Depression entgegen. Gut ist das sicher nicht. Ich darf zuhause bleiben und im Bett rum liegen. Termine werden abgesagt. Manche Termine finden noch statt wie beispielsweise die Einzel Ergotherapie. Die Gruppentherapien in der Ergo entfallen. Struktur entfällt. Das tut nicht so gut. Ist schwierig. Zum Glück bauen beide Systeme zusammen die notwendige Struktur für den Alltag auf. Strukturierung ist für uns sehr wichtig. Therapie am Telefon hat für mich auch Vorteile. Da muss ich nicht angezogen sein, es fällt nicht auf, wenn ich die Körperpflege vernachlässige und hab keinen stressigen Fahrtweg. Rausgehen, z.B. ins Kino ist für mich schon immer wieder eine Anspannung und Anstrengung. Wir sollen jetzt nur zuhause rumsitzen. Das sagt die Depression ohnehin oft. Momentan ist für jeden Menschen ersichtlich, dass dieses zuhause bleiben wichtig ist. Es wird nun auch nicht auf die Depression geschoben. Denn alle Personen sollen ja zuhause bleiben. Also fällt es nicht so auf. Draußen sind wir weniger angespannt, wegen weniger Menschen. Auch gibt es draußen weniger Geräusche, alles ist ruhiger. Zuhause sitzen zu müssen setzt mir nicht so zu wie anderen Menschen.

 

Alltag

Planung ist alles, viele Absprachen im System direkt sind notwendig. Chaos, das gehört zu unserem Viele sein dazu. So unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche und Vorlieben. Aber auch verschiedenste Trigger, Angst, Depression, Traumasymptome im Allgemeinen und auch Flashbacks gehören zu unserem Alltag. Gefühlsmäßig erscheinen manche Alltagspersönlichkeiten wohl recht kühl und unberührbar, „Kompetente Persönlichkeiten“, die viel mit kognitiven Dingen zu tun haben. Doch innen kann das ganz anderes aussehen. Übersprudelnde Gefühle, unterschiedlichste Gefühle und konträre Gedanken. Sichtweisen die unterschiedlicher nicht sein könnten. Planung und Planbarkeit sind für das System wichtig, denn sie geben Halt, Gewissheit und Orientierung. Deshalb sind spontane Änderungen nicht so einfach möglich. Doch das hat sich mit den Jahren deutlich gebessert. Wir sind flexibler geworden, was auch mit einer höheren Fähigkeit der systemeigenen Kommunikation zusammenhängt. Unsere Stile für Kleidung und Fraulichkeit sind unterschiedlich. Wie z.B. lackieren der Fingernägel. Das stößt gerade bei den Jungs und männlichen Persönlichkeiten immer wieder Diskussionen an. Aber auch die Mädels sind sich da nicht einig. H. beispielsweise liebt rosa Nagellack, der bei den Großen nicht gerade auf Begeisterung stößt. Kompromisse wie dieser gehören einfach dazu. Einmal haben wir jeden Nagel in einer anderen Farbe lackieren lassen, war dann irgendwie aber auch nicht der Hit. So viele Unterschiede und doch ein Körper, ein Körper in dem wir alle zusammen Zuhause sind.     


 

Ausstieg

An den Missbrauch und an das Leben im Kult waren wir von klein auf gewöhnt. Trotzdem war das alles zu ertragen und auszuhalten schwer. Langsam wurden wir durch Therapie immer stabiler, wir schafften mit Hilfe unserer Therapeutin den Ausstieg aus dem Kult. Kurze Zeit später erfolgte der Ausstieg aus der Zwangsprostitution. 

Trotz Warnungen stiegen wir aus dem Kult aus! Man darf die Kraft und Macht des Kultes auch nach dem Ausstieg nicht unterschätzen. 

 

Wird fortgesetzt....